Besseres Anschreien – ein Exkurs (und dann geht es noch um Wackelzähne, Babys, Bäuche und Angst im Dunkeln)

Von Alamne

Die letzte Woche war besser. Nicht so gehetzt, ruhiger, entspannter, zurück gelehnter. Ich glaube, ich habe jetzt auch alles verdaut. Meine Nerven werden wieder besser, unter anderem auch weil das Prinzesschen jetzt ruhiger geworden ist und ihre Probleme nach dem Umzug weitgehend überwunden hat. Sie kommt nicht mehr jede Nacht in unser Bett, weint weniger und ist alles in allem ausgeglichener. An ihr merkt man sehr schnell, wenn ihr etwas zu schaffen macht. Sie schreit dann sehr schnell oder anders gesagt, sie brüllt ihre Gefühle einfach raus. Sie als Papakind, vermisst ihren Vater zwar immer noch am meisten, hat sich aber an den „anderen Papa“ so gut gewöhnt, dass sie auch bei ihm Trost findet. Außerdem kann sie es kaum erwarten endlich ein Vorschulkind zu werden und ich freu mich sehr für sie, denn dann ist ihr „Platz“ als Schwester mittendrin viel definierter. Man kann viel für oder gegen dieses Mittelkindgequatsche sagen, aber am Prinzesschen merke ich ganz deutlich, dass da schon was dran sein muss. Achja, sie hat am Kindertag ihren ersten Zahn verloren und sieht jetzt herzallerliebst und goldig mit ihrer Zahnlücke aus. Sie hat eine Woche lang jeden Abend eine Stunde beim Einschlafen an diesem Zahn gewackelt. Sich heimlich das Blut an einer Puppensocke abgewischt und mir dann endlich stolz ihren ersten verlorenen Zahn präsentiert, der offensichtlich noch eine Weile in ihrem Mund geblieben wäre, macht man dies an dessen Wurzellänge fest. An dieser Stelle krieg ich ne leichte Gänsehaut.

Die Befindlichkeiten der anderen? Das Nesthäkchen dreht noch ab und an am Rad, aber das ist schon ok. Sie ist ja erst 3. (Im Hinterkopf habe ich da natürlich immer, dass die Große in diesem Alter schon zwei Geschwister hatte und viel mehr wie eine Große behandelt wurde.) Heute Nacht hat sie sich zum Beispiel endlich mal nicht wie ein kleiner Draufgänger benommen, sondern geweint weil sie im Dunkeln schreckliche Angst hatte. Das klingt zwar seltsam, aber ich fand das in dem Moment anrührend und schön, weil sie sich mal ein bisschen altersgerecht benommen hat und nicht wie eine kleine Diva mit unendlichem Selbstbewusstsein. Alles in allem hatte sie aber am wenigsten zu kämpfen (lässt man mal außer Acht, dass sie fast den Kindergarten niedergebrannt hat und weder dort noch zu Hause Ohren hat), vielmehr kämpfen wir gegen fehlende Ohren und mit uns selbst auf dass man die eigene Konsequenz aufrecht erhalten kann. Erziehung… Sie wissen schon. Das ist das was nie aufhört und man immer wieder neue Herausforderungen findet. Ein Spitzenjob!

Die Große ist auch gut angekommen. Weint manchmal, weil sie zu ihrer Oma will. Sie ist dort sehr gern. Ich habe das Gefühl dort kommt weniger Eifersucht zwischen den Mädels auf. Denn das ist das größte Problem zur Zeit. Die ständigen kleinen Kämpfe und die Eifersucht. Das kannte ich vor einiger Zeit noch gar nicht, aber seit das Nesthäkchen richtig spricht, mit in die selbe Gruppe wie das Prinzesschen geht und die Große in der Schule ist, sind die Eifersucht und die Zickereien aus dem Nichts aufgetaucht. So kommt es mir jedenfalls vor. Und das nervt und nervt und nervt. Sie verstecken Spielzeug ihrer Schwestern, beschuldigen sich gegenseitig, machen untereinander Sachen, Bilder, Basteleien kaputt… Das finde ich ätzend. Ich versuche nur einzugreifen, wenn ich merke, sie können das nicht selbst klären oder es wird unfair. Ich will ihnen nicht ständig „auf die Finger klopfen“ und wie eine Glucke hinter ihnen stehen um ihnen in einem fort die Welt zu erklären. Sie sollen sich selbst behaupten können, dabei fair mit anderen sein und sich streiten lernen. Aber in den letzten Wochen sah ich meinen Erfolg ihnen das zu vermitteln in Frage gestellt. Aber vielleicht war es auch nur der Stress des Umzugs, der das alles ein bisschen dramatischer erscheinen lässt. Die Lautstärke und der Tonfall nerven mich dabei am meisten, auch die „Hinterlistigkeit“ mancher Aktionen.

