Attraktivitäts-Offensive der Bundeswehr

So, die Bundesregierung hat beschlossen , 100 deutsche Soldaten in den Irak zu schicken – aber ein Kampfeinsatz wird das natürlich nicht. Hat Ursula von der Leyen doch ausdrücklich versichert, denn sonst wäre das ja illegal. Auch wenn für Deutschland eine große Gefahr von der “ungebremsten Ausweitung dieses menschenverachtenden Terrors” ausginge, wie die Bundes-Leyen dem Tagesspiegel gesagt hat. Deswegen habe Deutschland ein „hohes eigenes Interesse daran, dass der IS vor Ort gestoppt wird.“

Da werden 100 Ausbilder wohl kaum ausreichen, deren Bewaffnung für zum unmittelbaren Eigenschutz dienen soll. Immerhin hat die Bundeswehr aber schon Waffen an die kurdischen Peschmerga geliefert und ihnen auch gezeigt, wie man sie benutzt. Und, tja, man will sich nicht so gern daran erinnern – aber die durchgeknallten Gotteskrieger vom IS, die nun mit allen Mitteln aufgehalten werden müssen, haben zumindest einen Teil ihrer Waffen auch vom Westen gekriegt, damals, als sie noch die Guten waren, die man im Kampf gegen den in Ungnade gefallenen Assad unterstützen wollte. Und wen interessiert jetzt eigentlich noch, dass die kurdische Arbeiterpartei PKK in Deutschland verboten ist?! Die braucht man jetzt im Kampf gegen den Terror. Vor allem aber bräuchte man mehr Freiwillige für die Bundeswehr.

Heute wurde übrigens in der General -Dr.-Speidel-Kaserne in Bruchsal der erste Info-Punkt der Bundeswehr eröffnet – das ist ein Teil der aktuellen Attraktivitäts-Offensive der Bundeswehr. Es gibt nämlich auch eine Agenda “Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders.”, mit der die Arbeitsbedingungen in der Bundeswehr verbessert werden sollen, damit sich wieder mehr Leute finden, die auf einen Job stehen, bei dem Töten und Sterben einfach dazu gehört.

Ganz oben auf der Agenda stehen nämlich nicht mehr die zu früheren Zeiten übliche Garantie, dass Bundeswehrsoldaten nicht zum Kämpfen und Sterben ins Ausland geschickt werden, weil die Bundeswehr ja ganz ausdrücklich nur zur Verteidigung auf deutschem Boden diente – sondern moderne Arbeitszeitmodelle, Maßnahmen, die zu weniger Versetzungen und einer besseren Karriereplanung führen sollen, Angebote für eine flexible Kinderbetreuung, der Aufbau eines bundeswehrinternen Binnenarbeitsmarktes und moderne Unterkünfte für die Truppe. Nur frage ich mich, warum ausgerechnet karrieregeile Eltern die Reihen füllen sollen – finden sich unter den zehntausenden PEGIDA-Sympathisanten nicht auch ein paar alleinstehende Kinderlose, die das Abendland mit der Waffe in der Hand im Morgenland gegen den Ansturm des Islam verteidigen möchten? Nur so als Idee – dann hätte man die Idioten wenigstens von der Straße weg.

Wo wir schon mal dabei sind: Ich finde nicht, dass man auf Pegida zugehen sollte und ich sehe auch nicht, dass die Pegida-Bewegung von Neonazis und Rassisten “missbraucht” würde. Wer mit Pegida sympathisiert, ist halt Nazi und Rassist: Europa ist super, solang die anderen Europäer in ihren Ländern bleiben und man da mal Urlaub machen kann. Und wer von noch weiter weg kommt, soll gefälligst bleiben wo er ist. Ich finde es schrecklich, furchtbar und beschämend, dass nicht Zehntausende auf die Straße gehen, weil noch immer zig Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken, sondern die selbsterklärten europäischen Patrioten ganz im Gegenteil kaltherzig fordern, dass man sie mit dem Elend in der Welt doch bitte schön in Ruhe lässt. Insofern hat die fremdenfeindliche Propaganda der Bundesregierung ganz hervorragend funktioniert, auch wenn das der Politik derzeit ein bisschen peinlich ist, weil die ausländische Presse die Vorgänge in Dresden erfrischend zutreffend beschreibt.

Aber wenn der unser oberster Freiheitskämpfer Gauck auch weiterhin für die imperialistische Außenpolitik unserer Regierung wirbt, äh, ich meine natürlich dafür, dass Deutschland im Kampf um Freiheit und Demokratie weltweit mehr Verantwortung übernehmen muss, können sich nicht nur die deutschen Rüstungsbetriebe die Hände reiben, denn am Krieg verdienen Kapitalisten immer. Irgendwann wird das blöde Volk schon einsehen, dass Krieg endlich wieder eine Option ist.



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