Berlinale 2013 / Tag 1

Das Theater am Potsdamer Platz verwandelt sich einmal jährlich in den Berlinale Palast

Das Theater am Potsdamer Platz verwandelt sich einmal jährlich in den Berlinale Palast

Da ist es geschehen. Die 63. Internationalen Filmfestspiele von Berlin sind eröffnet, erneut mit viel Tamtam am Roten Teppich. Gewohnt hat sich zuerst Festivaldirektor Dieter Kosslick blicken lassen, mit Hut und Schal, aber das ist keine Besonderheit, das ist Gewohnheit. Wer Kosslick über den Weg läuft, der wird auch unweigerlich mit seinen modischen Accessoires Bekanntschaft machen. Hut und Schal, das mag manch einer für sich selbst vermisst haben. Spätestens als aus der klirrenden Kälte eine Kombination aus klirrender Kälte und wilder Schneesturm wurde, hat man sich dickere Schuhe, dickere Socken, einfach alles in dicker herbei gesehnt.

Die Fotografenwand am Roten Teppich

Die Fotografenwand am Roten Teppich

Außer vielleicht die zahlreichen chinesischen Landsmänner und –frauen von Wong Kar-Wai, Jurypräsident der Berlinale und hier mit Gekreische willkommen geheißen, als wäre er eine One-Man-Nippon-Popband. Sein Auftauchen konnte nur von „The Grandmaster“-Hauptdarsteller Tony Leung und Zhang Ziyi („Die Geisha“) überflügelt werden. Auf einmal war man in der Menschenmasse nicht mehr als ein freischwebendes Stück Fleisch, welches von den hysterischen Fans hin- und her gewippt wurde. Da hatte ein Tim Robbins, immerhin Oscar-Preisträger (für „Mystic River“), keine Chance, ebenso wenig wie Vertreter aus deutschen Landen, die sich bei „ihrem“ Festival natürlich gerne zeigen: Jürgen Vogel, Jessica Schwarz, Florian David Fitz, Aylin Tezel, Sibel Kekilli, Mario Adorf, Heike Makatsch, Nina Hoss, Veronica Ferres, Christiane Paul. So gab es nun also einen Auflauf an deutscher Prominenz und an chinesischen Fans, immer begleitet von einem hagelnden Blitzlichtgewitter, eine Wand von Fotografen, die die Stars durch vehementes Anbrüllen – immer nur mit Vornamen – offenbar dermaßen nerven wollte, so dass diese sich möglichst schnell zu ihnen wenden um das obligatorische Pressefoto abzuliefern. Die werden dann ab heute auch wieder durch alle Medien flanieren, weswegen die sympathischen Schnappschüsse doch irgendwie ihren Charme haben.

Aber einer gewissen Professionalisierung kann schon etwas abgewinnen, denn auch unter den Schnappschuss-Jägern gibt es eine Gattung, die man als höchst störend empfindet. Es ist die Sorte Mensch, die um diese Uhrzeit normalerweise mit einer Flasche Bier in der Hand vor irgendeiner Boulevardsendung sitzen und sich berieseln lassen, hier aus lauter Schaugeilheit mit Videokamera auflaufen um das ganze Event nicht nur harmlos zu filmen, sondern auch zu jeder aufkommenden Schneeflocke einen Kommentar abzugeben. „Ist die Amanda auch da? Ist sie das?“ meint ein ebensolcher Herr, wartet auf Amanda Seyfried, spricht ihren Vornamen da im harten deutsch ohne erkennbare englische Betonung aus, was schon ein wenig zu Ohrenbluten führen kann. Die Erkenntnis, dass er nur den Namen von sich geben kann – nicht richtig ausgesprochen, wohlgemerkt – sie aber auf dem Roten Teppich nicht einmal ohne Nachfrage erkennen würde, erübrigt eine weitere Definition dieser Gattung Schnappschussjäger. Randnotiz: Amanda Seyfried war nicht zugegen.


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