Ausländischer Politiker will nicht zum Bankett einer lesbischen Regierungschefin

Von Gerededresden

In Island wird die neuste Runde in Sachen Gleichberechtigung von Homosexuellen eingeläutet. Die ersten zwei waren durchaus erfreulich. Die seit 1996 geltende eingetragene Lebenspartnerschaft für Lesben und Schwule wurde dieses Jahr zur geöffneten Ehe erweitert (Runde 1) und dann heiratete die isländischen Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurðardóttir ihre langjährige Lebensgefährtin (Runde2). In Rund 3 gibt es einen Rückschlag. Ein Bankett zu Ehren der isländischen Ministerpräsidentin und ein konservativer Politiker der Färöer-Inseln will nicht teilnehmen- Grund? Offenbar weil die zu feiernde Frau lesbisch ist und ihre Ehefrau ebenfalls geladen ist.

Kaj Leo Johannesen, Ministerpräsident der Färöer-Inseln(50.000 Einwohner) lud die Vorsitzenden der sieben Parteien des Landes zu dem Festessen ein und als einziger sagt Jenis av Rana, christlich demokratische Zentrumspartei, ab. Die Teilnahme der Ehefrau von Sigurðardóttir sei eine „Provokation“ für die färöische Gesellschaft und stände „sicherlich nicht im Einklang mit der Bibel”, so der Politiker gegenüber Nachrichtendienst “Vagaportal”. Auf seiner Website zeigte sich av Rana aus einem weiteren Grund gekränkt. Seine Ehefrau habe er nicht mitbringen dürfen. „Ich gehe gewöhnlich abends nicht aus, wenn meine Frau nicht auch eingeladen ist. Ich bleibe lieber zu Hause mit ihr”. Muss ja eine große Liebe sein…

Was zwei Menschen im Zwist über ihre Liebesweisen austragen wirkt sich nun auf zwei Länder aus. Zwischen Island und den Färöer-Inseln kam es nun zu diplomatischen Verstimmungen. Island steht hinter seiner Ministerpräsidentin und ihrer Partnerin. Der isländische Außenminister Össur Skarphéðinsson nannte die Reaktion von av Rana eine „Schande”. Vertreter anderer färöischer Parteien distanzierten sich rasch und versicherten, dass der Zentrumspolitiker nicht für das Land spräche.

Die Färöer-Inseln sind ein autonomes Gebiet Dänemarks, dessen Kultur eng mit der Islands verbunden ist. Beide Völker sprechen beinahe die selbe Sprache und die Länder, beide gehören nicht zur EU, bilden seit vier Jahren eine Wirtschaftsunion.

In Sachen „Homo-Recht“ zeigen sich die Färöer – für skandinavische Verhältnisse – rückständig. Erst 2006 gestand die Inselgruppe Lesben und Schwulen einen Diskriminierungsschutz zu. Hier sind die Unterschiede zu Island besonders groß, das doch als erstes Land weltweit eine offen homosexuell lebende Politikerin zur Regierungschefin machte.

 Für das Bankett kann nur eine angenehme Atmosphäre gewünscht werden, vor allem für den weiblichen Ehrengast! Wer kein_e Gönner_in dieses Glückes ist, der kann dort verbleiben, wo er mag… und mit wem.

Fotos: flickr.com von iheartpandas und Ulrich Latzenhofer