Auf dem Schwabenweg in den Thurgau

Tag 11, Mittwoch 15.5.2013. Konstanz – Märstetten – Wilen

Heute kommt wieder Bewegung ins Projekt. Ein Paket mit Ausgemustertem wird am Postamt aufgegeben. Schnell noch ein paar Postkarten in den Briefkasten. Vor dem Konstanzer Münster das obligatorische Foto vor dem Wegweiser ¨Noch 2.340 km nach Santiago de Compostela¨, einen Stempel in den Pilgerpass und durchs historische Schnetztor aus der Altstadt. Schon passiere ich die Schweizer Grenze. Der Jakobsweg wird im Thurgau ¨Schwabenweg¨ genannt, denn die Strecke von Konstanz nach Einsiedeln war die Hauptstrecke für die Pilger aus dem Süddeutschen.

 

In Kreuzlingen führt mich der Weg an der Bühlermühle vorbei und steigt nun durch das Saubachtal aufwärts durch den Schlossbüeltobel bis zur Heiligkreuzkapelle in Bernrain, die schon 1388 erbaut wurde und auf eine interessante Geschichte zurückblickt.

Später treffe ich auf Festungsbauwerke und Panzersperren. Es ist ein Teil des sogenannten Kreuzlinger Festungsgürtels (www.festungsguertel.ch), der im Zweiten Weltkrieg angelegt wurde. Auf schönen Wegen und Sträßchen führt mich der Schwabenweg ins Land hinein. Vor dem Weiler Schwaderloh kann ich links hinten den weißen Neuschnee auf den eindrucksvollen blaugrauen Churfirsten blitzen sehen. In Ellighausen wirbt ein kleines Schild an einem Hof für das www.oil-of-emmental.ch

Hinter Lippoldswilen zweigt der Weg in den Wald und führt hinunter zu einem schönen Rastplatz am idyllischen Kemmenbach. Hier mache ich Pause. Selbst im schattigen Grün der Tannen und Buchen ist es noch recht schwül. 10 Kilometer habe ich schon hinter mich gebracht. Mein Handy, das ich als zum Navigieren benutze, macht mir mächtig Ärger: Alles was monatelang prima funktionierte scheint seit ein paar Tagen gestört zu sein. Der Bildschirm ¨friert ein¨, nichts geht mehr. Neustart. Ich werde doch wohl keinen Virus eingefangen haben? Auch hier hängen – fast schon allzu aufdringlich – Schilder einer Familie, die Pilgern Privatzimmer (für 40 Franken) anbietet. Später an der Strasse wartet ein Auto und die Frau am Steuer spricht mich ebenfalls auf dieses private Quartier an und drückt mir ein Zettelchen in die Hand. Nein, ich will nicht dermaßen penetrant beworben werden. Nein, ich habe schon ein Quartier in Aussicht. Ausgerechnet ¨Ultreja!¨ ruft sie mir zum Abschied nach.

Über die Weiler Riet und Wald führt mich der Schwabenweg Richtung Märstetten hinunter ins Tal der Thur, die ich vor Amlikon überquere. Wasser satt! In Amlikon am südlichen Ufer kehre ich an der Tankstelle ein und gönne mir eine Flasche Rivella für den Durst und einen Cappu für den Genuss. Vorbei an herrlichen, gut restaurierten Holzhäusern zieht sich der Weg Richtung Hünikon. Greifvögel kreisen wie Geier über ihrer Beute. Ich finde eine Bank für eine Rast und aktiviere das Handy für einen Kontakt mit meiner heutigen Gastgeberin. Erstmals habe ich www.couchsurfing.org genutzt, im private Quartiere entlang des Weges zu finden.

Auf Höhe von Tobel ist das Navi wieder einmal abgestürzt. Hier verlasse ich den Schwabenweg und treffe im Gasthaus Ochsen meine heutige Gastgeberin, DiDi Lüscher. Schon ist der Rucksack imKofferraum und die Fahrt geht über Wil nach Wilen/Rickenbach. Nach dem Duschen und Geld tanken gehen wir Abendessen in der Pizzeria unterhalb der Wiler Altstadt am See. Es gibt auf beiden Seiten eine Menge zu erzählen. Zum Beispiel ist DiDi Lüscher bei den www.WilerBaeretaze.ch, einer Fastnachts-Guggemusik-Gruppe. Sie hat jahrelang in Südafrika gelebt und spricht daher prima Englisch. Ein Verdauungsspaziergang durch die Wiler Altstadt beeindruckt mich sehr. Das ist ein absolut sehenswertes Städtchen.
Nachts träume ich von Rittern in alten Städten und von Antilopen in der afrikanischen Savanne…

 


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