Berlin: Das Imperium schlägt zurück

Berlin: Das Imperium schlägt zurück

Immobilienmakler wollen Mietproteste beobachten

Während Stadtteilinitiativen und Mieterorganisationen sich noch über die gelungene Demonstration und das positive Presseecho freuen, meldet sich jetzt die Immobilienwirtschaft zu Wort. Die einen finden die „Mietendebatte ist hysterisch„, die anderen wollen die Proteste unter Beobachtung stellen.

Wie fast immer werden allgemeine und gesamtstädtische Entwicklungen angeführt, um von der Verdrängungsdynamik abzulenken. Allen, die sich jenseits dieser Pauschalbetrachtungen mit den Innenansichten des Berliner Mietendramas beschäftigen wollen, sei an dieser Stelle nochmal das GRIPS-Theaterstück „Schöner Wohnen“ empfohlen. Die  nächsten Vorstellungen sind schon an diesem Freitag und Samstag (16./17. September) angesetzt.

Die Berliner Zeitung gewährt Markus Gruhn (Vorsitzender des Rings Deutscher Makler  in Berlin Brandenburg) eine gute halbe Seite für ein Interview: „Die Mietendebatte ist hysterisch„. Die Argumentation ist denkbar einfach: Außerhalb der Innenstadt gibt es keine langen Schlangen bei den Besichtigungsterminen und eine frisch herausgeputzte Wohnung in Pankow (Majakowskiring) musste für 7,00  Euro/qm (statt der geplanten 7,30 Euro/qm) vermietet werden. In seinen Wohnungen am Kaiserdamm sind es sogar noch weniger…

Was verlangen Sie dort bei Neuvermietungen?

Wenn alles vom Feinsten ist, kriegen Sie für eine kleine Wohnung maximal 6,50 Euro, für große vielleicht 5,80.

Sind Sie ein Sonderfall?

Nein, gewiss nicht. Die gegenwärtige Mietendebatte ist völlig hysterisch. Die Masse der Berliner Wohnungen liegt in Reinickendorf, Spandau, Hellersdorf, Marzahn, in den meisten Teilen von Neukölln und Wedding. Dort haben sie eine gute Auswahl und können günstig mieten. 100 000 Wohnungen stehen leer. Der Regierende Bürgermeister hat das schon richtig gesagt: Dass die Mieten jetzt moderat gestiegen sind, ist auch ein Zeichen dafür, dass in Berlin etwas vorangeht.

Über 60 Prozent der Berliner glauben, es gibt nicht mehr genug gute, bezahlbare Wohnungen. Sind die alle hysterisch?

Die Gesamtbelastungen für die Mieter sind natürlich schon erheblich gestiegen. Die Nebenkosten haben sich zum Teil mehr als verdoppelt. BSR, Wasser-, Heizkosten, die Grundsteuer, jetzt auch der Winterdienst. Die Leute fühlen sich abgezockt und bekommen Angst. Die Kaltmiete ist aber konstant geblieben. Deswegen gehen die politischen Debatten der letzten Wochen total an der Sache vorbei.

Alles halb so schlimm also. Ein erwartbares und oft benutztes Argument. Ein bisschen widersprüchlich wird es jedoch zum Ende des Interviews, als es um die gestiegene Umsatzzahlen des Handels mit bebauten Grundstücken geht:

Das Interesse wäre doch nicht so groß, wenn sich die Käufer nicht Gewinne versprächen.

Die großen, internationalen Fonds haben erkannt: Berlin ist die Hauptstadt und liegt noch im Dornröschenschlaf. Aber da passiert etwas. Deswegen kaufen viele lieber hier, als in München, wo die Entwicklung abgeschlossen ist. In 10, 20 Jahren werden sich die Mieten den westdeutschen Verhältnissen anpassen. Eine Immobilie ist immer langfristig zu betrachten. Schnelle Kasse ist da nicht zu machen.

Gerade dass sich Maklersprecher Gruhn so ausführlich zu der Kritik an den Mietsteigerungen äußert, zeigt, dass die aktuellen Debatten alles andere als willkommen sind. Von den Theaterschaffenden des GRIPS-Theater, die sich ja in ihrem Stück „Schöner Wohnen“ mit den Themen der Mietsteigerung und Verdrängung auseinandersetzen, wurde ich auf  eine weitere Stimme zum Mieter/innen-Protest aufmerksam gemacht. Dominik Eller lässt uns auf GeVestor  Immobilien an seinen Überlegungen teilhaben:

In der vergangenen Woche gingen in Berlin, je nach Quelle, zwischen 2.500 und 6.000 Demonstranten auf die Straße, um wegen der steigenden Mieten ein Einschreiten der Politik zu fordern. Medienwirksame Aktionen sorgen dafür, dass die Mietgesetzgebung zentrales Wahlkampfthema ist. Von den 3.447.048 Einwohnern Berlins (Stand August 2010) repräsentierten die 6.000 Demonstranten ca. 0,002% aller Hauptstadtbewohner.

Auch wenn die Zahlenspielerei vermuten lässt, dass ein paar Tausend Demonstrierende den Immobilienmarkt nicht wirklich verunsichern, rät der Autor zur Vorsicht:

Tipp: Aus Investorensicht ist es jetzt ratsam, die unterschiedlichen Initiativen und Gruppen genau zu beobachten und vor allem, wie sich die Parteien zu den Forderungen der Mieter und anderen immobilienrelevanten Themen stellen.

Die Investoren übernehmen damit faktisch die Strategien der Stadtteilinititaiven, die sich seit Monaten bemühen, einen Einblick in die Mietsteigerungsdynamiken und immobilienwirtschaftlichen Aktivitäten ihrer Kieze zu erarbeiten. Jetzt wird zurückbeobachtet!



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