Beirut – No No No

Von Pressplay Magazin @pressplayAT

Beirut – No No No

7Indie

Wäre Zach Condon kein Musiker, er wäre wahrscheinlich Reiseführer geworden. Das erahnt man selbst dann, wenn man kein großer Kenner der Band Beirut ist. Die neue Platte No No No eröffnet er dann ebenso einmal mit dem Stück Gibraltar. Macht man einen gedanklichen Kurzausflug in die Vergangenheit, merkt man schnell, die Lokalangabe bedient Zach Condon nicht nur gern im Bandnamen selbst. Da geht es ab nach Santa Fe, seine Heimatstadt. Oder aber nach Bratislava, Nantes,  East Harlem, Brandenburg – bis er schließlich auch noch Postcards from Italy schickt.

Weit gereist, noch weitere Einflüsse? Gar nicht so unbedingt. Beirut sind und bleiben im Herzen Americana-Verfechter, die sich ihren schwummrigen Balkan-Bezug von Album zu Album erhalten haben. Mittlerweile ist Zach Condon, der als Mastermind in der Mitte der Truppe steht, 29 Jahre alt: und ist in den letzten vier Jahren, die es gedauert hat, am neuen Album zu arbeiten, durch einige Plätzchen seines ganz persönlichen Fegefeuers gehuscht. Scheidung, Burnout, Tourabsage. Alles dabei.

Eine neue Liebe hat ihn dann in die Türkei, an den Bosporus geführt. Was der klassischen Beirut-Stimmung, die raumgreifende Melodien, schwere Melancholie und schwankend-liebliche Singalongs miteinander verbindet, keinen Abbruch getan hat. Egal, von welchem Ort aus er schreibt, welcher Stadt er den Song widmet oder welchen Platz er besingt – Zach Condon ist offenbar ein (musikalischer) Globetrotter. Wo er hingeht, geht Beirut hin, geht seine Band, geht sein Sound hin. Im Unterschied zu den vorherigen Produktionen hat er aber erstmals die  Songs zusammen mit seiner Band – statt im Alleingang – erarbeitet. Das hat dem Album gut getan, es wirkt wie aus einem Guss, stimmig, ineinanderfließend.

Eine nur scheinbar unbekümmerte Country-Atmosphäre, wie sie oft an Calexico erinnert, zeichnet auch den neuen Longplayer aus. So rastlos die Titel, das Umherreisen, die privaten Umstände, so stet die Erwartung an eine Band, die eigentlich im Laufe ihrer Karriere selten enttäuscht hat. No No No ist eine gelungen schöne Platte geworden. Fazit: Musikalisches Globetrotting mit schmunzelndem Kniescheppern. Auf ihrem neuen Album No No No feiern Beirut ihre Rückkehr, ohne zu lange zurückzublicken.

Beirut – No No No, 4AD/Beggars, beirutband.com


Autor

Lisa Schneider

Aufgabenbereich selbst definiert als: Groupie, nichtsdestotrotz. Findet „Schrecklich amüsant aber in Zukunft ohne mich“ (David Foster Wallace) immer wieder treffend.


 
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