Berlin: Anglophone Gentrification in Neukölln

Berlin: Anglophone Gentrification in Neukölln

Englischsprachige Anti-Gentrification-Plakate am Herrfurthplatz in Berlin Neukölln (Herbst 2010)

Die Berliner Tourismusindustrie wird dieses Jahr voraussichtlich die 20-Millionen-Marke knacken. Fast die Hälfte der Besucher/innen kommen aus dem Ausland. Auch unter Studierenden, jungen Akademiker/innen und Künstler/innen erfreut sich Berlin einer internationalen Beliebtheit. Stadtentwicklung in Berlin ist zunehmend durch Zuzüge und temporäre Anwesenheiten eines internationalen Erlebnispublikums und Bildungsbürgertums gekennzeichnet.

Auch die Gentrification ist von einer wachsenden Zahl internationaler Aufwertungspioniere geprägt. Neukölln wurde lange Zeit als Beispiel für eine Parallelgesellschaft integrationsunwilliger Migrant/innen durch die öffentlichen Debatten getrieben und als ‘Klein Istanbul’ stigmatisiert. Die Zeiten sind offenbar vorbei: Das neue Neukölln spricht Englisch. Die New York Times wirbt auf ihren Webseiten für den ‘creative place’, enttäuschte Wirte hinterlassen ihrem englischsprachigen Publikum eine Videobotschaft im Internet und Stadtteilinitiativen kleben ihre Aufrufe mittlerweile in englischer Sprache : „be active against gentrification“.

Der Tourismusboom verstärkt den Aufwertungsdruck in den innerstädtischen Nachbarschaften. Denn die Erwartungen der Berlin-Besucher beschränken sich längst nicht auf  Museumsbesuche und den Potsdamer Platz sondern gesucht wird das echte authentische und raue Berlin. Gestillt werden diese Erwartungen unter anderem in Neukölln. Das ehemalige Vorzeige-Ghetto des Feuilletons wird längst als hipper und cooler Ort rezipiert. Die New York Times beschreibt Neukölln in ihrer Rubrik Travel als „creative wave“

Berlin: Anglophone Gentrification in Neukölln

Vom Ghetto zum Szeneviertel: Neukölln in der New York Times

Ob es an der Werbung lag oder sich einfach so ergeben hat, ist unklar – die Betreiber/innen der Szenekneipe Freies Neukölln jedenfalls sind offensichtlich so sehr von ihrem internationalen Publikum genervt, dass sie ein rühriges Videoportait des Pionierdilemmas ins Netz gestellt haben. Um die Zielgruppe der Publikumsbeschimpfung nicht zu verfehlen, wurde der Film gleich auf englisch gedreht.

Berlin: Anglophone Gentrification in Neukölln

In der Filmbeschreibung heisst es:

Freies Neukölln, Weserstr, Berlin-Neukölln. Gentrification in Berlin’s former problem borrough. The Creative Class marches in and the founders of the first szene-pub in this corner feel unwell, guilty and overrunned. That’s why this speech on their own account is necessary, long overdue and probably still too friendly.

Auch andere Stadtteilinitiativen haben inzwischen begonnen, die internationalen Aufwertungspioniere direkt anzusprechen. Im Schillerkiez wurden englischsprachige Plakete verklebt:

Dear students, artists and travellers (…) don’t let yourselves become a part of (…) speculation and money-making. Talk to your neighbours, inform yourself about proper processes before you move in. Be creative and active against gentrification.

Die neue internationale Attraktivität der Stadt hat Auswirkungen auf die Stadtentwicklungsprozesse. Insbesondere die Aufwertungsdynamiken sind anders als noch vor 10-15 Jahren in Prenzlauer Berg nicht mehr nur von Zuzügen aus der westdeutschen Provinz getragen, sondern haben einen zunehmend internationalen Charakter. Die Ausweitung der Anti-Gentification-Auseinandersetzung wie in den englischsprachigen Plakaten oder dem Video von Freiheit Neukölln sind also nur konsequent.



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