Auswandern mal im Ernst

Dank Goodbye Deutschland!, Mein neues Leben, Auf und davon, Koffer zu und weg und alle den anderen TV-Formaten rund ums Auswandern ist in den vergangenen Jahren das Wort Auswanderer in aller Munde. Und auch die Tatsache, dass viele Auswanderer ganz schnell wieder zu Einwanderern werden.

Ob man diese TV Sendungen schaut oder nicht, und ob die Fälle, die da gezeigt werden, wirklich alle echt sind, sei dahin gestellt. Ebenso, ob es aus Sicht der Auswanderer sinnvoll ist, sich vorführen zu lassen. Fest steht aber: Viele Menschen sehnen sich – aus welchem persönlichen Grund auch immer – nach dem Neuen. Und immer mehr Menschen wagen ihn auch, den Aufbruch ins Unbekannte.

Bei all diesen Dokus aber, wird am Ende mehr oder weniger deutlich: unvorbereitet verspricht das Auswandern meist wenig Erfolg.

Aus meiner Sicht kommt‘s aber nicht nur auf die Vorbereitung an. Denn wenn es danach geht, dann wäre ich selbst längst zurück in Deutschland (Was ich nicht vorhabe, auch jetzt nicht, nach fast fünf Jahren Trentino-Südtirol.).

Sicher ist, dass ein geplantes Vorgehen, die Chancen auf dauerhaftes Glück im neuen Land deutlich erhöht – vor allem dann, wenn man sich mit dem Auswandern weit von dem Kulturkreis entfernt, in dem man geboren ist. Mit der ganzen Familie – von der möglicherweise die Hälfte gar nicht weg will aus der Heimat – aber dafür vollkommen ohne Sprachkenntnisse und Wissen rund ums Zielland – das ist der denkbar schlechteste Start. Viele dieser Versuche sind in den letzten Jahren kläglich gescheitert.

Entscheidend ist beim Auswandern aber vor allem die Grundeinstellung. Kehre ich Deutschland nur deshalb den Rücken, weil mir dort alles auf die Nerven fällt, alles schlecht und furchtbar, ja quasi nicht mehr auszuhalten ist, dann muss ich mächtig aufpassen, dass ich im neuen Land nicht gleich ins selbe Muster verfalle. Muss schnell, schnell aus Not und Verzweiflung ein neues Leben her, dann sinkt die Aussicht auf ein erfülltes Auswandern rapide.

Arbeitsmarktsituation, Finanzkrise, Kitaplätze, Niedriglöhne, … Sicher gibt’s in Deutschland viel zu kritisieren. Das Problem ist nur: das gibt es überall. Oder glaubt im Ernst noch jemand, woanders ist alles besser? Nee, mal ehrlich, das ist meist das erste, was man in der neuen Heimat feststellt: auch hier wird nur mit Wasser gekocht.

Die besten Voraussetzungen zum Auswandern sind deshalb: Leidenschaft, echte Begeisterung, Tatendurst, der Wunsch, das eigene Leben in die Hand zu nehmen, und – nicht zu vergessen – Realitätssinn und Durchhaltevermögen!

Das Zielland darf nicht nur ein Notbehelf sein, sondern sollte – pathetisch ausgerückt – das Land der Träume sein. Naja, das ist vielleicht wirklich übertrieben, aber eine echte Verbindung, irgendein Aha-Erlebnis muss unbedingt vorhanden sein. Idealerweise sollte sich das auf das Land selbst, seine Naturlandschaft, die Kultur oder ein Gefühl von Angekommen-Sein beziehen, nicht auf irgendeine bestimmte Person. Die kann nämlich verschwinden und oft verschwindet dann mit der Person auch ganz schnell der Spaß am neuen Land.

Tipps zum Auswandern gibts genug. Informationen liefert das Auswärtige Amt ebenso wie die Deutsche Rentenversicherungsanstalt und viele hilfreiche Webseiten. Aber auch, man höre und staune, die Deutschen Arbeitsagenturen haben ganz passable Ratschläge auf Lager.


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