Was die Art zu reden oder vielmehr das Anschreien angeht so habe ich da sicher auch meinen Beitrag geleistet, aber ich bin keine Mama die die ganze Zeit Ruhe und einen kühlen Kopf bewahrt und ich weiß, dass ich auch dreimal tief durchatmen könnte, aber manchmal will ich das nicht. Manchmal gehen einfach alle einen Schritt zu weit und dann werde ich richtig mies, wenn ich einmal Fahrt aufgenommen habe. Deeskalation sieht anders aus, aber sie wird es in Zukunft sicher wieder öfter geben. Naja, unsere Nachbarn denken inzwischen sicher, wir kommen ursrünglich aus Italien… Aber daheim bei Mama, war es auch so und der ganze Mist muss manchmal einfach raus. Die armen Kinder werden manche denke und ehrlich gesagt, denke ich das auch gerade, aber nur weil ich weiß, dass andere das gerade denken und dass sicher in einem tollen Ratgeber steht, dass es die armen Kinder für ihr Leben zeichnen wird, wenn Eltern so gemein sind und gegenüber ihren Kindern laut werden. Mmmh, mal nachdenken. Was schrei ich eigentlich so? Vor allem, reg ich mich auf, wenn alle durcheinander reden, mir nicht zuhören und nicht einfach machen, was ich sage. Dann werde ich sehr grantig. Nicht immer, aber manchmal. Ich werde aber nicht beleidigend oder herablassend. Das wäre nicht ok. Ich mache einfach nur deutlich, dass ich sauer bin und es SO nicht weiter geht. Das klingt eigentlich ganz gut. Bewundernswert in diesem Punkt finde ich IHN, der es schafft unendlich lange unendlich ruhig zu bleiben. Vielleicht bin ich da ein wenig vorbelastet. Aus mir spricht der pure Neid. Aber so kann ich manchmal einfach aus dem Zimmer gehen und der „gute Cop“ überninmmt das Kommando im Krisengebiet. Das ist echt klasse. Das kannte ich vorher so nicht. Er ist einfach ein Naturtalent. So langsam sollte ich mal ein bisschen Struktur in diesen Text bekommen… kann man mir noch folgen? Was noch zu dem Eifersuchtsding zu erwähnen wäre, ist, dass ich hoffe, dass es bald besser wird, sich alle wieder lieb haben, nicht mehr so ne Zicken sind, … aber ich glaube, es wird schon besser. Sind ja alles Phasen. Weiß ich. Das setzt aber nicht die Tatsache außer Kraft, dass ich guten Phasen nachtrauere. Die Ohne-Eifersucht-in-purer-Eintracht-Phase scheint vorbei. Mit der Eintracht abgestiegen, wie es scheint.

Ich stoppe mal diesen unendlichen Absatz und baue noch eine andere Neuigkeit bzw Entwicklung mit ein. Da wir ja nun erfolgreich zusammenleben und Zitat „Hallo, fast alle Kisten sind ausgepackt“ Zitatende, somit also den Umzug faktisch ganz hinter uns gelassen haben und, in den Augen des zitierten Kindes, uns auch alle schon prima eingelebt haben, soll es doch nun endlich bitte ein Geschwisterchen geben. Und darauf werden wir jeden Tag aufmerksam gemacht. Von Seiten der Kinder besteht der Plan ihre Zimmer jetzt immer ganz gründlich aufzuräumen, da das Baby sonst Kleinteile verschlucken könnte. Es besteht also die Hoffnung, dass das die neue Macke der Kinder wird, dieses ständige Gefrage und sie darüber vergessen sich gegenseitig Streiche zu spielen. Amüsant ist es auf alle Fälle. (Nicht ganz so cool finde ich es, wenn die Große ihre Hand liebevoll auf meinen Bauch legt als wäre da ein Baby drin. Empfinde das als ein wenig belästigend. Oder wenn das Prinzesschen sagt, Mama warum ist dein Bauch so dick? Ist da ein Baby drin? Empfinden: Bin ich eigentlich wirklich so dick geworden???)

Der „neue Papa“, den die Mädels ab und an mal Papa nennen, was ich irgendwie ganz süß finde, hat sich so langsam auch eingewöhnt. Durchschlafen ist ja immer das Heiligtum aller Noch-nicht-Eltern, dass ihnen zwar nicht so bewusst ist. Wird es Ihnen aber genommen, so ist das eine mittlere Katastrophe. Dann mus Trauerarbeit geleistet werden. Und die ist in unserem Fall so langsam abgeschlossen. Das ist gut. Das Prinzesschen hilft auch fleißig mit, indem es endlich wieder nachts in ihrem eigenen Bett weilt. Und sonst so? Wir sind glücklich. Punkt. Und wir haben an diesem verlängerten Wochenende das erste Mal seit langem ein getrenntes Wochenende. Die Mädels(ich zähl mich natürlich dazu) haben also sturmfrei in der riesigen Bude. Ist schon seltsam. Irgendwie schön. Auch, dass man sich mal wieder vermissen kann. So richtig.

Ende