Apropos Tradition …

Erstellt am 1. Januar 2012 von Andramas

Inzwischen treffen sich mein Kumpel und ich in unregelmäßigen Abständen zwar, aber doch immer wieder in der selben Kneipe. Zum Quatschen.

Tage vorher rief er an, geriet an Lenchen:

“..und sage ihm bitte: Am 1. Januar, 11:00 Uhr, am Alex, Aufnbier.”

“Aufnbier” interpretierte sie entsprechend ukrainischer Lesart. Lieferte mir einen dementsprechenden Kommentar:

“Wie (leichtgläubig|vertrauensselig) Ihr Deutschen doch seid: Ein Ukrainer würde nie, sollte er sich anschicken, Alkohol zu trinken, einer oder seiner Ehefrau den genauen Ort und den Zeitpunkt verraten.”

Ja. Klar.

Aber zwei Ukrainer könnten auch nicht Aufnbier zusammensitzen. Die gehen nämlich erst dann auseinander, wenn eine Flasche Wodka leer. Oder Gorilka, je nachdem, ob man sich östlich oder westlich vom Dnipro trifft. Deutsche dagegen bestellen sich jeweils nur ein Bier nach dem anderen, reden sich aus sich heraus, oft sogar aneinander vorbei.

Jede Menge Autos hat er verkauft, im Dezember, und wenn er Glück hat, geht das im Januar so weiter, vielleicht sogar bis in den späten Februar hinein. …

Glück?

You look at any giant corporation, and I meen the biggies, and they all started with a guy with an idea, doing it well. (Irvine Robbins)

Fiel mir einfach so ein und so erzählte ich ihm von der letzten Migrantenkonferenz, da ein kleiner Bürger aus Bangladesch auftrat, der einst nach London migrierte, dort einen Gebrauchtwarenhandel installierte, via Internet und allein durch seine Webseite zum Marktführer geriet.

“Mehr als 140 Fotos von jedem Wagen, jedes Detail, im Netz unauffällig in Szene gesetzt. Die Investition zunächst nicht in eine Werkstatt oder Garage, sondern in ein Fotolabor. Hübscher Hintergrund. Natürlich – ich habe sie mir angeguckt – ist die Website übersichtlich …”

“Internet? –> Nee! Die Leute wollen gucken, gegen Reifen treten, Türen bumsen – dann koofense och.”

“Bevor sie kommen um zu bumsen, haben sie sich doch bereits a bissel entschieden. Und bei Mobile-de kann man nur über den Preis gewinnen, der jede Marge verringert – doch bei besagtem Bangladeschi kauft man auch Geborgenheit.”

Daraufhin wollte er wissen, wie viele Autos ich bereits verkauft habe – Das war der Joker!

Wie bei Mau-Mau wechselte das Spiel von da an schlagartig die Farbe. Okay. Also Weihnachten, “Holiday on Ice”, Freudentränen beim Schenken standen sich Baumarktgutscheinen gegenüber, dann war auch schon im Wesentlichen alles gesagt.

Wir zahlten und gingen auseinander.

Zu Hause angekommen, staunte meine Frau:

“Du bist ja nüchtern?! Habt Ihr Euch etwa gestritten?”

Ja und nein.


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