Barney's Version

Romanverfilmungen haben es immer schwer. Viele Leute haben das Buch gelesen und gehen also mit entsprechenden Erwartungen ins Kino, die natürlich meistens nicht erfüllt werden. Handelt es sich um ein Buch, welches sehr große finanzielle Erfolge einfahren konnte, wird die Sache noch ein bisschen schwieriger. Das Studio will möglichst viel Geld aus der Zitrone pressen, also werden supertolle und vor allem superteure Schauspieler engagiert, ein hochkarätiger Regisseur wird eingesetzt und der Autor des Romans bekommt Zutritt zum Set und darf alle Nasen lang intervenieren, wenn ihm irgendwas nicht passt. Dieser ganze Aufwand, nur um hinterher von der Mehrheit der Zuschauer zu hören, dass das Buch doch besser sei, obwohl das eigentlich von vorn herein klar war? Es gibt seltene, aber um so angenehmere Ausnahmen, wie der neue Film von Richard J. Lewis, „Barney's Version“ beweist.

Barney hat ein Problem. Er hat die perfekte Frau gefunden. Sie ist wunderschön, intelligent und witzig und Barney hat das erste Mal in seinem Leben das Gefühl, richtig verliebt zu sein. Wo liegt jetzt eigentlich das Problem? Ach ja! Barney hat diese besagte Frau gerade kennen gelernt und zwar auf seiner eigenen Hochzeit. Er hat der reichen tochter eines angesehenen Mitglieds der jüdischen Gemeinde das Jawort gegeben und schon hat es ihn eiskalt erwischt. Nun ist er wild entschlossen, alles zu unternehmen, um Miriam zu bekommen und heckt einen rafinierten und perfiden Plan aus, um seine Ehefrau irgendwie loszuwerden. Ausführung dieses Plans kommt es allerdings nicht, denn Barneys bester Freund Boogie funkt dazwischen und sorgt sozusagen aktiv dafür, dass die Scheidung eingereicht wird. Umgehend. Barney lässt keine Minute tatenlos vergehen und rast sofort nach New York, um sich um seine Angebetete Miriam zu kümmern. Bald führt er zusammen mit ihr ein gutes Leben. Mit dem Geld, welches er bei einer Produktionsfirma für billige Seifenopern verdient, kann er sich und seiner jungen Familie ein gutes Leben bieten. Doch nach einer Weile scheint Miriam unzufrieden mit ihrem Leben zu sein, ein neuer, viel zu netter – ja geradezu scheißfreundlicher – Nachbar kommt immer wieder zu Besuch und ein Polizist bedrängt Barney immer wieder und bezichtigt ihn eines schweren Verbrechens.

Paul Giamatti ist ein guter Schauspieler. Ich mag ihn sehr, denn er spielt immer ganz normale Typen; den unteren Durchschnitt sozusagen. Oder er spielt Typen, die ganz und gar nicht normal sind, gibt ihnen aber durch seine Darstellung eine sehr sympathische und natürliche Note, wie man zum Beispiel in „Shoot 'em Up“ sehr eindrucksvoll sehen kann. In „Barney's Version“ spielt er den sarkastischen, neurotischen, aber irgendwie liebenswerten Barney Pernofsky, den der Film durch sein ganzes Leben begleitet, der dem Zuschauer ein unglaublich detailiertes Fenster in die wilden 70er Jahre öffnet. Die Atmosphäre des Films wird durch einen dezenten, aber irgendwie auch bissigen und sarkastischen Ton geprägt, der im Film immer wieder als typisch jüdischer Humor klassifiziert wird. Neben einer nahezu epischen Erzählart fällt aber eben vor allem die charismatische Hauptfigur in den Fokus. Paul Giamatti spielt vielseitig und überzeugend die unterschiedlichen Altersstufen der Figur. Besonderes Augenmerk liegt auf Dustin Hoffman, der als Barneys Vater und alternder Polizist einen kleinen, aber denkwürdigen Auftritt absolviert. Der Film ist außerdem durchsetzt mit gleichermaßen witzigen, wie auch traurigen Szenen und bietet damit alle Zutaten für eine waschechte Tragikomödie, die zusätzlich noch auf wahren Begebenheiten basiert. Richard J. Lewis hat sich für einen schlichten, leicht angestaupten Stil entschieden, der in seiner Ästhetik an „Der Pate“ oder „Es war einmal in Amerika“ erinnert. Dieses Gefühl kommt auf durch die alten Autos, oder durch die Frisurenund nicht zu Letzt durch ein leicht körniges und blasses Bild. Zusammen mit der sehr schönen Musik von Pasquale Catalano ergibt sich ein stimmiges Kleinod, derer Art man lange nicht gesehen hat.

„Barney's Version“ ist ein sehr schöner Film, der immer wieder zwischen Witz und Melancholie hin und her schwankt. Der Film wurde zwar im Vorfeld immer mit Alexander Paynes „Sideways“ verglichten, die einzige Gemeinsamkeit ist aber tatsächlich der Hauptdarsteller, der hier eben beweist, wie vielseitig ein Schauspieler sein kann, der bisher lediglich als Charakterdarsteller gehandelt wurde. Vielleicht wird es demnächst dann tatsächlich einen Durchbruch für Paul Giamatti geben.

Barney's Version (USA, 2010): R.: Richard J. Lewis; D.: Paul Giamatti, Dustin Hoffman, Rosamund Pike, u.a.; M.: Pasquale Catalano; Offizielle Homepage

Kineast On Air: Jeden Donnerstag, 12:25 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

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