Auf der Reeperbahn nachts …

Von Bentschneider

sind heute nur noch Partygänger unterwegs!

Der Niedergang oder besser der Wandel der Amüsierviertel von Hamburg (Reeperbahn) und Bremen (Die Küste) begann Anfang der 1970iger. Ich meine jetzt nicht wegen der Luden (Zuhälter) und Co., sondern bedingt durch die Einführung der bargeldlosen Zahlung der Heuer an die Seeleute.
Vorher gab es die Lohntüte, da hatte der Seemann das Geld direkt in Händen, die Liegezeiten der Schiffe wurde genutzt und das hart verdiente Geld für Bier, Schnaps und leichte Mädels „auf den Kopp“ gehauen.

So war die Hochzeit der Küste die 50iger bis 60iger Jahre, knapp 35 Lokale und Tanzbars buhlten um die Seefahrer, heute sind nur noch eine Handvoll übrig geblieben. Ganz interessant hierzu auch das bereits in 3. Auflage 2014 erschienene Buch »Die Taschen waren voller Geld«: Hafen- und Rotlichtgeschichten von der Bremer »Küste« von Frauke Wilhelm.

Seit es 1968 ein weltweit geltendes Maß der Blechkisten ähh Container gibt (falls Sie mal bei G. Jauch auf dem Stuhl sitzen: 6,06 Meter lang, 2,44 Meter breit und 2,59 Meter hoch, das Teil heißt 20-Fuß Container), haben sich auch die Liegezeiten der Schiffe im Hafen deutlich verkürzt.  Ja, es gibt immer noch Stauer im Hamburger Hafen, denn nicht alles kommt in Containern.

Heute ist der Bauer ja Landwirt, der Müllmann heißt Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft und das be- und entladen von Schiffen macht mittlerweise kein Stauer, sondern eine Fachkraft für Seehafenlogistik.

Doch zurück zu unseren Seefahrern: Während die sich einst Tage damit abrackerten ein Schiff leer zu bekommen, schafft es ein Kranbrückenfahrer im Hamburger Hafen innerhalb von 3 Minuten einen Container im Schiff zu greifen, rauszuholen und an Land wieder abzusetzen. Mit anderen Worten: Nach knapp 24 Stunden ist der dicke Pott komplett entladen, betankt etc. und sticht wieder in See. Zeit ist Geld, der Liegeplatz kostet, das entladen auch und nur auf See verdient die Reederei…

Sie müssen sich nur mal anschauen was an einem normalen Wochentag so an großen Pötten im Hamburger Hafen liegt:

Der Pott läuft morgens um 10 Uhr ein, da geht man nicht auf den Kiez einen heben, sondern erst ab 20 Uhr. Tja, da haste dann Zeit für maximal ein, zwei Bie und ’nen Kurzen, denn um 23 Uhr sind spätestens alle wieder an Bord, dann kurz ins Bett und um 8 Uhr früh heißt es „fertig machen zum Auslaufen“

Adieu Seefahrerromantik und „ich habe im jeden Hafen eine Braut“.

Ihre Hamburger Deern

Andrea Bentschneider

Bild: Screenshot von https://www.hafen-hamburg.de/de/hafenplan