"Berüchtigt" / "Notorious" [USA 1946]


So inflationär wie jedes Leinwandpaar mittlerweile vorschnell als "Traumpaar" gilt, so exakt trifft es auf Ingrid Bergman und Cary Grant in "Berüchtigt" zu. Truffaut liebte "Berüchtigt" und tatsächlich ist "Berüchtigt" eine Wegmarkierung essentiellster Hitchcock-Motivfülle, einer seiner besten Filme, ein stetiger Strom, in dem Bild und Schnitt einander mit Taktstock bedingen. Und Bergman und Grant spielen traumhaft. Er, der mürrische, beklommene Verehrer. Sie, die unerschrockene, von Alkohol und Gift und Liebestrunkenheit angesäuselte Agentin. Beide sind wie Spielbälle, die von einer beruflich unvereinbaren Liebe hin- und hergeworfen werden. Sie sprechen wenig; es ist eine Art ruppige, nüchterne, aber bedeutungsgeladene Poesie. Sie finden sich in einer antiquierten Agentengeschichte wieder, die Hitchcock mit Hilfe sparsam ausgesuchter Schauplatzwechsel bescheiden auf wenige Figuren beschränkt (Claude Rains spielt einen allzu diskreten, unglückseligen Gauner, der einer für ihn auf mehrfache Weise viel zu kleinen Frau nacheifert und die befreiende Emanzipation von seiner bestimmenden Mutter erzwingt).
Insbesondere auf zwei Männer konzentriert sich der Film, die in die gleiche Frau verliebt sind und deren leidenschaftliches Verlangen gleichzeitig um drei Gegenstände (eine Weinflasche mit Uran, Schlüssel und Kaffeetasse) in sich abwechselnden Weitwinkel- und Nahaufnahmen kreist. Der politische Subtext verkleinert sich währenddessen derart lakonisch per zuschlagender Tür, dass "Berüchtigt" auch stichhaltige Ursachen- und Folgenforschung über einen MacGuffin verkörpert, der, obwohl er vorgibt, wesentlich zu sein, schlussendlich aussagelos vorrangig das Inventar vervollständigt. Der ausgedehnte Suspense – das Gelingen des Einbruchs in den Weinkeller resultiert aus den verbliebenen Flaschen Champagner auf der Party – kennzeichnet trotz der späteren Unüberlegtheit Devlins (Grant), die Scherben der heruntergefallenen Weinflasche unter das Regal zu kehren und einen Wasserfleck unübersehbar übrig zu lassen, ausgetüfteltes Spannungskino, das sich auf zukünftige historische Weltereignisse als prophetisch erweisen sollte. Truffaut lobte die "fantastische Reinheit" des Films. Ich lobe seine geheimnisvolle Menschlichkeit.
7 | 10

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