An einem Wendepunkt: Rückblick nach vorn…

Ein neues Jahr ist angebrochen und eigentlich hat mir das nie sonderlich viel bedeutet. Klar, war irgendwie nett, mit Freunden oder Familie zu feiern, aber was feiert man denn? Dass man sich schon wieder einen neuen Kalender zulegen muss und dabei jedes Jahr mehr Entscheidungsschwierigkeiten hat, weil das Angebot die Nachfrage längst übersteigt? Positiver betrachtet: Das Leben geht weiter und das ist gut so.

Geht weiter. Das ist das, was mich dieses Jahr zum Nachdenken gebracht hat. Was geht denn weiter? Eigentlich ist alles so neu als wäre ich gerade eingeschult worden. Nur dass heute keine_r mehr alles für mich organisiert und ich mich einfach vertrauensvoll hineinstürzen kann. Oder doch? Naja, tatsächlich “doch”, nur tue ich mir als Erwachsene etwas schwerer damit einfach vertrauensvoll zu stürzen.

Ich blicke zurück und sehe mich vor zwei Jahren: Mitten im Studienabschluss, einigermaßen zuversichtlich, wenn auch gestresst. Mit einem Mann, mit dem ich ein einigermaßen eingespieltes Team bildete und zwischen der ganzen Arbeit auch ein bisschen Spaß hatte. Mit einem Nebenjob im Personalwesen, wo es gut lief und wo ich auch nach dem Studium arbeiten wollte. Alles klar soweit.

Ein dreiviertel Jahr später liegt die Welt für mich in Scherben. Ich ging nach Frankreich in der Hoffnung mich dort endlich wieder frei zu fühlen und gestärkt heimzukehren, heim in eine noch zu rettende Ehe, heim an einen Ort, den ich noch nicht kannte.

Die Zeit in Frankreich war tatsächlich befreiend. Das Leben bestehend nur aus Arbeit mit meinen beiden Händen, langen Wanderungen, fast zwei Monate allein reisen und dabei die wunderbarsten Menschen treffen. Und erst lange später wurde mir bewusst, dass ich in Frankreich zum 1. Mal seit sehr langer Zeit das Gefängnis meiner Gedanken verlassen hatte. Dass ich wieder zu mir kam und mir bewusst wurde, was ich vom Leben wollte und was ich bereit war zu geben. Ich trage stets Fotos aus dieser Zeit bei mir und wenn ich sie ansehe, dann erinnere ich mich und schöpfe neue Kraft.

Und heute? Heute bin ich Flüchtlingssozialarbeiterin in einem gemütlichen ländlichen Landkreis voller Fachwerkstädtchen und voller wundervoller Menschen mit ihren ganz besonderen Geschichten (und damit meine ich nicht nur die geflüchteten Menschen). Ich lebe mit einem anderen Mann als früher und lerne, dass ich mir auch in einer Partnerschaft treu sein darf, dass ich frei sein darf und meine Freude daran geteilt wird. Ich erinnere mich schöner Zeiten mit demjenigen, mit dem ich lange Jahre mein Leben teilte, sehe auch, wie wir uns beide verletzt und missverstanden haben, bemühe mich zu lernen und wünsche ihm von Herzen alles Gute. Alles hat sich geändert. Mein Wohnort, mein Partner, meine beruflichen Ziele, meine persönlichen Ziele, mein Vertrauen in einen größeren Plan und mein Bewusstsein dafür, dass ich ihn nicht kenne und vielleicht nie kennen werde. Nur Gott ist noch da. Und meine beiden Kater. Ein beruhigendes Stück Beständigkeit.

Ich lebe immernoch im Chaos. Aber ich habe das Gefühl, dass es sich langsam ordnet. Dass ich wieder stärker werde. Dass es in die richtige Richtung geht. Und es fühlt sich echt an, echt und gut, alles, was ich tue. Ich habe erfahren, dass es richtig ist, was ich schon immer gern gesagt habe: Bei mir selbst anfangen ist der erste Schritt. Meinen Job gut machen, mir Zeit für meine Partnerschaft nehmen, meine Gemeinde unterstützen, auf meine Freunde zugehen und sie wieder in mein Leben einladen. Stück für Stück.

Ich kann und will nicht versprechen, dass ich wieder regelmäßig blogge. So wie früher, mit ernsthaften Themen und reflektierten Beiträgen. Das wäre mir wichtig, aber anderes ist mir noch wichtiger. Nicht nur zu bloggen, sondern mich über Themen, die mich bewegen, in Gesprächen mit echten Menschen auszutauschen. Aber von Zeit zu Zeit komme ich sicher wieder mal hier vorbei und gebe meinen Senf dazu.

Bis zum Wiederlesen wünsche ich euch einen Wendepunkt, dort, wo er euch guttut, auch wenn das vielleicht nicht immer gleich ersichtlich ist. Und ich wünsche euch, dass ihr nach dem Wendepunkt zurückschaut und euch sagt: “Ich würde es genauso wieder machen. Diese Erfahrungen taten mir gut”. Und dann weitergeht. Mit zuversichtlichem, neugierigem Blick nach vorn und dem Wissen, euch jetzt wieder ein bisschen besser zu kennen.



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