An Herzinfarkt gestorben – niemand half

Vor einiger Zeit, am 26. Dezember 2014, ist ein 58-jähriger Mann in einer U-Bahn Station in Wien gestorben. Passanten, die an ihm vorbeigegangen sind, haben jedoch nichts unternommen. Auch die Stationsaufsicht hat den Kontrollgang geschwänzt, weswegen diese gekündigt worden ist. Einige Zeit später, stellte es sich heraus, dass dieser Mann obdachlos war und eine Alkoholvergiftung hatte und an dieser im Aufzug gestorben ist. Einige Passanten benutzten um diesen Zeitraum angeblich den Fahrstuhl, während der Mann in dem Aufzug gelegen hat. Hätte dieser Hilfe bekommen, könnte er heute noch leben. So die Kurzzusammenfassung eines tragischen Vorfalles.

Etliche Medien haben darüber berichtet und vor allem auf Facebook habe ich mir die Kommentare zu diesem Vorfall angesehen. Sehr viele haben von sich behauptet, sie würden erste Hilfe leisten, die Rettung rufen oder irgendetwas tun. Klar, das würde ich jetzt auch von mir behaupten, nachdem es passiert ist und ich nicht dabei war. Ich frage mich aber ganz ernsthaft, ob ich denn tatsächlich helfen würde?

Abgesehen einmal davon, dass es heißt, der Verstorbene wäre ein “Sandler” (Obdachloser) gewesen, so glaube ich nicht, dass ich etwas getan hätte. Klar, ich hätte blöd geschaut, weil da ein Mann am Boden liegt (zugegeben: es kommt immer darauf an, WIE jemand am Boden liegt), aber wenn ich dort dabei gewesen wäre, bin ich mir nicht so sicher, ob ich zu einem Notfallschalter gegangen wäre oder nicht. Immerhin hätte es ja auch nur ein Betrunkener sein können (was nach den Feiertagen auch nicht verwunderlich gewesen wäre) und auf die wird in Wien besonders wenig geachtet, weil Betrunkene gerne einen aggressiven Umgang pflegen und wer hat schon Lust, sich auf eine solche Situation einzulassen?

Ich bezeichne die Kommentare deswegen schon fast als “Shitstorm”. Solche wie “Ich hätte geholfen”, “man hätte den Notruf betätigen sollen”, “was ist so schwer die Notrufnummer 144 zu rufen?” … Was soll ich dazu sagen? Klar, ich denke mir das selbe, jetzt wo ich hinter einem Bildschirm sitze – da bekommt man die Klappe besonders weit auf und spuckt groß Töne, aber ich glaube, dass diejenigen, die das von sich behaupten, genauso an dem Mann vorbeigegangen wären. Ich würde nicht einmal behaupten, dass man sich vor der Verantwortung drücken möchte, denn ich bin mir sicher, dass solche Menschen ganz bestimmt helfen wollen, aber ich persönlich wäre vermutlich aus Selbstschutz weitergegangen. Nicht, dass ich vor der Polizei oder der Rettung Angst hätte, ich hätte ja helfen wollen und habe nichts verbrochen, nur was ist, wenn dieser Mann jemand ist, der handgreiflich wird? Ich könnte mich nicht verteidigen und hätte Angst, große Wunden etc. zu bekommen. Und wahrscheinlich hätte man mir dann genauso wenig geholfen.

Für mich ist das eine besonders schwierige Situation, denn wie ein Mensch reagiert, wenn er tatsächlich einmal vor so eine Situation steht, kann man nie wissen. Es ist traurig für den Mann, dass er gestorben ist, ohne dass ihm jemand geholfen hat, aber leider kann man es nicht mehr ändern, weswegen man nur noch hoffen kann, dass er seinen Frieden gefunden hat. Den Bericht könnt ihr übrigens hier nachlesen.

Was denkt ihr denn über dieses Thema? Habt ihr schon einmal jemanden geholfen, der offensichtlich wirklich in Not war? Wie würdet ihr auf eine solche Situation reagieren?


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