Baby hat ’nen Hänger, Teil 2: Der Croozer im Test

Von Ruhrmama @ruhrmama

Die Suche nach einer bezahlbaren Transportlösung für's Ruhrbaby hatte ich ja bereits im ersten Teil geschildert. Nein, ein Lastenrad ist es nicht geworden. Stattdessen steht bei uns seit einem halben Jahr ein gebrauchter Croozer Kid for 1 auf dem Hof und wird überwiegend als Fahrradanhänger, seltener auch als Jogger benutzt. Das Model ist, soweit ich richtig informiert bin, aus dem Baujahr 2010. In diesem Sinne: Was neuere Modelle angeht, sind alle folgenden Ausführungen ohne Gewähr - auch wenn die aktuellen Bilder des Herstellers erahnen lassen, dass sich das Design nichts grundlegend geändert hat. Weiterhin: Wir haben es hier mit der ungefederten „Basisversion" zu tun, also nicht mit dem Croozer Kid Plus, der über eine Elastomerfederung verfügt.

Der Hänger hat also sechs Monate Ruhr baby kind hinter sich, zuvor ließ sich das Vorbesitzerbaby lange Zeit kutschieren. Zeit also, meine Erfahrungen mit dem Hänger zu teilen und zu zeigen, wo es läuft - und wo es nach eifriger Benutzung hakt. Als Fahrradschrauber kann Ruhrpapa zwar ganz schön mäkelig sein, aber um es vorweg zu sagen: Wir bereuen die Anschaffung nicht und sowohl die Zug- bzw. Schieb-Eltern als auch die kleine Passagierin sind zufrieden und freuen sich immer wieder über das Mehr an autofreicher Mobilität mit Kind.

Technik: Gut und einfach

Der Crozzer Kid for One ist kein Luxusmobil, aber auch weit davon entfert, eine Billiglösung zu sein. Das schlägt sich im Preis nieder - mit einem Neupreis von rund 500 Euro liegt der Croozer im Mittelfeld. Bei der Ausstattung heißt es da: Grundsätzlich gut, aber an der einen oder anderen Stelle müssen Abstriche gemacht werden. Das fällt vor allem im Vergleich zum deutlich teureren Chariot Cougar von Thule auf (Vergleich folgt in Teil 3). Zunächt wäre da die fehlende Federung. Geschenkt. Schließlich wollen wir kein Nitroglycerin transportieren. Eine vorausschauende Fahrweise und etwas Mumm im Kinderpo müssen es richten - zumal das Ruhrbaby zur Zeit noch im eingehängten Babysitz Platz nehmen darf, worin es hängemattengleich vor den meisten Holprigkeiten des radelnden Lebens geschützt ist.

Simpel gehalten sind aber die Verbindungen zwischen Hänger und Rad bzw. Deichsel und Hänger sowie die Befestigung des Lenkers. Bombenfest, aber zur Sicherung kommen stabile Metallsplinte zum Einsatz, die mit einem federartigen Verschluss vor dem Herausrutschen gesichert werden. Das ist am Anfang beim Umbau etwas frickelig; vor allem den Tausch der Deichsel beim Umbau vom Hänger zum Jogger bringt man beim Chariot Cougar wesentlich smoother zustande. Mit etwas Übung geht der alltäglich Umgang mit der Croozer-Technik aber gut von der Hand. Alles in Allem macht das Ganze einen stabilen Eindruck, an keiner Stelle hat man den Eindruck, dass die Sicherheit des kleinen Fahrgastes aufgrund der Technik irgendwie gefährdet sein könnte.

Die Verbindung zum Rad: Die Installation der Kupplung ist für den mäßig begabten Schrauber kein Problem (das Ding wird einfach mit dem Schnellspanner an der Achse befestigt). Prima für die radelnde Familie: Eine zweite Kupplung ist mit dabei. Die Deichsel ist mit der Kupplung über eine massive Stahlfeder verbunden. War ich am Anfang skeptisch, freue ich mich jetzt über einen relativ kleinen Wendekreis. Die Feder macht den Hänger am Rad prima beweglich. Zum Nachteil wird das erst beim sportlichen Radler: Wenn es bergauf in den Wiegetritt geht (vulgo: im Stehen treten) wabbelt der Hänger an der Verbindungsstelle schon spürbar vor und zurück. Quietschen kann die (trockene) Feder auch, da Ruhrpapa aber immer eine Dose WD40 am Mann trägt, ist das schnell beseitigt. Geärgert habe ich mich lediglich über den rostenden Karabinerhaken am Sicherungsseil.

