besondere fundstücke

Beim Stichwort “Ausgrabungen” denkt fast jeder an endlose, öde Geröllhalden im Nahen Osten, an Städte wie Rom oder Köln oder an Höhlen in Frankreich. Dass auch Baden-Württemberg bedeutende archäologische Schätze zu bergen hat, beweist eine schöne Neuerscheinung von Theiss, dem Fachverlag für Landeskunde und Archäologie: “Meilensteine der Archäologie in Württemberg. Ausgrabungen aus 50 Jahren” ist ein üppig ausgestatteter Band, der die bedeutendsten Funde in Württemberg “hebt”. Dazu gehören die Steinzeithöhlen auf der Schwäbischen Alb genau so wie die Pfahlbausiedlungen am Bodensee oder das keltische Fürstinnengrab bei der Heuneburg.

theiss

Es ist der zweite Geburtstagsband des Herausgebers, der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern. Mit mehr als 3200 Mitgliedern – darunter archäologisch interessierte Privatpersonen, Städte und Gemeinden, Wirtschaftsunternehmen und andere Institutionen – eine der größten archäologischen Vereinigungen in Deutschland.

Zum 50. Jubiläum “galt es Bilanz zu ziehen, um aufzuzeigen, welch enormen Fortschritt und welche Entwicklung die Landesarchäologie in fünfzig Jahren des Bestehens [der] Gesellschaft zu verzeichnen hat”, so Prof. Dr. Dieter Plank im Vorwort der Neuerscheinung. Hauptziel der 1963 gegründeten Gemeinschaft ist die Erforschung von Vor- und Frühgeschichte des württembergischen und hohenzollerischen Landesteiles im Rahmen der Kultur- und Heimatgeschichte. Archäologische Kulturdenkmale sollen erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Tatsächlich bestehe in Württemberg ein “alt eingewurzeltes Interesse der Bevölkerung an ihrer heimischen Vergangenheit”, wusste der frühere Ehrenvorsitzende Prof. Wolfgang Kimmig. Auch Tagungen, Exkursionen und Ausstellungen gehören zum Aufgabengebiet der Gesellschaft.

Landesarchäologie in Baden-Württemberg bedeutet neben kontinuierlicher Weiterentwicklung und systematischem Ausbau von Methoden und Techniken zudem auch vielfältiges Engagement bei der Landesdenkmalpflege sowie in Museen und an Universitäten. Vor allem die archäologische Denkmalpflege hat weit übers Ländle hinaus Vorbildcharakter. Die Palette landesarchäologischer Aufgaben reicht von der Urgeschichte über die Metallzeiten, die Römerzeit, über frühe und hohe Mittelalter bis zur Neuzeit.

Im Limesmuseum in Aalen, im Federseemuseum in Bad Buchau, im zentralen Archäologischen Landesmuseum in Konstanz, mit dem Keltenfürst von Hochdorf oder den zahlreichen Römerkastellen, besitzt Baden-Württemberg wertvolle Relikte, die spannende Geschichten erzählen. Mit den Meilensteinen der Archäologie in Württemberg lässt sich herrlich in die Vergangenheit reisen.

Nach einer kurzen Vorstellung der Herausgeber, gibt Dirk Krausse einen Überblick über “Fünf Jahrzehnte archäologische Forschung und Denkmalpflege in Baden-Württemberg” und Jörg Bofinger nimmt seine Leser mit zu den “Stationen auf dem Weg der Landesarchäologie Baden-Württemberg ins 21. Jahrhundert”. Zwar wird an manchen Stellen noch traditionell gegraben und gepinselt, doch schon lange ergänzt modernste Technik die Ausgrabungsmethoden der alten Schule: Luftbildarchäologie, Kartomaten, Fotodrohnen, digitalisierte Datenbanken, DNA-Untersuchungen, lasergestützte 3D-Dokumentationen von Fundstellen, Grabungsergebnissen und der Funde selbst sowie archäologische Restaurierung mittels 3D-Computertomographie erleichtern die Arbeit der Forscher heute erheblich.

Martin Kemkes zeigt, wie Vermittlungsarbeit die Archäologie in Museen, Parks, Freilichtmuseen, begehbaren Rekonstruktionen, Ausstellungen und historischen Festivals erlebbar macht.

Unterm Motto “50 Jahre – 50 Fundorte” laden die Herausgeber zur spannenden Schatzsuche quer durch Württemberg. Eine Übersichtskarte zeigt die Fundstellen, los gehts im Jahr 1963, als Rektor Gottlieb Stockinger aus Niederstotzingen im Amt für Denkmalpflege anrief und den Fund alamannischer Gräber meldete. Gleich am nächsten Tag rückten Ausgräber an, um den Schatz zu Besichtigen. Sie fanden ein ganzes Adelsgräberfeld mit kostbaren Beigaben, silbernem Zaumzeug und Beschlägen, die dank Röntgenvorlage sorgfältig und ohne Verlust frei gelegt werden konnten. Auch bei der Restaurierung leisteten die Ausgräber wahre Pionierarbeit!

Das Jahr 1964 stand für die archäologische Gesellschaft im Zeichen des Fürstengrabes vom Grafenbühl in Asperg – mit griechischen und syrischen Importen eines der bedeutendsten späthallstattzeitlichen Fürstengräber.

Ein Jahr später stieß man beim Bau eines Pfarrhauses in Unterregenbach auf eine rätselhafte Krypta, 1966 brachten Ausgrabungen in Heidenheim bedeutende Erkenntnisse für die Rekonstruktion römischer Militärarchitektur.

Die Entdeckung der römischen Thermenanlage auf dem Nikolausfeld in Rottweil – mit die größten römischen Bäder in BaWü – markierte 1967 den Beginn der modernen, systematisch betriebenen Bodendenkmalpflege.

Die römische Siedlung von Bad Wimpfen, die ersten Häuser der Ältesten Bandkeramik Süddeutschlands in Gerlingen, die Burghöhle bei Dietfurt waren sensationelle Funde der Folgejahre und brachten überregional bedeutsame Forschungserkenntnisse.

Dieter Planck, Dirk Krausse und Rotraud Wolf “Meilensteine der Archäologie in Württemberg. Ausgrabungen aus 50 Jahren”, 256 Seiten mit 250 Abbildungen und Karten, gebunden mit Schutzumschlag, Theiss-Verlag, 29 Euro 95



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