Amerika, wo willst Du hin? - "Amerikanisches Idyll" von Ewan McGregor

AB 17.11 IM KINO! ©Tobis


Die Filterblasse ist geplatzt. Diesen Satz durfte man in den letzten Monaten, aber vor allem in der letzten Woche, überall lesen. Trumps Siegeszug sorgte auf Seiten der Liberalen und Linken für kollektive Schockstarre, denn niemand hatte es für möglich gehalten. Rassismus und Sexismus, Populismus und Lügen, doch auch die Unfähigkeit zum Diskurs auf beiden Seiten sorgten dafür. Man umgab sich mit Gleichgesinnten und konnte sich nicht vorstellen, dass der Rest der Welt anders dachte. Tja, Brexit und Trump haben diesen Gedanken ad acta gelegt. „Amerikanisches Idyll“ – das Regiedebüt von Ewan McGregor – kommt deshalb genau zur richtigen Zeit.
McGregors Chronik eines entzweiten Amerikas spielt zwar die meiste Zeit in der Vergangenheit, die Themen sind jedoch so aktuell wie nie. Die Romanverfilmung weist unangenehme Parallelen zur heutigen Zeit auf, denen man sich kaum verschließen kann. Im Zentrum der Geschichte steht der „Schwede“ (Ewan McGregor), ein Vorzeigeamerikaner der gehobenen Mittelklasse. Star der Footballmannschaft, seine Frau eine Schönheitskönigin, der Erbe einer mittelständischen Firma. Das Leben meint es gut mit ihm und seiner Familie. Sie haben es sich im amerikanischen Traum bequem gemacht und auch wenn sie nicht alles, was die Regierung propagiert gutheißen, so leben sie in einer ruhigen Vorstadt, fernab von Querelen und Unstimmigkeiten.
Doch was tun, wenn diese Idylle Risse bekommt? Wenn die eigene Familie an außen- und innenpolitischen Problemen zerbricht? Inmitten all der perfekten Sets und gestriegelten Anzüge schleicht sich eine Unruhe ein, die erst langsam und später wie eine Lawine alles mit sich reißt, was das amerikanische Gutbürgertum ausgemacht hat. Die nachfolgende Generation – personifiziert durch die Tochter des Schweden – ist es, die nicht mehr wegschauen will, den Reichtum nicht blind annimmt und Missstände aufdecken will. „Amerikanisches Idyll“ bietet einige kraftvolle Szenen, die die Zerrissenheit einer Nation im Zusammenleben einer Kleinfamilie spiegelt. Jede Figur erfüllt eine Funktion, ist aber gleichzeitig nicht bloß Platzhalter einer Aussage.

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Plötzlich bestimmen Rassenunruhen und Anschläge das Leben des Schweden, der Tagesablauf sämtlicher Beteiligter gerät völlig aus den Fugen. Wie passend ist es da, dass sich die Geschichte von „Amerikanisches Idyll“ über Jahrzehnte zieht, genau wie die heute existierenden Vorurteile ihren Ursprung vor Jahrzehnten und Jahrhunderten haben. Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der Ort an dem jeder alles werden kann? Wohl eher ist es ein zersplitterter Haufen auf der Suche nach seiner Identität, nach etwas, das Bestand hat.

Fazit

Würde sich Ewan McGregor nicht sklavisch an den ausufernden Plot halten, der in einer Miniserie besser zur Geltung gekommen wäre, es hätte das neue amerikanische Meisterwerk werden können. Doch dafür lässt die Geschichte seinen Figuren leider zu wenig Raum. Es sind die Darsteller, allen voran die großartige Jennifer Connelly, die dem Publikum vor Augen führen, wie tief sie und damit das Land in der Misere sitzen. Generationen, die kommunikationsunfähig sind. Eine Politik, die Minderheiten diskriminiert. Menschen beider Lager, die aufeinander losgehen. Parolen und Lügen, die das Weltbild bestimmen. Und dazwischen eine Mittelschicht, die sich größtenteils wegduckt und ihre Verantwortung nicht wahrhaben will. Die Bilder, die McGregor heraufbeschwört, erinnern erschreckend an die Bilder einen Tag nach der Trumpwahl. Es hat sich wenig geändert, wie es scheint. 

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BEWERTUNG: 07/10Titel: Amerikanisches IdyllFSK: ab 12 freigegebenProduktionsjahr: 2016Laufzeit: 127 MinutenAutor: John RomanoRegisseur: Ewan McGregorDarsteller; Ewan McGregor, Jennifer Connelly, Dakota Fanning, Uzo Aduba, Molly Parker,  Rupert Evans, David Strathairn u.a.

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