Auschwitz III • Das Außen ► Arbeits ► Lager Monowitz

Wie andere Konzentrationslager, hatte auch das Stammlager Auschwitz unzählige Außenlager, die ausschließlich Arbeitslager waren und meistens der Industrie Zwangsarbeiter zuführte. Im Fall des Außenlagers Monowitz waren es die Buna Monowitz BunaWerke, die sich hier ansiedelten und an diesen Industrieanlagen schlossen sich die Baracken der Zwangsarbeiter an, um den Transport von und zu den Werkstätten so gering zu halten, und um so jeglichen Zeitverlust des Arbeitseinsatzes zu vermeiden. Hier gab es zwar keine Vernichtungsmaschinerie für Menschen, doch die Vernichtung der Häftlinge durch Arbeit war von den Machthabern des NS-Regimes einkalkuliert, da es eine immerwährende Flut von neuen Arbeitern gab, konnte das ‚Menschenmaterial’ so dezimiert werden, so die Gedankengänge vollem von Heinrich Himmler, dass sich in der ‚Behandlung’ der Häftlinge niederschlug.

Bereits als das Stammlager Auschwitz 1941 noch im Entstehen war, bewilligte die Reichsregierung den IG Farben den Bau eines weiteren Werks im eroberten Osten. Doch bereits in der Planung stießen die Interessen der Beteiligten an einander, zum einen die nationalsozialistische Ideologie und zum anderen die kapitalistische Gewinnmaximierung der Industrie. Die IG Farben Buna favorisierte am Anfang eine Erweiterung ihrer drei Fabrikationsstätten im Deutschen Reich, doch das NS-Regime wollte Industrieanlagen im eroberten Osten errichten, um dem neu gewonnenen Lebensraum auch so zu gestalten, dass nicht nur die Flächen zur landwirtschaftlichen Nutzung bereitstünden. Durch hohe Subventionszusagen erklärten sich die IG Farben bereit diesem Anliegen nachzukommen und favorisierte den Raum Schlesiens, auch wegen seiner deutschsprachigen Arbeiterschaft. Dies entsprach aber so gar nicht dem Gestaltungswillen des Reichsicherheitshauptamts, dass die Buna Werke weiter in den Osten verlegen wollte, um in diesen strukturarmen Gegenden Industrie aufzubauen. Hier lockten die NS-Ideologen die Verantwortlichen der IG Farben mit billigen Zwangsarbeitern, doch auch diese Ausschichten entsprachen nicht den wirtschaftlichen Gegebenheiten der Industrie. Nicht, dass diese moralische AUSCHWITZ IIIBedenken wegen der Zwangsarbeiter gehabt hätte, nein, es ging ihnen genauso um die Ausbeutung von Arbeitskraft, wie auch den NS-Ideologen, doch das Interesse der Industrie war es einen festen Stamm an gut ausgebildeten Arbeitskräften zu haben, die eine Kontinuität der Arbeitsabläufe garantieren, zusätzlich wollten sie, dass dieser feste Stamm an Arbeitern deutschsprachig zu sein hätte, so dass die Vorgesetzten mühelos Anweisung erteilen konnten und diese auch prompt umgesetzt würden. Doch gerade Heinrich Himmler sah den deutschen ‚Herrenmenschen’ nicht als Industriearbeiter; hierfür sah er den slawischen ‚Untermenschen’ als weitaus mehr geeignet. Himmler selbst wollte an das geplante Großprojekt von Auschwitz Industrie ansiedeln und bereits als das Stammlager Auschwitz noch im Entstehen war, besuchte Otto Ambros von den IG Farben das Lager. Hier entstand dann auch die Ortsbestimmung für die zu bauenden Industrieanlagen im Ort Monowitz, dafür sprachen die bereits bestehenden Schienenwege und Straßen und das Versprechen die ortsansässigen, meistens auch deutsch sprechenden Juden als Arbeitskräfte zu verwenden. Da sich das gesamte Unternehmen unter der Leitung der SS befand, bewilligte Heinrich Himmler eine

