Angenommen. Frühmorgendliche Diskussion über Adoptionsverfahren.

Von Berit Andersen

“Mama, kann ich dich mal was fragen?”

“Hmja.” (zieht Chorpax aus den Gehörgängen)

“Aber nicht lachen!”

“Versprochen!”

“Mama, wenn ihr mich angenommen hättet als Baby, hättet ihr mir das schon gesagt?”

Mutter, plötzlich hellwach: “Ja, sicher. Das muss man Kindern sofort sagen.”

“Mama, wie kommt das eigentlich, dass Kinder angenommen werden?”

“Naja, da gibt es Familien, die würden gern ein Kind adoptieren und es gibt Frauen, die können oder wollen ihr Kind nicht behalten, wollen aber, dass es ihm gut geht.”

“Mama? Wer bestimmt eigentlich, wer so ein Kind bekommt?”

“Das Jugendamt. Da kann man sich melden, wenn man ein Kind adoptieren möchte, und dann muss man ganz viele Fragen beantworten, weil das Jugendamt wissen will, ob man auch gut für das Kind sorgen kann.”

“Was fragen die denn?”

“Naja, warum man ein Kind adoptieren will, und ob man Platz hat und ob man selber gesund ist …”

“Mama? Warum setzten einige Frauen ihr Kind aus? Die könnten das doch auch zum Jugendamt geben?”

“Hm, zum Beispiel, weil die Frau noch ganz jung ist oder weil sie Angst hat, wenn sie das Kind behält, zum Beispiel, wenn sie noch bei ihren Eltern wohnt und die ihr nicht helfen und niemand darf merken, dass sie ein Baby bekommt.”

“Mama, aber dann ist die doch schon erwachsen?”

“Nicht unbedingt. Frauen können schon ein Baby bekommen, da sind sie selber noch Mädchen.”

“E-echt?”

“Ja. Und leider helfen nicht alle Eltern ihren Kindern. Aber deine Oma zum Beispiel, die hat immer gesagt: ‘Kind, wenn du schwanger wirst, dann kommst du zu mir, wir kriegen das schon hin!’ Deine Oma hätte mir geholfen, aber nicht alle Mütter sind so.”

Ich frage mich nicht, warum das Kind sich im Unterricht langweilt …


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