Aus zwei mach eins – Zertrennlich

Von Buecherchaos @FranziskaHuhnke

Zertrennlich

Saskia Sarginson

Script5, 2014

978-3839001523

18,95 €

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Viola und Isolte waren ihr Leben unzertrennlich, aber was kam schlussendlich dazwischen? Zwischen welchen Kiefernwäldern haben sie sich verloren? Und ab wann, war sich in die Augen schauen so schwer? Viola kämpft mit sich und der Welt und Isolte, um ihre Schwester … oder etwa nicht? 

Isolte ist eine, für ihre Begriffe, im Leben stehende Frau. Der Leser merkt aber, dass sie nicht zufrieden ist und auch ihre Schwester vermisst. Sie erzählt zwar viel und hat auch hin und wieder Ausbrüche, aber sie bleibt stumpf. Nur so kann ich mir erklären, dass ich keinen Zugang zu ihr finde und sogar ein bisschen verstehe, dass die Zwillinge Probleme miteinander haben. Sie wirkt verhärmt und kann viele Dinge nicht hinnehmen, die sie in ihrem Leben hat.

Viola hingegen denkt die ganze Zeit, dass sie nichts hat und niemand sie will. Das ist deprimierend und so wirkt ihr gesamter Charakter. Dieser hat mich aber wirklich betroffen gemacht und ich habe lieber ihre Abschnitte gelesen. Sie hat mehr nachgedacht und mich teilhaben lassen.

Die Mädchen müssen ein paar Mal umziehen und so wechselt die Kulisse. Ich mag es, wenn die beiden durch den Wald streifen und Freunde finden. Aber das neue Leben von Isolte finde ich sehr laut und anonym, während Violas Kulisse sehr, sehr traurig ist.

Dieses Buch sprang mir ins Auge, weil ich das Cover sehr mochte. Die Leserunde wollte ich unbedingt mitmachen und ich bekam auch ein Exemplar. Was dann folgte, war ein dunkler Trip in die Vergangenheit von Isolte und Viola. Mal hat er mir gefallen und mal nicht. Immer wieder schwankte ich zwischen einem gewissen Grusel, der aber nicht beschreibbar ist und einer Frage: Wohin soll es gehen?

Es geht nur um die beiden Schwestern. Da ist nicht noch ein großes Geheimnis, der Leser konzentriert sich auf die schwierige Beziehung der Zwillinge. Wer denkt nicht, dass solche Paare eine besondere Beziehung haben? Wer hat noch keine Zwillinge gesehen und sich gefragt: Wie halten die Eltern sie auseinander?

Das sind nur die herkömmlichen Probleme mit denen die Zwillinge im Kindesalter zu tun haben. Da wären noch die Mutter, die eher keine ist, denn sie lebte zuerst mit ihren Kindern in einer Kommune. Ich schüttele oft den Kopf, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass es so richtig ist Mutter zu sein. Aber auch im wahren Leben soll man nie urteilen und ich kann es noch viel weniger, habe ich doch selbst kein Kind.

Aber irgendetwas stimmt da nicht. Unterschwellig baut sich ein dunkler Ton auf, ein Schatten, der die ganze Geschichte sehr düster und traurig wirken lässt. Es ist manchmal schwer dabei zu bleiben, denn trotz des Untertons bleibt Isolte sehr leblos. Sie berührt mich nicht. Es ist eher Viola mit ihren dunklen Gedanken und ihren innerlichen Kämpfen, der ich gerne zuhöre.

Viola scheint die schwächere von beiden zu sein, denn auch das ist ein Vorteil: das der stärke Zwilling zuerst kommt und immer der stärkere bleibt. Die Zwillingsbeziehung wird von allen Seiten beleuchtet, nichts bleibt verborgen. Wirklich nichts? 

Es hat “Klick” beim Cover gemacht. Irgendwie mag ich die Zeichnung und die klare Darstellung der Zwillinge in Weiß. Außerdem sitzen sie am Wasser, auch immer mal wieder ein kleiner Pluspunkt.

Ich vergebe drei Bücherpunkte. Die Geschichte hat wirklich ein besonderes Schwesternpaar im Fokus. Aber vor allem bei Isolte hat es mir an Gefühl gefehlt, obwohl diese den Dreh- und Angelpunkt des ganzen Romans bilden. Die Düsternis und Schwere der Gedanken konnte mich nur auf Seiten von Viola mitreißen. Außerdem finde ich das Ende etwas seicht und sehr offen. Damit kann ich bei so einem traurigen Buch immer sehr schlecht leben.