Aussprache?!

Aussprache?!

Gerd Altmann / pixelio.de

Dreju und ich trafen uns am nächsten Abend auf "neutralem Terrain",  in einer Szenekneipe in Stuttgart.
Ich war fest entschlossen, nicht von meinem Standpunkt abzuweichen, ihm klar zu machen, dass er zu weit gegangen war, in dem er mich heimlich beobachtete und Fotos von mir schoss.
Schließlich war ich seine Freundin und nicht irgend ein Auftrag für ihn als angehender Privatdetektiv.
Ich wollte ihn dazu bringen, mir zu vertrauen anstatt mir zu drohen, denn nach wie vor war ich mir keiner Schuld bewusst.
Und nach wie vor war ich fassungslos ob seiner Dreistigkeit, mir eine harmlose Umarmung mit einem Bekannten vorzuwerfen, wo er es doch war, der ein doppeltes Spiel spielte.
Doch so sehr ich mich auch bemühte, ihm zu erklären, wie ich mich fühlte, wie sehr mich sein Misstrauen verletzte, ich schaffte es nicht, ihn von seiner Überzeugung, er habe richtig und fair gehandelt, abzubringen.
"Beloti, wie hättest Du Dich gefühlt, wenn Du mich gesehen hättest, wie ich eine andere Frau umarme? Ganz davon zu schweigen, dass das eine Frau, die etwas auf sich hält und dazu noch vergeben ist, einfach nicht macht!" erboste er sich erneut.
Abgesehen davon, dass er mit dieser Aussage sein überholtes Frauenbild offenbarte, hatte er einen wunden Punkt getroffen. Ich hatte im Laufe unserer Beziehung eine Eifersucht entwickelt. Eine Eifersucht auf sein "anderes Leben", das Leben mit seiner Tochter und deren Mutter, das Leben außerhalb unserer gemeinsamen Zeit, über das ich so gut wie nichts wusste. Je länger unsere Beziehung dauerte, desto schwieriger wurde es für mich, diese Eifersucht und die damit verbundene Unzufriedenheit, die Schritt für Schritt immer größer wurde, zu ignorieren. Natürlich hätte ich es nicht gern gesehen, wenn Dreju eine andere Frau umarmt hätte. Zu meinen zahlreichen Fragen zu seinem "zweiten Leben" wären weitere hinzu gekommen: "Wer ist sie? In welchem Bezug steht sie zu ihm? Woher kennt er sie? Wie lange kennt er sie?" um nur einige zu nennen. So verunsichert war ich bereits. So wenig Vertrauen hatte ich zu ihm.
Genau wie er zu mir.
Das wurde mir plötzlich klar. Nicht nur er misstraute mir, ich misstraute auch ihm. Doch kann Liebe ohne Vertrauen bestehen? Nein, kann sie nicht, denn Vertrauen ist die Basis einer beständigen Liebe, das wusste ich.
Schlagartig wurde mir bewusst, dass ich anders an die Sache heran gehen musste, um nicht einen weiteren Streit herauf zu beschwören.
Ich bestand nicht mehr darauf, Recht zu haben. Ich beschloss, ihm noch mehr entgegen zu kommen, damit er sah, dass er mir vertrauen konnte.
"Cheri, ich möchte so sehr, dass Du mir vertraust! Nie würde ich etwas tun, was unsere Liebe in Gefahr bringen würde. Ich möchte Dir beweisen, dass ich nichts habe, was ich vor Dir verstecke. Deshalb möchte ich Dir einen Schlüssel für meine Wohnung geben. Mit diesem Schlüssel kannst Du, wann immer es Dir danach ist, zu mir kommen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Egal, ob ich da bin oder nicht. Mein Zuhause  soll auch Dein Zuhause sein. Es wäre schön, wenn Du diese Geste als gegenseitiges Vertrauen annehmen könntest, denn auch ich vertraue Dir, sonst würde ich Dir diesen Schlüssel nicht geben."
In diesem Moment war ich überzeugt davon, richtig zu handeln. So musste er doch begreifen, dass ich ihn nicht hinterging. Ich sah nicht, dass ich meine Würde nach und nach verlor, mich diesem Mann vor lauter vermeintlicher Liebe unterwarf, mich ihm komplett anbot, mit Haut und Haaren, mich gläsern für ihn machte und dadurch an Konturen, an Persönlichkeit verlor und  langsam aber sicher immer uninteressanter für ihn wurde.

Ich gab ihm alles, was ich hatte.
Und bekam nichts weiter zurück.
Er nahm den Schlüssel an. Doch sein Vertrauen mir gegenüber wurde nicht größer. Im Gegenteil. Damit gab ich ihm nur noch mehr Möglichkeiten, mich heimlich auszuspionieren, heute würde man es "stalken" nennen.
Ich hatte die Basis für viele noch folgende Auseinandersetzungen geschaffen.