Australien plant Rente erst ab 70

Von Stieger

Wenn es nach Australiens Finanzminister Joe Hockey geht, werden die Einwohner des Landes demnächst erst mit 70 Jahren in Rente gehen.

Damit wäre Australien, das mit der Maßnahme die Staatskasse entlasten will, weltweiter Spitzenreiter beim Renteneintrittsalter.

Die seit September regierende liberal-nationale Koalition hatte in ihrem Wahlprogramm angekündigt, das von Hockey so bezeichnete “Zeitalter der Ansprüche” zu beenden und das Haushaltsdefizit abzubauen Australien steht mit seinen Plänen für ein höheres Rentenalter an der Spitze einer Reihe von Ländern, die den steigenden Anteil von Rentenbeziehern gegenüber Einzahlern in die Rentenversicherung durch ein höheres Rentenalter entschärfen wollen.

In Australien soll das Verhältnis von Einwohnern im arbeitsfähigen Alter zu Über-65-Jährigen von 5:1 im Jahr 2010 auf 3:1 im Jahr 2050 sinken. In Japan liegt das Verhältnis aktuell bereits unter 3:1 und in Deutschland nahe diesem Wert, wie Daten der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zeigen.

“Australien ist das erste Land, das das Rentenalter auf 70 anhebt, aber es wird nicht das letzte sein”, kommentiert Steve Shepherd vom Personaldienstleister Randstad Group in Melbourne. “Die Welt wird das genau beobachten.”

Werden die Ausgaben für das Rentenprogramm nicht gesenkt, müsste die Belastung der Jüngeren durch Steuern und Abgaben gesteigert werden.Die staatliche Rente ist für 65 Prozent der pensionierten Australier die Haupt-Einkommmensquelle. Hockeys Plan sieht vor, dass die ab 1966 geborenen Einwohner bis 70 arbeiten müssen, während das Rentenalter derzeit bei 65 liegt.

Bei den Wählern weckt er damit keine Begeisterung. Einer im Mai durchgeführten Umfrage des Marktforschers Galaxy zufolge lehnen 69 Prozent der Befragten den Plan für die Verschiebung des Rentenalters um fünf Jahre ab 2035 ab.

Die Regierung braucht für ihre Rentenpläne noch die Zustimmung des Parlaments. Dafür muss ein Gesetz von 2009, das das Rentenalter ab 2023 auf 67 Jahre anhebt, geändert werden. “Wir halten dies für richtig und angemessen”, erklärte Regierungschef Abbott am Mittwoch gegenüber dem Parlament. “Ältere Menschen sollten zur Wirtschaft beitragen.” Im Oberhaus hängt die Zustimmung von einer Gruppe kleiner unabhängiger Parteien ab, da die oppositionelle Labor Party bereits Ablehnung signalisiert hat.

Auch in anderen Ländern werden die Altersgrenzen für den Renteneintritt erhöht. In Großbritannien soll das Eintrittsalter von 65 auf 67 Jahre steigen. Auch in den USA steigt das Alter, in dem man staatliche Rente beziehen kann, auf 67. Im Durchschnitt der 34 Länder in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gehen Männer mit 65 Jahren in Rente, Frauen mit 63,5 Jahren.

Format 27.6.2014