Auf dem Jakobsweg Richtung Burgund

Auf dem Jakobsweg Richtung Burgund Mittwoch 30. Juli 2014.  Von Thann im Elsass nach Bellemagny.

Auf dem Jakobsweg Richtung BurgundAm Vortag bin ich in das kleine Städtchen Thann im Elsass angereist. Die Etappe von Ensisheim bis Thann habe ich damit quasi “übersprungen”. Die Straßen von Thann sind noch regennass.

Thann im Elsass. - Foto: Erich Kimmich

Ich schlendere in die Altstadt und bestaune die Stiftskirche Saint Thiébaut (Sankt Theobald). Das gotische Bauwerk kann mit Strasbourg und Freiburg im Breisgau mithalten. Schon im 14. Jahrhundert hat man mit dem Bau begonnen. Auf dem 18 Meter hohen Westportal sollen sich 500 Figuren befinden – ich habe sie nicht nachgezählt.

Stiftskirche St. Thiébaut in Thann. - Foto: Erich Kimmich

Stiftskirche St. Thiébaut in Thann. - Foto: Erich Kimmich     Stiftskirche St. Thiébaut in Thann. - Foto: Erich Kimmich

Stiftskirche St. Thiébaut in Thann. - Foto: Erich Kimmich   Stiftskirche St. Thiébaut in Thann. - Foto: Erich Kimmich

Tor der Stiftskirche St. Thiébaut in Thann.  - Foto: Erich Kimmich

Die Gîte d’ Etappe war bereits “complet”. Im familiengeführten Hotel de France – wo wir früher schon mal zu Gast waren – bin ich prima untergebracht, es ist ein Hotel zum Wohlfühlen. Der Patron, Monsieur Seltz,  kümmert sich rührend um das Wohl seiner Gäste. Ich beginne mit einer Quiche Lorraine und einem Glas lokalem Pinot gris de Rangen. Der anschließende Sommersalat heißt “Meer & Land” und vereint Jakobsmuscheln mit Gänseleberpastete, Krabben und Avocados. Dazu gibt es feinen Toast und einen elsässischen Riesling. Klar dass ich einen Café gourmand als Dessert bestelle. Essen wie Gott in Frankreich!

Hotel de France in Thann. - Foto: Erich Kimmich   Salat Meer & Land.  - Foto: Erich Kimmich   Thann, Hotel de France: Café gourmand.  - Foto: Erich Kimmich

Ausgeschlafen starte ich also in die erste Etappe meiner diesjährigen sommerlichen Jakobstour. Ich bin erst gegen 9 Uhr aufgewacht und bringe nun das Frühstück zügig hinter mich. Um zehn endlich bin ich auf dem “Chemin de Compostelle”. Die Luft ist dampfend-feucht. Der Weg steigt an. Das ergibt einen hübschen Blick zurück ins Tal der Thur und zum gotischen Turm der Stiftskirche. Violette Glockenblumen blühen am Wegrand. Über Roderen und Guewenheim zieht sich der Pilgerpfad Richtung Südwesten. Schöne Waldwege und Ausblicke hinunter auf die Rheinebene und hinauf zu den wolkenverhangenen Gipfeln der südlichen Vogesen wechseln sich ab. Die Waldwege sind noch vollgesogen von den Regenfällen der letzten Tage. In Guewenheim überquert der Weg den Fluss Doller und später die zu einer Fahrradroute umgebaute ehemalige Bahntrasse.

Wanderweg bei Thann. - Foto: Erich Kimmich   Ausblick auf die Rheinebene. - Foto: Erich Kimmich

Thann nach Bellemagny. - Foto: Erich Kimmich   Die Doller bei Guewenheim. - Foto: Erich Kimmich

Mitten im Wald überrascht die Kapelle von Notre-Dame de Bouleaux, wo Sitzbänke zur Pause einladen. Diese Pilgerkapelle wurde schon 1569 in einem Inventar der Abtei von Mausrmünster (Masevaux) zitiert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde sie wieder neu aufgebaut, nachdem die Statue der Heiligen Maria von einem Bauern nach 1648 in einem Feld gefunden wurde. Während der Französischen Revolution zerstört – aber wahrscheinlich einfach verfallen – wurde die Kapelle 1866 nochmals neu aufgebaut und 1868 eingeweiht.
Es ist 13 Uhr. Nach dem ersten Energieriegel folgen die Regentropfen. Schnell den Regenponcho übergezogen und eng an die Wand der Kapelle gedrückt erstmal das Gröbste abwarten. Leider ist die Kapelle – wie viele andere Kirchen – geschlossen. Die Diebstahlgefahr ist offenbar allzu groß. Es prasselt heftig. In kurzer Zeit steht alles ein paar Zentimeter unter Wasser.

Kapelle von Notre-Dame de Bouleaux. - Foto: Erich Kimmich   Jakobsweg unter Wasser. - Foto: Erich Kimmich

Dann gehe ich weiter; es hat sich gleichmäßig eingeregnet. Aus Wanderpfaden wurden kleine Bäche. Der Boden ist matschig und manchmal gefährlich rutschig. Der Weg überquert die N83 und die A36 bei Soppe-les-Bas. Eteimbes und Bretten heißen die folgenden kleinen Weiler.

Jakobsweg unter Wasser. - Foto: Erich Kimmich

Eigentlich wollte ich gleich bis Belfort wandern, doch ein weiterer starker Schauer gegen 16 Uhr lässt mich umplanen: Im kleinen Dörfchen Bellemagny frage ich im Benediktinerinnenkloster Saint Joseph nach einer Unterkunft. Das Dörfchen hat etwa 300 Einwohner, die Hälfte davon sind Schwestern, Bewohner des Altenheims und Behinderte. Ich werfe einen Blick in die Kirche und klopfe dann an der Klosterpforte. Nach Belfort wären es noch 22 km – das ist mir nun doch deutlich zu heftig.

Jakobsweg unter Wasser. - Foto: Erich Kimmich   Meine Klosterzelle in Bellemagny. - Foto: Erich Kimmich

Rasch bin ich in einem ruhigen kleinen Zimmer einquartiert, habe geduscht und treffe beim Abendessen um halb sieben Thomas aus Fichtenau, der in Thann zu einer 100 Tage dauernden Pilgertour aufgebrochen ist. Er ist Betriebsrat bei einem großen Automobilzulieferer. Mit seinen über hundert Kilo tut er sich als Pilger noch ein wenig schwer; für ihn ist die Pilgertour eine Chance, dem drohenden Burnout zu entkommen. Er will bis Santiago de Compostela kommen, ist sich seiner Sache aber noch nicht so ganz sicher. Thomas hat ein Seminar mit dem Buchautor Raimund Joos erlebt, das ihn auf den Jakobsweg vorbereitet hat.
Schon um 20.30 Uhr bin ich im Zimmer und komme mal richtig früh ins Bett!

Wetter: vormittags trocken, nachmittags Regen; 21°C      Tagesstrecke 19,08 km      Durchschnittstempo inkl. Pausen;  ohne Pausen: 6,05 km/h 3,31 km/h    Unterwegszeit 5:46     Summe Aufstiege.  Maximale Höhe 676 m 586 hm    Summe der Abstiege. Minimale Höhe 409 m 658 hm     Gesamt-Kilometer. 19,08 km.

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