Berlin, Kantstraße

So wie in der Woche zwischen Vatertag und Pfingsten ist Berlin am schönsten: Parks und Gärten grün und sonnenüberflutet. Angenehme dreiundzwanzig Grad. Die Woche zwischen Vatertag und Pfingsten. Urlaub. Die Berliner sind verreist nach Brandenburg. Die Touris tummeln sich an den Hot Spots des Karnevals der Kulturen. Wo man auch hinkommt, es ist angenehm leer.
Das ist ungewohnt. Man braucht dann mit dem Auto nur wenige Minuten vom ICC Messegelände bis zur Goldelse. Und bekommt trotzdem noch mit, wie sich die Kantstraße zum Positiven entwickelt. Die Straße führt vom Messegelände im Westen gerade über den Lietzensee, schneidet die -ebenfalls neu hergemachte- Fußgängerzone der Wilmersdorferstraße, hat zur Linken das berühmte Kant-Kino und kommt dann am Savignyplatz an.
Berlin, Kantstraße
Berlin, Kantstraße
Wenn man länger nicht in Cha-Wi war, fällt einem das satte, fette Grün der Bäume auf. Das ist der Unterschied zum Prenzlberg, zu Mitte und Kreuzberg: Viel mehr Bäume, hinter denen die Altbaufassaden fast verschwinden.
Berlin, Kantstraße
Berlin, Kantstraße
Licht und Schatten auf der Straße, sogar Parklücken am Straßenrand. Die Kantstraße endet an der Großbaustelle nahe Bahnhof Zoo. Dort ist das neue Zoofenster empor geschossen. Es sind über zwanzig Stockwerke - ungewöhnlich für Berlin, und von weitem schon sichtbar. Ich finde das gut. Hochhäuser symbolisieren Urbanität, Optimismus und (altmodische) Tatkraft.
Berlin, Kantstraße
Berlin, Kantstraße
Berlin, Kantstraße
Und überall nur wenige Leute auf den Straßen und Plätzen, so dass man die Architektur stärker wahrnimmt. So wie auf den alten Fotos, die in manchen U-Bahnhöfen hängen. Z.B. am Hauptbahnhof. Auf den Schwarzweißfotos sieht man die alten Kopfbahnhöfe Berlins zur Zeit der Jahrhundertwende. Extrem auffällig: Kaum Menschen. Als hätte man sie für die Aufnahme alle verbannt. Aber ich habe vor kurzem solche Fotos auch am Bauzaun in Antwerpen gesehen. Und auch hier: Kaum Menschen.
Das Flair der Großstädte muss ein ganz anderes gewesen als heute. Heute -berichtet der tip in seinem  Titelthema- haben wir jährlich 9 Millionen Touristen hier, das Dreifache der Anwohner, die -da staunt man- 9 Mrd. EURO hier lassen. Ein Segen! Rechnet man noch die boomenden Einnahmen aus der Grunderwerbssteuer hinzu, profitiert Berlin von einem leistungslosen Einkommen. Wobei leistungslos nicht ganz stimmt, denn der Deal kostet uns schon etwas: Nerven. Ab einer bestimmten Fülle schlagen Urbanität und "pulsierend" um in schlichte Panik. Panik davor, dass der Moment, in dem man einfach mal die Luft anhalten muss, nicht mehr vorbei geht. Dass die Sommermittagsspitze zur Grundlast wird. Überfüllung allerorten. Und das einer Generation, die beim längerem Schlangestehen -womöglich ohne Smartphone!- ganz ernsthafte Schwierigkeiten mit sich selbst bekommt.
Aber ich reihe mich nicht ein bei den Kiezlern, die sich öffentlich empören aber insgeheim doch was drauf einbilden, wenn die Generation ihrer Eltern in Touristenbussen über den Wrangelkiez zieht. Die "Berlin doesn't love you" kleben, nur um noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Denn dort passt es zu gut zusammen. Als würden die Eltern einmal im Jahr im Kinderzimmer nach dem rechten sehen.
Mich stören eigentlich nur Touristen, die keine Großstadtprofis sind. Die auf dem Leihfahrrad glauben, sie seien auf dem Deich und könnten beim Kreuzen des Potsdamer Platzes einfach mal abschalten. Vielleicht fühlt sich aber auch jeder Berliner einfach nur von dem Typus provoziert, vor dem er einmal hierher geflohen ist und jetzt gestalkt fühlt..

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