Arbeit und Bewerbung: Könnte so die Zukunft der Arbeitswelt aussehen ? Die Firmen "betteln" um Sie ? Ja Sie !

Die Arbeitswelt der Zukunft könnte so aussehen: Firmen bewerben sich bei Mitarbeitern. Personaler blättern eifrig die Arbeitskraft-Ausschreibungen von Fachkräften durch und verschicken Firmen-Bewerbungsunterlagen. Schon im Anschreiben erklären sie, was ihr Unternehmen attraktiv für Beschäftigte macht: individuelle Fortbildungen, frei wählbare Arbeitszeiten und Führungskräfte, die ihr Handwerk gelernt haben und sich als Diener der Fachkräfte sehen.

Jeder Bewerbung liegt ein Firmen-Lebenslauf bei. Dort legen die Unternehmen dar, wann und unter welchen Umständen sie geboren wurden (Gründung), welches ihre Entwicklungsschritte waren und wie sie sich auf das neue Zeitalter eingestellt haben. Das Zeitalter, in dem Firmen nicht mehr nur um Kunden, sondern um Mitarbeiter buhlen. Das Zeitalter, in dem Personaler durchs ganze Land reisen, um sich in Vorträgen und Vorstellungsgesprächen bei den potenziellen Mitarbeitern zu bewerben.
Jede schriftliche Bewerbung bei Arbeitnehmern, auf Ausschreibungen und auch initiativ, ist mit Zeugnissen und Zertifikaten gespickt. Die "Stiftung Firmentest" benotet die Unternehmen in "Mitarbeiterfreundlichkeit", in "Führungsstil", in "Arbeitsplatzgestaltung" und in "Zukunftsfähigkeit". Ebenso liegen die Referenzen ehemaliger Mitarbeiter bei.
Jeder Beschäftigte kann wählen, wie viel (teils unbezahlten) Urlaub er im Jahr möchte, ob 30 oder 60 oder 150 Tage. Die Firmen halten für die Arbeit aus dem Homeoffice Dienstwohnungen rund um den Globus parat. Wer seinen Job auf einer Südsee-Insel erledigen will, ist als begehrte Fachkraft herzlich dazu eingeladen.
Und in den Vorstellungsgesprächen fühlen die Bewerber den Firmen auf den Zahn: "Wo sehen Sie Ihre Mitarbeiter-Freundlichkeit in fünf Jahren?", "Welches sind die größten Schwächen Ihrer Firma?", "Wie kommt es zu der Lücke in Ihrem Firmen-Lebenslauf zwischen 2001 und 2002?" Und vor allem: "Warum soll ich gerade in Ihrer Firma anfangen?"
Wann dieses Zeitalter beginnt, fragen Sie? Es hat schon begonnen! Viele Firmen haben es nur noch nicht bemerkt. Sie schauen nach hinten, auf den Bewerber als Bittsteller – statt sich, wie Salvador Dalí, an die Zukunft zu erinnern. Die moderne Firma muss Mitarbeiter umwerben und gewinnen. Gelingt das nicht, gehört eine Firma in Zeiten des Fachkräftemangels bald der Vergangenheit an.

So weit, so gut. Und jetzt zur augenblicklichen Realität:

Wenn die Hölle zufriert.
Der durchschnittliche Personaler sieht einen Bewerber als Bittsteller und sicher nicht als Menschen, der sich auf Augenhöhe befindet.
Jemanden eine Arbeit zu "geben" wird als Gnade verstanden und der sog. Fachkräftemangel ist eine sehr durchsichtige Lüge.
Wenn es einen Fachkräftemangel geben würde, dann würden die Löhne steigen. Steigen die Löhne? Na also.
Tucholsky: "Eine der schauerlichsten Folgen der Arbeitslosigkeit ist wohl die, dass Arbeit als Gnade vergeben wird. Es ist wie im Kriege: Wer die Butter hat, wird frech."
Nur weil die Arbeitslosenstatistik frisiert wird, heißt das nicht, es gäbe keine nennenswerte Arbeitslosigkeit mehr!
Die Produktivität fängt jeden Bevölkerungsrückgang locker auf. Vollbeschäftigung war einmal.....
Arbeit
Quelle Zeit Online 


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