Die Räder werden per Steckachsen am Hänger befestigt (ja, das hält wirklich!), der Ein- und Ausbau geht hier wirklich schnell. Die gefetteten Achsen sind jedoch ein schmutzige-Finger-Garant, also aufpassen beim Verstauen im Auto. Der Aufwand von Letzererem ist übrigens relativ übersichtlich, verglichen mit einem normalen Kinderwagen aber schon ein Akt: Deichsel ab, Räder raus, Lenker ab und den Hänger zusammenfalten. Passt in den Kofferraum eines Skoda Fabia Kombi (so gerade eben), wird bei der Ruhrfamilie aber nicht oft gemacht. Schließlich kann man in Essen so viele Ausflugsziele mit dem Rad erreichen!

Ebenso einfach, wenn auch wirkungsvoll, sind die Feststellbremsen des Hängers. Auf beiden Seiten blockieren per Hebel umlegbare Metallstifte die Räder. Das Ganze rastet manchmal nicht sofort ganz ein und die Hebel müssen meist per Hand bedient werden, da sie sich zwischen Rad und Hänger verstecken und nur mit ganz schlanken Füße erreicht werden können. Funktionieren tut es, aber ingenieursmäßig wirkt das Ganze etwas lustlos.

Hänger, Kinderwagen, Jogger: Die Dreifaltigkeit des Croozer

Bei der Wandlungfähigkeit des Croozer hat mein Lastenradtraum definitiv das Nachsehen. Der Hänger kann in dreierlei Art gezogen bzw. geschoben werden: Als Fahrradanhänger, als Jogger mit festem Vorderrad und mit einem beweglichen dritten Rad als eine Art Kinderwagen. Letzteres ist prima, wenn der Ausflug mit dem Rad am Supermarkt endet, wo noch dringend ein paar Einkäufe getätigt werden müssen: Deichsel vom Hänger abmachen (die bleibt mit dem Fahrrad verbunden), drittes Rad aus der Tasche im Kofferraum gezogen, angesteckt und mit Splint gesichert - fertig. Diese Prozedur geht nach einiger Übung wirklich schnell und das Ruhrkind kann währenddessen im Hänger sitzen bleiben. Diese „Kinderwagen-Konfiguration" wird häufig benutzt - was in unserem Fall dazu geführt hat, dass das Rad mittlerweile etwas locker in der Halterung sitzt und es beim Schieben klackert - keine Ahnung, wie lange das noch gut geht, noch funktioniert's. Mit dem „Kinderwagen-Hänger" kommt man gut durch die örtlichen Supermärkte, auch an der Kasse gibt es normalerweise kein Problem. Aber Achtung - wir haben es hier mit der schnmal 1-Kind-Variante zu tun. Mit dem breiteren Croozer Kid for 2 dürfte man indoor hier und da schon anecken. Wo wir beim Thema Supermarkt sind: Der „Kofferraum" des Croozer ist übrigend relativ geräumig, der übersichtliche Standard-Einkauf passt neben der Wickeltasche gut in den Fond des Hängers.

Geht es auf Wanderung und auf die sportliche Jogging-Runde, kommt das große Vorderrad zum Einstatz: Dazu wird die Deichsel auf beiden Seiten durch eine Radhalterung ersetzt und das Vorderrad per Schnellspanner eingesetzt. Dauert etwas länger. Aber auch hier: Übung macht den Meister. Wichtig: Das Rad muss wirklich gerade ausgerichtet sein, ansonsten gibt es einen unangenehmen Rechts- oder Linksdrall auf der Joggingstrecke. Wenn alles passt, hat man einen prima geradeaus laufendes Gefährt. Nur das Manövrieren wir schwieriger - der Umweg über den Supermarkt sollte besser ausfallen.

Fahrverhalten: Lenker zu kurz, Bodenfreiheit grenzwertig

Wird der Croozer geschoben - egal ob als Kinderwagen oder als Jogger - zeigt sich ein wirkliches Manko des Hängers, zumindest für große Leute mit langen Beinen, wie es beim Ruhrpapa mit über 1,90 m der Fall ist: Der Lenker dürfe wirklich länger sein. So kommt es häufig vor, dass die Füße an die hintere Stoßstange geraten. Eine wirklich gute DIY-Lösungen habe ich noch nicht gefunden, auch ist hier Vorsicht geboten, schließlich dient der vorhandene Lenker auch als Überrollbügel für den absoluten und hoffentlich nie eintreffenden Ernstfall.

