BerlinMan 2014 – Algensalat, Herbstanfang, Wasserfälle – Teil I

Unglaubliche zwei Jahre ist der letzte BerlinMan bereits her gewesen. Vor einigen Tagen fiel zum zwölften Mal der Startschuss für diesen Hauptstadt Triathlon. In diesem Jahr mit einem besonderen Ereignis – während der zweitägigen Veranstaltung wurde am Berliner Wannsee neben dem Jedermensch Triathlon und der Mitteldistanz auch die Weltmeisterschaft im Quadrathlon ausgetragen.

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Mehr als 1700 Athleten standen an diesem Wochenende an der Startlinie des durchweg gut organisierten BerlinMan und ich wagte mich erneut an die Mitteldistanz. Bei diesem Wettkampf ging es um 2,2km Schwimmen, 90km Radfahren und 20km Laufen. Die Strecke wartet aber auch mit einigen Besonderheiten auf. So müssen zahlreiche Stufen vom Schwimmen zur Wechselzone überwunden werden. Kopfsteinpflasterpassagen auf dem Rundkurs der Radstrecke sind ebenso wie die Hügel der Havelchaussee eine Herausforderung. Die Laufstrecke führt durch den Grunewald. Wer Runden liebt, ist hier genau richtig. Vier auf dem Rad, vier zu Fuß durch den Wald.

Am Abend zuvor war wie immer die Wettkampfbesprechung und die Startunterlagen mussten abgeholt werden. Nebenbei konnten wir uns die Siegerehrung des Jedermensch Triathlons und Quadrathlons anschauen. So hatte ich aber auch noch einmal die Möglichkeit mit bekannten Athleten hier und da letzte Tipps auszutauschen. Was ziehe ich an, wenn es tatsächlich nur regnet. Wo lauern Gefahren beim Radfahren im schattigen Grunewald mit seinen Anstiegen und Kurven.

Es hieß kräftig Daumen drücken, damit das Wetter auch ja hält oder besser gesagt, nicht so schlimm werden würde, wie angekündigt. Mit Gummistiefeln das Rad bergab um die Ecken zu schieben, war nicht das, was ich mir für die letzte Mitteldistanz in diesem Jahr erträumt hatte. Aber immerhin lag noch eine Nacht dazwischen, in der mit viel Glück der gesamte Regen fallen könnte, der angekündigt war.

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Vor dem Klingeln des Weckers wach zu werden, ist sehr gut. Wenn man dann aber nicht einmal Lust auf einen Grüntee hat, fängt der Tag merkwürdig an. Aber ich war auf alles vorbereitet. Draußen sah es nach dem Regen der Nacht zuversichtlich trocken aus und der Morgen machte sich langsam aber sicher mit etwas Helligkeit breit. Das Frühstück fiel trotz aller vernünftigen Vorhaben mit einer Banane und Nussbutter ungewohnt dürftig aus. Mein Körper hatte keine Lust auf Essen. Kann er ja später noch, zum Beispiel bei den erwarteten knapp drei Stunden auf dem Rad. Also alles im Lot bis es auf dem Weg zur Wettkampfstrecke anfing zu regnen. Am Parkplatz angekommen, hieß es ausharren. Es schüttete. Der Weg zurück ins Bett war gedanklich noch nie so nah vor einem Wettkampf. Aber letztlich siegte die Unvernunft und ich kramte Sack und Pack im Regen zusammen. Bis zum Check-In hörte es auch schon wieder auf. Jetzt musste es nur noch bis zum Aufbauen trocken bleiben und dann nach mir die Sintflut.

Die Vorbereitung der Wechselzone lief ganz entspannt. Als alles fertig war, noch die Mülltüte zum Schutz über die Sachen auslegen, die Laufschuhe in ein extra Tütchen, damit die wenigstens komplett trocken bleiben und endlich den Neo anziehen. Damit endete dann auch die Normalität. Während Achim Achilles hinter mir mit anderen Athleten umher scherzte, versuche ich meine Bockwurstpelle anzubekommen. Ich meine, damit begann das Drama des Tages. Ich dramatisiere ein wenig, ja, mag sein. Aber entschuldige mich trotzdem für diesen vermutlich zerrenden, quietschenden und quetschenden Anblick. Irgendwann steckte ich schließlich drin. Um das Herauskommen kann ich mir später Gedanken machen.

