Banana Yoshimoto: Moshi Moshi

Banana Yoshimoto: Moshi MoshiVor kurzem war ich beim internationalen literaturfestival in Berlin bei einer Lesung von Banana Yoshimoto. Ich war total begeistert, Yoshimoto endlich einmal live zu erleben, denn ich mag ihre Bücher unheimlich gern. Nun habe ich es auch endlich geschafft, ihr neues Buch Moshi Moshi auszulesen, dass sie bei der Lesung präsentierte. 
Darin erzählt Yoshimoto vom Schicksal der 20-jährigen Yotchan, deren Leben mit einem Mal komplett durcheinander gebracht wird. Ihr Vater begeht ohne Vorwarnung Selbstmord - und das auch noch mit einer fremden Frau. Hatte der Vater etwa eine Affäre? Irgendwelche Probleme? Yotchan und ihre Mutter haben keine Ahnung, warum er ohne ein Wort von ihnen gegangen ist. Es trifft sie völlig unvorbereitet und nun müssen die beiden zusehen, wie sie ihr Leben neu sortieren und mit dem Gefühlschaos aus Schmerz, Trauer und Hass umgehen. 
Yotchan beschließt aus dem Familienheim auszuziehen und lässt sich in dem belebten Viertel Shimokitazawa nieder. Hier versucht sie ihr Leben neu zu ordnen, weg von den ganzen Erinnerungen an ihren Vater, mit einem neuen Job in einem kleinen Bistro und mit neuen Freunden. Doch dann steht plötzlich ihre Mutter vor der Tür, weil sie auch nicht in dem großen Haus alleine leben will. So versuchen die beiden Frauen gemeinsam und doch jede auf ihre eigene Art mit dem Tod des Vaters bzw. Manns zu arrangieren. 
Jeder geht mit dem Tod eines geliebten Menschen anders um und für Außenstehende ist dies oft schwer nachzuvollziehen. Oft verharrt man lange in einer Schockstarre, bis man den Tod zu akzeptieren lernt, eine Weg findet, sich damit abzufinden und ein Ventil für die Trauer findet. Und bei jedem Menschen funktioniert das anders. Noch dazu geht trotz allem das normale Leben um einen herum weiter. Irgendwann setzt dann aber doch die Katharsis ein und man lernt, dass der Tod nun einmal  ein unumgänglicher Bestandteil des Lebens ist. Genauso wie Yotchan "Und da umfing sie mich, die Vorahnung des Todes. Das war keineswegs ein scheußliches oder jämmerliches Gefühl, sondern es war die Empfindung als würde ich mich ins Unendliche erweitern."
Das dünne Buch von Banana Yoshimoto ist keine Action-geladene Story, es passiert allgemein nicht viel, stattdessen scheint die Zeit teilweise fast still zustehen. Und auch wenn das Thema natürlich sehr traurig ist- so wie bei vielen von Yoshimotos Geschichten - ist es unheimlich berührend. Ich mag den Erzählstil von Yoshimoto unheimlich gerne. Sie berichtet so einfühlsam, ihre Storys haben irgendwie etwas fast Zerbrechliches an sich, etwas Flirrendes, das mich beim Lesen jedes Mal unheimlich berührt. Die Geschichte hat trotz der schweren Thematik nicht bedrückendes, sondern wirkt wie Balsam, tröstend und behütend und dringt beim Lesen tief in die Seele ein. Ich bin auf jeden Fall ein großer Fan von Banana Yoshimoto!
Liebe GrüßeCat 

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