Wo wir gerade beim Fahrverhalten sind: Hier gibt es nichts auszusetzen, solang man auf der Straße oder ebenen Wegen unterwegs ist. Als Hänger-Neuling ist es auf den ersten Kilometern ungewohnt, mittlerweile ist der Croozer ein selbstverständlicher Teil des Fahrrads. Auch enge Stellen an Absperrungen und Pöllern bekommt man mit dem Kid for 1 prima hin. Mit der 2-Kind-Version habe ich keine direkten Erfahrungen, ich kann mir aber vorstellen, dass hier etwas mehr Vorsicht angesagt ist. Wird die Strecke hügelig, wird es anstrengend. Das Gewicht des Fahrrads ist mit den 15,4 Kilo des Croozer (ohne Zuladung) schon mehr als verdoppelt, hinzu kommen Kind und Einkäufe - das sorgt für trainierte Beine und eifrige Benutzung der Gangschaltung.

Der Croozer liegt also gut auf der Straße - die relativ geringe Bodenfreiheit rächt sich allerdings, sobald es huckeliger wird. Große Steine oder sonstige Hindernisse sollte man bei der Wanderung mit dem Jogger im Auge behalten, ansonsten drohen Schrammen am Unterboden.

Sehen und gesehen werden

Die dunkle Jahreszeit naht und Ruhrpapa denkt nicht daran, den Hänger einzumotten. In diesem Fall muss der Hänger noch ein Update in Form eines Rücklichts bekommen. Zwar kommt der Hänger mit zwei (weißen) Reflektoren vorne und zwei roten an der Rückseite, sowie Speichenreflektoren an beiden Rädern. Allerdings verdeckt der Hänger das Rücklicht des Fahrrads - eine batteriebetriebenes LED-Leuchte steht also noch auf der Einkaufsliste.

Der kleine Passagier nimmt Platz

Abseits aller technischen Fachsimpelei nun zum Mittelpunkt: dem Baby bzw. Kind im Hänger. Da das Ruhrbaby beim Einzug in den Hänger mit zarten neun Monaten noch viel zu klein war, um im Hänger zu sitzen, war der passende Babysitz Plicht. Dabei handelt es sich um eine straff in den Hänger eingespannte Hängematte durch welche die Gurte durchgefädelt werden. Das Baby liegt leicht erhöht, ist gut gesichert, kann rausgucken und ist vor Erschütterungen geschutzt. Prima Sache, auch schon für die ganz Kleinen. Laut Hersteller dürfen schon Würmer mit vier Wochen hineingelegt werden und der Babysitz sei bis zu einem Alter von ca. 10 Monaten geeignet. Da das Ruhrkind recht zierlich ist, nimmt es mit nun 14 Monaten immer noch im Babysitz Platz. Für die etwas Größeren gibt die die extra erhältliche Sitzstütze, bis zu einem Alter von ca. 20 Monaten. Aber soweit sind wir noch nicht.

Per Verdeck ist die kleine Mitfahrerin gut geschützt vor Insekten oder sonstigen umherfliegenden Gefahren. Zwar dunkelt das Verdeck das Innere den Hängers etwas ab, bei tief stehender Sonne haben wir eine Sonnenblende allerdings schon vermisst. Auch hier setzt der Hersteller auf den Zubehörkauf. Kommt es nass vom Himmel, wird das Regenverdeck ausgerollt und zusätzlich über den Hänger gezogen. Das aufgerollte Verdeck wird mit zwei Gummischlaufen festgemacht - die funktionieren, sind mittlerweile allerdings ordentlich ausgeleihert.

Papa! Es ist total supi im Fahrradanhä... *schnarch*

Bei aller Begeisterung des velophilen Ruhrpapas - was sagt eigentlich das Kind dazu? In Kürze: Ein zufriedener Seufzer, wenn das Verdeck aufgeht und die Gurteschnallen einrasten. Ansonsten: Stille Zufriedenheit und ein gelegenlich gejauchztes „Wah-Wah!" (das Kind hat einen Hund erblickt). Dann ist meistens Schlafenszeit. Neben Tempo 100 auf der A42 scheint die Fahrt im Hänger das beste Schlafmittel für's Ruhrkind zu sein. Ok - wenn der Ruhrpapa es mit der Länge des Ausritts übertreibt, wird auch der bequemste Fahrradhänger irgendwann blöd...

In Teil 3 - Croozer vs. Cougar

Wie angekündigt, wird diesem ausführlichen Test eine kurze Gegenüberstellung zu einem nagelneuen Chariot Cougar von Thule folgen, in dem das Ruhrbaby während seines ersten Urlaubs über die Insel Föhr chauffiert wurde. Stay tuned!