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Also ging es die 89 Stufen hinab zu Europas größtem Binnenstrandbad und direkt ab ins Wasser. In das Wasser! Also in diesen Wannsee, der mir schon beim Radfahren die Wochen zuvor durch seinen Geruch Übelkeit bescherte. Das Wasser fühlte sich angenehm an, aber der Geruch war für mich kaum zu ertragen. Es dann auch noch in meinen Neoprenanzug laufen lassen zu müssen, war reinster Ekel. Irgendetwas zwischen Algensalat und verfaulter Mango duftete mir da entgegen. Ich schob das oberste Wasser weg. Als wenn das etwas geändert hätte. Ich machte mich vermutlich lächerlich. Aber diese Suppe möchte ich nicht sehen, riechen und schon gar nicht schmecken.

Irgendwann half es ja nun nichts und ich musste zur imaginär gezogenen Startlinie paddeln. Arme und Schultern fühlten sich gut an. Körpermitte lag stabil im Wasser. Fast startbereit. Uhr an und tief durchatmen. Dem Kopf zeigen, dass alles gut ist. Die Brille und Badekappe sitzen. Der Anzug drückt und zwickt nicht. Der liegt einfach wie eine Wurstpelle an. Ein schönes Gefühl so einfach mal im Wasser zu liegen und den Himmel anzustarren.

Der Herr mit der Pistole nahte und gab letzte Instruktionen. Alle schön in Reihe schwimmen und bloß nicht die Linie zu früh überschreiten. Eine Frau mit goldener Badekappe schwimmt vor mir hin und her. Goldene Badekappen mit einer Wunschstartnummer erhalten alle Athleten, die fünf Mal am BerlinMan teilgenommen haben. Eine wunderbare Ehre.

Ein letzter Blick von mir zu den Bojen und schon kann es losgehen. Pünktlich um acht Uhr fiel der Startschuss. Ich war bereit! Sehr sogar! Dort wo ich vor vier Jahren meinen ersten Triathlon überhaupt und vor zwei Jahren meine erste Mitteldistanz absolviert habe, lag ich nun wieder im Wasser. Natürlich mit dem Wunsch nach einer neuen Bestzeit und nach einem Tag mit richtig viel Spaß. Wer mich kennt weiß, ich bin am Strand zu Hause, liebe das Wasser und vor allem den Sommer! Diesen Sommer. Genau den, der mich mit glühend roten Wangen jeden Wettkampf in diesem Jahr hat absolvieren lassen. Diesen Sommer, der sich ausgerechnet an diesem Tag nun grau in grau dahin trübte.

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Das Schwimmen lief auf jeden Fall richtig gut. Bis auf das kleine Intermezzo mit den wilden Wasserpflanzen, die unter mir auftauchten. Ich glitt mit meinen Armen hindurch, immer wilder und wilder. Die werden mich herunterziehen, wenn ich nicht aufpasse. Ganz sicher. In einem Sketch hätte es nicht anders enden können. Während in mir langsam Panik aufstieg und mein Engel Reden darüber hielt, wie ungefährlich das alles ist, steht neben mir ein Athlet im Wasser und putzt seine Brille! Ich stehe also auch auf und atme erst einmal tief durch. Der Engel hatte recht. Ich gleite beruhigt weiter.

Das Schwimmen kam mir eigentlich ganz einfach vor. Schauen wir mal zunächst nicht auf die Zeit. Mein Gefühl sagte mir, dass ich gut unterwegs war. Ich war zügig dabei, nur etwas verwirrt, dass ich nahezu allein geradewegs auf die erste Boje zusteuerte. Das Feld zog nach rechts. Meine Brille war nicht beschlagen und ich täuschte mich bestimmt nicht. Vielleicht sorgte die aufsteigende Seekrankheit für vernebelte Sicht. Im Bauch schien es zu gluckern. Das Wasser wurde immer unangenehmer.

