Auf Tote darf man nicht sauer sein

Vor ein paar Tagen saß ich bei einer Psychiaterin. Für diejenigen von Euch, die sich nicht mit Psychokram auskennen: Das sind Ärzt*innen, die sich um Medikamente usw. kümmern. Also alle messbaren Sachen. Psycholog*innen und Therapeut*innen sind diejenigen, die den aktiveren Heilungsteil übernehmen, reden und so.

Ich saß bei dieser Ärztin, um den Prozess für meine ADS-Diagnostik anzustoßen. Das will ich schon seit 2015, ungefähr. Und sie? War nicht überzeugt. Gut, ich weiß nicht ob andere Menschen auch so gut im Aufschieben sind, dass sie 5 Jahre brauchen um einen Arzttermin zu machen, aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.

So fragte mich diese Ärztin:

“Wie kommen Sie denn darauf?”

und ich sagte, meine ehemalige Therapeutin hätte gesagt, sie hätte den Verdacht.
Warum, welche Gründe hatte sie? Woher soll ich das wissen! Seitdem habe ich geheiratet, 3 Kinderwunschbehandlungen und eine traumatische Geburt erlebt und manage einen Familienalltag mit einem sehr lebhaften Kind. So, unter anderem.

Ich könnte ja den Bericht anfordern. Therapeut*innen schreiben immer Berichte, damit die Kasse zahlt. Nun denn. Ich schrieb meiner Therapeutin und rief alle Nummern an, die ich online von Ihr finden konnte. Kein Anschluss unter diesen Nummern. Schon damals, 2016, zum Ende meiner Therapie, habe ich keine Antworten mehr auf meine Mails bekommen.

Tina war ziemlich weird. Ich glaube, sie hatte selber ADS und ne gestörte Beziehung zu ihrer Mutter. Bei ihr durfte man rauchen, ich denke weil sie selber so gern rauchte. Sie war distanzlos und zerstreut. Dass sie einfach verschwand, wunderte mich überhaupt nicht. Trotzdem, ich brauche meinen Bericht, und sauer bin ich auch. Einfach so verschwinden. Frechheit!

Ich saß also am heutigen Montag morgen an meinem Schreibtisch statt mit meiner Erkältung im Bett zu liegen, und telefonierte mit der Therapeutenkammer, der Ärztekammer, versuchte herauszufinden wo zur Hölle sie hin ist.

Und dann sagte die Frau am Telefon:

“Ja, das tut mir leid, da brauche ich nicht nachsehen. Die ist letztes Jahr verstorben. “

Äh.

Das ist jetzt gerade zu viel. Ich sage auch,
“entschuldigen Sie bitte, da muss ich einmal kurz ankommen.”
Mir rennen tausend Gedanken durch den Kopf. Bilder von Tina, wie sie von ihrem Freund erzählt und lacht. Gedanken an J., der ich das jetzt sagen muss. Damals, als ich ein Bild von Tinas Tisch postete und J. schrieb “haha wir haben die gleiche Therapeutin”, und die ich fragte, ob sie weiß wo sie ist, und jetzt muss ich ihr sagen, dass sie tot ist.

Ich kann mit Trauer nicht gut umgehen. Ich werde wütend.
Bis heute kann ich Flix nicht verzeihen, dass er 10 Tage nach der Geburt des Kindes einfach gestorben ist. Und der war “nur” ne Katze.
Die beste Katze. Lasst das nicht Leo hören.


Nun bin ich also nicht mehr sauer weil ich sie verschwunden ist, sondern weil sie verstorben ist. Wie kann das sein?
Und dieses System!
Wenn ein*e Therapeut*in verstirbt, müssen die Akten entweder von der Person die den Kassensitz übernimmt gelagert werden oder von den Erb*innen. Was zu Hölle? Wie findet man die?

Ich weiß es immer noch nicht.

Was bleibt, ist die Frage: Darf man auf Leute sauer sein, weil sie sterben? Ich finde: ja.

Hätte Tina bestimmt auch so gesehen.


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