Gesamtinvestition von 400 Millionen Reichsmark für die IG Farben. Für ihren Wunsch, ein wichtiges Werk im ‚luftsicheren’ Gebiet zu realisieren, subventionierte die Regierung den Bau durch einen höheren Garantiepreis und Sonderabschreibungen, die fast 50 % der Kosten aufwogen. Im März 1941 entschied der Vorstand des Industriekomplexes, dass im neuen Werk 30.000 t Buna und 75.000 t Treibstoff produziert werden sollten. Weitere Anlagen sollten Nebenprodukte herstellen und die Option bieten, bei nachlassender Nachfrage in Friedenszeiten das Werk weiter profitabel arbeiten zu lassen. Doch die Frage der Arbeiter blieb weiter eine offene zwischen den Verhandlungspartnern. Himmler und seinem Amt war es seitens der Industrie nicht eingängig zu machen, dass jüdische Arbeiter, auch wenn diese deutschsprachig waren, ‚wertvoller’ gewesen wären, als slawische ‚Untermenschen’; da Juden bei vielen Ideologen gar nicht mehr zur menschlichen ‚Rasse’ zählten. Hier muss noch einmal darauf hingewiesen werden, dass es der Industrie in keiner Weise um Rettung der Juden ging, oder sie eine ‚humanere’ Sichtweise auf die Arbeiterschaft gehabt hätten, nein, das ganz bestimmt nicht, ihnen ging es ausschließlich um den reibungslosen Ablauf der industriellen Fertigung und um die Gewinnmaximierung ihres Unternehmens. Doch diese Argumentation wischten die NS-Ideologen vom Tisch, da sie auch hier für die Kontingente für die Zwangsarbeiter stellten und sich verpflichteten, für den reibungslosen Arbeitseinsatz zu sorgen. Um es vorweg zu nehmen, letztendlich kostete das Reichssicherheitshauptamt die Anlagen der IG Farben Buna in Monowitz 700 Millionen Reichsmark; ein Gewinn wurde nie erzielt und die Effektivität der Werke in Monowitz erreichte nie die Werte der weitaus kleineren Werke im Deutschen Reich, trotz Produktabnahmezusicherung durch Wehrmacht und andere Stellen der Wirtschaft.

Der Ort Monowitz lag ungefähr sechs Kilometer östlich des Stammlagers Auschwitz entfernt, da der Marsch der Zwangsarbeiter täglich hin zu den Arbeitsstätten und dann wieder zurück, zu zeitintensiv war, wurde mit dem Bau der Lagerbaracken begonnen. Das Lager Buna, erst später erhielt es den Lagernamen ‚Monowitz’, hatte eine Ausdehnung von 500 m Länge und 270 m Breite und war von einem dreifach gegliederten Zaun und zwölf Wachtürmen umgeben. Zunächst gab es sechs Baracken, die ursprünglich je 55 Zwangsarbeiter aufnehmen sollten. Diese Baracken wurden bald mit 190, später sogar mit durchschnittlich 250 Häftlingen belegt. Bis zum Frühjahr 1943 wurden 20 Baracken aufgestellt, von denen anfangs 14 als Wohnunterkünfte für 3.800 Häftlinge dienten. Ende 1943 gab es im Lager 7.000 Zwangsarbeiter. Da der weitere Ausbau nicht Schritt hielt, wurden im Sommer 1944 zwei große Zelte für 700 Häftlinge aufgestellt. Vor dem Winter fand eine Selektion statt, da die Zelte zu kalt gewesen wären und nicht genug Platz in den Baracken war. Im Juli 1944 wurde die Lagerstärke mit einem Höchststand von 11.000 männlichen überwiegend jüdischen Zwangsarbeitern festgestellt.