Ich war aber schneller als gedacht wieder am Feld dran, dank dieser Pflanzen… Auch wenn das einen Schlenker bedeutete. Die erste Boje umschwamm ich ebenso in Ruhe wie die zweite. Das anfängliche Gewühl hatte sich bis dahin aufgelöst. Es wurde erst wieder so richtig eng, als die roten Badekappen auf der unendlich weit erscheinenden Gerade zur dritten Boje an uns vorbei düsten. Manche kannten keine Gnade. Schon klar. Schwarze Neos, schwarze Badekappen. Diese Pinguine kann man schon einmal im Rausch übersehen. Ich fand diesen Kampf viel anstrengender als den Start. Ständig musste man damit rechnen, überrollt zu werden. Das trug nicht gerade zu meiner Begeisterung bei. So wie immer dickere Wolken aufzogen, verdunkelte sich auch meine Stimmung. Meine Uhr zeigte an, dass die 2,2km längst um sein sollten. Ich war aber noch weit vom Strand entfernt. Es lief gut, aber trotzdem wurde ich maulig. Ich fragte mich jeden fünften Armzug, wann wir denn nun da sind.

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Als ich endlich stehen konnte, waren knapp 50min vergangen. Hochgerechnet von allen anderen Ergebnissen eine Zeit, die für diese Distanz ok ist. Trotzdem passte mir das alles nicht. Mich wurmte die Zeit von vor zwei Jahren. Dazu waren meine Hände eisig und meine Füße schrien auch nach einem heißen Fußbad. Ich betete mir vor, dass das doch ganz cool sei und und und. Trotzdem maulig. Erst recht, als diese Wurstpelle an mir klebte, wie niemals zuvor. Keine Chance. Ich kam nicht einmal mit einem Arm aus diesem Ding. Ich machte und tat. Alles im Wasser. Das ganze glich einer verdammten Rettungsaktion. Das Drama beim BerlinMan – Frau in Neoprenanzug eingeklemmt. Musste herausgeschnitten werden. Ich begann zu gehen und langsamer zu werden. Irgendwann war der erste Arm befreit, dann der zweite und ich konnte Badekappe und Schwimmbrille abnehmen. Ich tappste etwas mulmig im Bauch die 89 Stufen hoch und dann diesen immer leicht ansteigenden Weg entlang. Nach unendlich langen 55 Minuten erreichte ich endlich meinen Wechselplatz.

Wie ich vor zwei Jahren genau dort für all das nur 41 Minuten brauchen konnte, ist mir ein absolutes Rätsel. Keine meiner Schwimmzeiten reicht nur in etwa an das heran. Damals war ich lange nicht so gut in Schuss. Selbst der Sieger, der nun Profi ist und das Rennen erneut deutlich von vorn heraus gewonnen hatte, war damals fünf Minuten schneller. Vielleicht lag es auch am Wetter oder ich durchschwamm ungewollt den halben See. Auf jeden Fall scherzte Achim Achilles fröhlich als Kommentator vor sich hin. Lieber beim Schwimmen locker lassen und dann beim Radfahren richtig zur Sache gehen. Genau. Meine Worte!

Der Kampf mit dem Anzug wollte derweil aber auch nicht enden. Meine Hände kalt und der Anzug weigerte sich weiterhin. So vergingen erst die Sekunden. Dann die Minuten. Ich stellte schon einmal mein Edge an. Dann hat es Zeit den Satelliten zu orten. Irgendwann hatte ich letztlich meine Radschuhe an. Das zusätzliche Top musste sich auch noch zum Überfluss weigern. Zum Glück bekam ich die Weste schnell an und der Helm ging dieses Mal zügig zu. Noch einen großen Schluck Matcha Latte und ein Bissen vom sonst so leckeren Clif Bar. Alle Sachen wieder abdecken. Der Regen kommt bestimmt. Dann konnte es endlich losgehen. Fast. Das Rad mit den glitschigen Händen vom Platz wegziehen, gegen Wurzel donnern, den verzweifelten Versuch unternehmen, es irgendwie mit klammen Fingern festhalten zu wollen und schließlich fallen lassen. Großartig. Nachdem jeder, aber auch wirklich jeder Stolperstein genommen wurde, konnte ich endlich los!

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Ob es tatsächlich trocken geblieben ist, wie ich die rutschigen Kopfsteinpflasterpassagen hinter mich brachte, was ein Wasserfall mit Radfahren zu tun hat, warum man mir ein Sauerstoffgerät anbot und ich nicht so fiel futtern sollte, lest ihr im zweiten Teil meines Berichts zum BerlinMan.

Mein 2XU Neoprenanzug leistete wie immer ganze Arbeit, darunter trug ich meinen 2XU Tri Suit. Die Zoggs Predator Flex Reactor und die TomTom Cardio Runner durften natürlich auch nicht fehlen.

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