Auf den ersten Blick

Heute: Der verluderte Typ mit dem Goldkettchen, Vladimir Putin

Auf den ersten Blick

Quelle: Handelsblatt

Es war ja nie so, dass man den russischen Präsidenten stets ausschließlich als »seriösen Politiker« bebilderte. Er war aber auch selbst schuld daran. Schließlich posierte er ja nicht widerwillig mit all den Kameras, die auf ihn gerichtet waren. Sicherlich hätte sich auch mancher Ausritt ohne Journalisten einrichten lassen. Nun gut, die Bilder sind halt in der Welt. Und nicht nur das Internet verzeiht nichts - auch die Hände, die in Schubladen greifen, in denen Redaktionen solche Fotos parken, sind nicht sehr vergesslich. Bislang hat man meist eher polemische Texte mit diesen Fotos geschmückt. Oder Artikel, die vielleicht des Herrn Probleme mit Schwulen aufgriffen. Dass man jetzt aber Texte, die vor Kriegsbereitschaft und Entschlossenheit nur so geifern, mit solchen Bildern ausstattet, ist nicht einfach nur geschmacklos, sondern will eine Botschaft sein.

Auf den ersten Blick

Quelle: FAZ

Fleischhauer nannte Putin den »obersten Goldkettchenträger«. Und diese Bezeichnung zeigt ganz gut, was die Bilder suggerieren sollen. Es ist das Klischee des Russen, wie ihn die Menschen sich in Deutschland denken. Als Macker und Proleten, mit Gold behangen, ein Ost-Cowboy, der aus einem Land kommt, in dem es Kultur und Sitte nicht gibt. Der водка säuft und нет sagt und dabei vor Aufschneiderei nur so strotzt. Man will darstellen, dass diese Gestalt weniger Präsident als Türsteher ist, weniger Staatsmann als Zuhälterverschnitt. Die ernsten Texte zur Krim-Krise, die Putin so zeigen, wollen das Zwielichtige und Rotlichtige dieser Person betonen. Wir sollen es nicht mit einem Staatschef zu tun haben, will man bildlich aufmixen, sondern mit einem Kuppler, der erpresst und das Messer im Hosenbund trägt und bei dem man unwillkürlich an Mike Hansen denkt, jener Figur Olli Dittrichs, die er bei »RTL Samstag Nacht« erfand und die so sehr Gosse schwatzte, dass es schon wieder komisch war.

Auf den ersten Blick

Quelle: N24

Der in Bild gesetzte Lude soll zeigen, dass die pure Grobschlächtigkeit am Werk ist. Kein Politiker unter Politikern, sondern ein Schurke, wie er in jedem Puff oder an jedem Straßenstrich zu finden ist. Der verluderte Putin ist dabei natürlich nicht erst jetzt aufgetreten. Das Russland-Bild ist hierzulande schon viel länger von solchen Klischees behaftet. Früher glaubte man den Untermenschen im Russen zu erkennen, später verachtete man ihn, weil er neureiche Millionäre hervorbrachte, die aber irgendwie dumm, dreist und größenwahnsinnig sein sollen. Dass russische Zuhälterfiguren nun auch in Kitzbühl shoppen, berichteten Boulevardmagazine schon in den Neunzigerjahren und wirkten so mit am neuen Bild, das man »vom Russen« hatte. Putin ist jetzt der Herr dieser Gestalten. Und genau jetzt, da die Krim zur internationalen Frage wird, passt diese Wahrnehmung natürlich blendend ins Konzept. Gegen einen Zuhälter ist man vielleicht nicht gleich gewillt in einen Krieg zu ziehen, aber man kann sich so auf die eigene moralische Überlegenheit zurückziehen und die Kritik am Kurs westlicher Politik eindämmen.
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