Beruflicher Neustart mit 33? Ich wage es.

Von Geschwisterwelten @geschwisterwelt

Was tun, wenn der Job einen nicht mehr ausfüllt? Wenn man unglücklich ist und des öfteren unterfordert? Wenn man irgendwann nicht mehr mit der Freude zur Arbeit geht, wie es mal war? Und wenn man sich sicher ist, dass man diesen Beruf nicht bis zur Rente ausüben kann oder will?

Ja, es klingt ganz logisch, dass man sich dann nach einer neuen Arbeit umsehen sollte.

Doch so einfach ist das nicht. Denn der Job ist sicher, die Arbeitszeiten perfekt für die Vereinbarkeit mit den Kindern, die Kollegen sind einen ans Herz gewachsen und die Chefin ist toll. Genau diese Punkte hielten mich lange davon ab, dass ich etwas ändere.Hinzu kommt, dass ich in meinen derzeitigen Job quer einstiegen bin, ich habe in dieser Branche keine Ausbildung und die Arbeit ist so speziell, dass mir für andere Bürotätigkeiten einfach die Kenntnisse fehlen.
Also Weiterbildung im Bürowesen?

Ich habe 2003 eine Ausbildung zur Hotelfachfrau abgeschlossen, war bis 2006 gern in diesem Beruf tätig, gab ihn dann aufgrund der aussichtslosen Vereinbarkeit mit Kind auf. Ich wollte mein Kind abends selbst ins Bett bringen und ich wollte die Wochenenden mit ihm verbringen.
Also jetzt doch wieder Hotelgewerbe?

Zum Hotel konnte ich direkt “Nein” sagen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich viel zu lang aus dieser Tätigkeit raus bin und mich wegen mangelnder Berufserfahrung wohl niemand einstellen würde, möchte ich meinen Kindern noch immer diese Arbeitszeiten nicht zumuten.
Weiterbildung im Büro klang also erstmal ganz gut, aber ich bezweifelte, dass ich wirklich bis zur Rente in einem Büro sitzen möchte. Ich würde mich gern mehr bewegen, in einem Team arbeiten und für Menschen da sein.

Mehr und mehr entwickelte sich nun der Wunsch zu einer Ausbildung als Erzieherin. Ja, dass wäre genau meins. Hier arbeite ich in einem Team, kann Kinder in ihrer Entwicklung zur Seite stehen und kann meine Kreativität nutzen.
Während ich Informationen bezüglich der Möglichkeiten in meinem Umkreis sammelte, blieben die Zweifel.
Einen sicheren Job aufgeben?
Schaffe ich das überhaupt?
Was, wenn ich nach der Ausbildung keine Arbeitsstelle finde?
Sind die Schulzeiten mit Kindergarten und Schule vereinbar?
Wie sieht es finanziell aus? Schaffen wir das? Nur das Einkommen meines Mannes reicht nicht. Hab ich ein Anrecht auf Bafög? Wenn ja, wie hoch wäre es?

Ihr seht es gab Fragen über Fragen. Die Sache mit dem Bafög konnte ich mit einer sehr netten Frau vom Landratsamt klären. Ich schickte ihr sämtliche Unterlagen und sie erstellte einen Vorbescheid mit der zu erwarteten Baföghöhe. Das war geschafft, finanziell schaffen wir es, wenn wir etwas Acht geben.
Dann die Zusage von 2 Schulen auf einen Ausbildungsplatz. Alles schien perfekt und doch blieben die Zweifel. Es gab unzählige Pro/ Contra Listen, ich fragte Freunde, Bekannte, redete mit meinem Mann. Der stand absolut hinter mir und riet mir es zu probieren. Wenn ich es jetzt nicht tue, dann ist es zu spät und ich werde es bereuen, es nicht probiert zu haben.
Und er hatte recht, Bafög bekam ich nur, weil ich seit der Geburt des Großen nie mehr als 30 Stunden gearbeitet habe. Eigentlich zahlt das Landratsamt Bafög nur bis 30, doch diese Sonderregelung traf auf mich zu.

Ich entschied mich letztendlich für die Ausbildung, habe mit meiner Chefin geredet und meinen Job aufgegeben. Auch wenn vor dem Gespräch mit meiner Chefin Zweifel und Gewissensfragen blieben, waren sie dann verschwunden.
Ich habe das Gefühl die richtige Entscheidung getroffen zu haben und freue mich nun auf August. Denn dann beginnt die Ausbildung und in 3 Jahren werde ich staatlich anerkannte Erzieherin sein.

Und ich bin mir sicher, dass ich das schaffen werde.

Heike