Das Lager Buna wurde zuerst als Nebenlager des Stammlagers Auschwitz geführt und unterstand dessen Kommandanten Rudolf Höß. Lagerführer in Buna war SS-Obersturmführer Vinzenz Schöttl, der Arbeitsdienstführer hieß Richard Stolten. Erst im November 1943 wurde SS-Hauptsturmführer Heinrich Schwarz Kommandant von ‚Auschwitz III’, dem nun auch alle weiteren 39 Nebenlager mit insgesamt etwa 35.000 Häftlingen unterstanden. Die Überlebensdauer eines Zwangsarbeiters wurde auf drei bis sechs Monate ‚berechnet’, ganz im Sinne ‚der Vernichtung durch Arbeit’ der NS-Ideologie. Hinfällige und auf längere Sicht kranke Arbeiter wurden zur weiteren ‚Verwendung’ zurück nach Auschwitz verbracht, ihr Tod war somit besiegelt. Wichtige Positionen im Lager und in den Arbeitskommandos wurden überwiegend mit reichsdeutschen, sogenannten Funktionshäftlingen, die meistens als kriminelle ‚Berufsverbrecher’ galten, besetzt. Die Funktionshäftlinge hatten im Lager für den reibungslosen Ablauf des Alltags zu sorgen und die von der SS gesetzten Regeln zu überwachen. Ihre Mitwirkung war für das Wachpersonal unverzichtbar; die Funktionshäftlinge und Kapos waren von der Arbeitspflicht befreit und bevorzugt bei der Verpflegung und Unterkunft. Ihre Überlebenschance war ungleich größer als die ihrer Mithäftlinge, solange sie die Erfüllung ihrer Aufgabe zur Zufriedenheit erledigten und das Arbeitssoll ihrer Kolonne erfüllt wurde. Die Mehrzahl der Kapos trieb die entkräfteten Mithäftlinge brutal zur Arbeit an. Sie waren zwar nicht Urheber, aber Vollstrecker eines Systems, das Gewalttätigkeiten und den Tod eines Zwangsarbeiters billigend in Kauf nahm. Durch den raschen Anstieg der Belegungszahl und den Sprachwirrwarr wurden im Lager bald mehr Funktionshäftlinge benötigt, so kamen auch politische Häftlinge in die ‚Spitzen’ der Häftlingshierarchien; so konnten Widerstand und auch Arbeitssabotage organisiert werden. Der überlebende ehemalige Häftling des Lagers Monowitz, Karl Feinberg, schilderte seine Erlebnisse im Nürnberger Prozess gegen die IG Farben: „Wir waren in dem Sonderkonzentrationslager Monowitz untergebracht. Die Bedingungen waren unerträglich. Am ersten Arbeitstag, Vorabend vor Weihnachten, 24. Dezember 1942, mussten wir ohne Essen bis 3.00 Uhr morgens des 25. Dezember durcharbeiten. Unser Dienst bestand im Ausladen von Waggons, Eisenstangen und Zementsäcken und Schweren Öfen. Am 5. Januar 1943 war mein Vater bereits derartig geschwächt, dass er, als er im Laufschritt einen solchen 50 Kilo schweren Zementsack schleppen musste, vor meinen Augen zusammenbrach. Ich wollte ihm helfen, wurde aber von einem SS-Mann mit einem Stock geschlagen und zurückgestoßen. Ein Bruder meines Vaters verletzte sich während der Arbeit am Arm und wurde vergast. Der zweite Bruder meines Vaters ist ungefähr ein oder zwei Wochen nach dem Tode meines Vaters aus Schwäche in Buna während der Arbeit gestorben. Ich selbst hielt die Arbeit bis 15. Januar 1943 aus, dann bekam ich Lungenentzündung und arbeitete wieder vom 15. Februar bis Ende Februar. Dann wurde ich als Arbeitsunfähig erklärt, weil ich nicht mehr gehen konnte und zur Vergasung bestimmt. Zufälligerweise kam aber an diesem Tage kein Lastauto, das zu den Vergasungskammern ging, in das Bunawerk und ich wurde daher in das Konzentrationslager Auschwitz zurückgebracht. Im April 1943 wurde ich, weil ich krank war und mich unter einem Verschlag versteckt hatte, da ich nicht mehr arbeiten konnte, von zwei SS-Leuten und einem Blockassistenten solange geprügelt, bis sie glaubten, dass ich tot sei. Als ich wieder zu Bewusstsein kam, sah ich, dass ich unter den Leichenhaufen in einem Keller geworfen worden war. Ein Häftling sah mich und zog mich heraus. Nach meiner Erfahrung haben Häftlinge, die zum Arbeitseinsatz in den Bunawerken verwendet wurden, es höchstens zwei Monate ausgehalten, bis sie entweder zur Vergasung, oder wie in meinem Falle, in das Konzentrationslager Denkmal MonowitzAuschwitz zurückgeschickt wurden.“

Die Bedingungen für die Häftlinge waren neben der schweren Arbeit, dem wenigen Essen, der unzureichenden sanitären Anlagen und der unzulänglichen medizinischen Versorgung, vor allem durch die Willkür des Bewachungspersonals geprägt. Als die Arbeitskontingente sich immer häufiger dezimierten und sich der Arbeitskräftemangel auch bis in die Spitzen des Reichssicherheitshauptamts ‚herumsprach’, verfügte Heinrich Himmler 1943 eine Erhöhung der Kalorienzahl für die Häftlinge, diese erhöhte sich dann auch wirklich, von vorher 1 500 Kilokalorien auf nunmehr 1 600 Kilokalorien, in Form einer dünnen Gemüsesuppe und einer halben Scheibe Brot extra. Eine Verbesserung der Arbeitsleistung, beziehungsweise der Gesundheit der Zwangsarbeiter wurde damit in keiner Weise erreicht. Am 1. Januar 1945 betrug die Anzahl der Häftlinge laut Aufzeichnung 10 350. Am 18. Januar wurde das Lager evakuiert und am 27. Januar von der Roten Armee befreit. Die evakuierten Häftlinge kamen in das Außenlager Gleiwitz und mussten dann auf den Todesmarsch Richtung Westen.

Hier erreichten nicht einmal die Hälfte der ehemaligen Zwangsarbeiter von Monowitz andere Arbeits- beziehungsweise Konzentrationslager. Ungefähr ein Drittel der Häftlinge von Monowitz überlebte die Drangsal und Willkür des NS-Regimes. 

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➼ Stammlager Auschwitz I • Einrichtung und Entstehung

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Bilder 1-3: Auschwitz III – Monowitz: a) Industrieanlage b) Lageplan c) Memorial Monowitz – Quelle: wikimedia.de


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