Berufsausbildung in Tschechien: Der große Wurf bleibt aus

Wirtschaftsgespräch in Prag: Unternehmen in Tschechien drängen auf mehr Mitwirkung in der praktischen Berufsausbildung – Regierung will Verantwortung nicht aus der Hand geben.
Prag (ce-press - internet-zeitung) – Die Unternehmen in Tschechien fragen sich: Wann endlich hält mehr Praxis Einzug in die Berufsausbildung? Bisher beschränkt sich die Praxis in der Tschechischen Ausbildung auf Schulwerkstätten und Schnupperpraktika. Die Folge: Die Schüler werden nicht rechtzeitig an den Arbeitsmarkt und die Bedürfnisse der Unternehmen herangeführt. Laut einer aktuellen Unternehmens-Umfrage der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) ist die knappe Hälfte der Berufsanfänger in Tschechien lediglich „ausreichend“ auf die Praxis in den Betrieben vorbereitet, ein gutes Drittel sogar „unzureichend“. Daher fordern jetzt über 86 Prozent der befragten Unternehmen einen stärkeren Praxisbezug in der Tschechischen Berufsausbildung. „Die Unternehmen sind bereit, in die Ausbildung zu investieren, möchten aber auch über die Inhalte mitbestimmen“, sagte Pavel Juricek, Vizepräsident des Tschechischen Industrieverbands beim Wirtschaftsgespräch zur Zukunft des tschechischen Ausbildungssystems der DTIHK in Prag. Aber Petr Bannert, Abteilungsdirektor für die Mittlere Schulbildung im Tschechischen Bildungsministerium, stellte klar: „Der Staat darf die Verantwortung für die Bildung nicht abgeben“. Eine duale Ausbildung in den Betrieben ähnlich der in Deutschland steht in Tschechien derzeit nicht auf der politischen Agenda.
Stattdessen verwies Bannert, der in Vertretung von Bildungsminister Josef Dobes die neue Bildungsstrategie der Regierung gegenüber den Vertretern der Wirtschaft verteidigte, auf die zahlreichen Programme und Initiativen für die Ausbildung in Tschechien: Von der Einführung des Zentralabiturs in diesem Jahr über geplante Leistungstests und Berufsorientierung schon in den Grundschulen bis hin zur Überarbeitung der Prüfungen an den Berufsfachschulen mit Fachleuten aus der Praxis. Auch Geld für neue Lehrbücher wolle der Staat zur Verfügung stellen.
Als „gute Schritte“, die aber nicht ausreichten, bezeichnete Pavel Juricek die Reformbemühungen der Regierung. „Die Qualität der Berufsfachschulen ist in den letzten 20 Jahren gesunken, wir müssen ihre Rolle wieder stärken“. Vor allem technische Fächer würden zu wenig angeboten. Ein Grund: In Tschechien werden die Schulen nach ihrer Schülerzahl gefördert. Die Folge: Die weniger beliebten naturwissenschaftlich-technischen Fächer werden zu wenig angeboten. Hier gelobte Bannert Besserung: „Wir werden Angebot und Nachfrage in den Regionen analysieren und das Finanzierungssystem reformieren“, sagte er in Prag.
Den Betrieben in Tschechien mehr Verantwortung in der praktischen Berufsausbildung zu übertragen forderte Sybille von Obernitz, Leiterin des Ressorts Bildungspolitik beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag, beim Wirtschaftsgespräch. Der Vorteil für die Unternehmen: Die Berufsanfänger lernen genau das, was die Betriebe brauchen. „Dafür investieren die Unternehmen in Deutschland jährlich 23 Milliarden Euro in die Berufsausbildung“, sagte von Obernitz.
Einige Betriebe in Tschechien warten nicht auf die Politik und sind bereits dabei, Ausbildungskooperationen mit Berufsschulen in ihrer Region aufzubauen. So versucht das Werk des Pharmaprodukte-Produzenten Gerresheimer in Horsovsky Tyn seinen Facharbeiter-Nachwuchs in einem eigenen Ausbildungszentrum in Zusammenarbeit mit der Berufsschule Domazlice auszubilden – bisher ohne Erfolg. „Wir bekommen keine Unterstützung von den Berufsberatern vor Ort“, sagte Geschäftsführer Helmut Schweiger beim Wirtschaftsgespräch. „Zwei Wochen Schnupperpraktikum werden nicht reichen“, entgegnete er Petr Bannert.
Auch das Werk der Firma Bosch in Budweis kooperiert bereits mit einer Berufsfachschule im Bereich der Mechatronik. „Wir brauchen mehr technischen Unterricht schon in der Grundschule“, forderte Personalleiterin Barbora Schelova bei der Diskussion in Prag. Auch sie plädierte für eine stärkere Einbindung der Betriebe in die Berufsausbildung. „Das Bildungsministerium kann mit der Unterstützung der Unternehmen rechnen.“

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