Alte Rostkähne und die Caravan-Scheune

Sonntag 24. Mai 2015. Von Losne über St-Usage nach La Grange de Saules.

Kurz vor zehn Uhr ist das Frühstück beendet und diei Rucksäcke sind gepackt. Wir bitten den Hotelier, beim nächsten Quartier anzurufen und uns dort anzumelden. Das bestätigt er uns. Es werde außer uns beiden nur noch eine deutsche Pilgerin dort erwartet. Wir überqueren die Saône und wandern durch das Städtchen St.-Jean-de-Losne und mitten durch den Hafen.

St. Jean-de-Losne. - © Foto: Erich Kimmich   Hafenarbeiter um 1900 in St. Jean-de-Losne. - © Foto: Erich Kimmich

Der Warenhandel per Schiff an der Kreuzung wichtiger Wasserstraßen (Rhein-Rhône-Kanal, Canal de Bourgogne, Saône) muss im 19. Jahrhundert bedeutsam gewesen sein. Das erfahren wir auf einer Informationstafel. Im Hafenbecken liegen Frachtkähne, die als Hausboote umgebaut und liebevoll restauriert wurden. Weiter hinten rosten aber auch Schiffe munter vor sich hin. Man kann dem Zerfall beinahe zusehen…

Hausboot Niagara. - © Foto: Erich Kimmich   Rostiger Frachtkahn. - © Foto: Erich Kimmich

Der Jakobsweg verläuft nun einige Kilometer in nordwestlicher Richtung am Canal de Bourgogne entlang. Hin und wieder liegt eine Schleuse mit dem obligatorischen Schleusenwärterhäuschen am Weg. Dahinter quakt es lautstark aus einem grünen Dschungel: ein Froschteich wie aus dem Lehrbuch!

Am Canal de Bourgogne. - © Foto: Erich Kimmich   Grünes Frösche-Paradies. - © Foto: Erich Kimmich

Schleuse von Viranne Nr. 75. - © Foto: Erich Kimmich   Schleuse von Viranne Nr. 75. - © Foto: Erich Kimmich

Cafe in Brazey-en-Plaine. - © Foto: Erich KimmichBei Brazey-en-Plaine biegen wir nach links ab und verlassen den Kanal. Nun geht es wieder Richtung Südwest! Ohne die Nähe des Wassers fühlen wir uns stärker der Hitze ausgesetzt. Am Dorfplatz steht vor einer Bar ein Tischchen mit zwei Stühlen. Das ist unsere Gelegenheit für eine Pause! Wir trinken einen kleinen Schwarzen und ein Glas Wasser. Die Leute gehen in die Kirche oder besorgen sich in der Bäckerei schnell noch Gebäck.

Cafe in Brazey-en-Plaine. - © Foto: Erich Kimmich   Quad-Rallye. - © Foto: Erich Kimmich

Als wir das Dorf verlassen haben und durch die weite Ebene der Vouge marschieren, sehen wir eine Staubwolke aus einem Nebenweg auf uns zu kommen: Kurz darauf rasen dutzende Quads aus dem Feldweg in die Straße und brausen nach Brazey zu. Da ist eine Rallye im Gange! Rasch hat sich die Wolke verzogen und Ruhe kehrt wieder ein. Weit hinten erkennen wir Magny-les-Aubigny mit seinem Chateau. Davor sehen wir ein Feld mit eigenartigen Pflanzen. Im Schatten der Schlossmauer machen wir eine Rast. Zeit, um die Füße auszustrecken und trocknen zu lassen!

Pilger-Himmel. - © Foto: Erich Kimmich   Chateau Magny-les-Aubigny. - © Foto: Erich Kimmich

Pause für die Füße. - © Foto: Erich Kimmich   Chateau Magny-les-Aubigny. - © Foto: Erich Kimmich

Hinter dem Chateau tauchen die seltsamen Pflanzen nochmals auf. Nun erkennen wir sie: Es sind niedrige Sträucher der Schwarzen Johannisbeeren, aus denen der berühmte Cassis erzeugt wird.
Nun folgt ein schattiges, abwechslungsreiches Waldstück. Hier blühen Kuckuckslichtnelke, Hahnenfuß und Ehrenpreis. Aus dem Wald heraus leitet uns das Muschelsymbol eine Weile entlang einer Straße.

Kuckucks-Lichtnelke. - © Foto: Erich Kimmich   Hahnenfuß. - © Foto: Erich Kimmich

Ehrenpreis. - © Foto: Erich Kimmich   Hahnenfuß-Fruchtstand. - © Foto: Erich Kimmich

Etang de Saule. - © Foto: Erich Kimmich   Etang de Saule. - © Foto: Erich Kimmich

Linkerhand liegt der Etang de Saules, dahinter gelb schimmernde Hahnenfußwiesen. Nun biegt der Weg rechts ab zu einem ehemaligen Bauernhof: La Grange de Saules. Hier hat ein Verein von Jakobsfreunden den zerfallenden Hof teilweise instand gesetzt: Ein großer Raum ist als Koch-, Aufenthalts- und Schlafbereich ausgestattet, in den Schubladen findet sich eine Grundversorgung an Lebensmitteln. In der benachbarten Scheune stehen sechs altgediente Wohnwagen, die als Schlafzimmer dienen.

Einer der fünf Caravans. - © Foto: Erich Kimmich   Am Eingang in die Grange de Saules. - © Foto: Erich Kimmich

Ausruhen vor der Bergerie. - © Foto: Erich Kimmich   Gästebuch und Infobroschüren liegen bereit. - © Foto: Erich Kimmich

Neben der Eingangstüre blühen zwischen den Ruinen die Blumen. Es wird zusehends wolkiger, kühler und windiger. Wir tragen alte Lehnsessel nach draußen und genießen die Sonne und die Ruhe.

Gartenblumen. - © Foto: Erich Kimmich

Caravan-Stimmung. - © Foto: Erich KimmichDie schon erwähnte deutsche Pilgerin trifft ein. Sie heißt Sigrid Winkler und kommt – wie könnte es anders sein – aus Stuttgart! Beim gemeinsamen Abendessen haben wir Zeit, uns zu unterhalten. Später suchen Helmut und ich uns einen Caravan aus, Sigrid schläft im Aufenthaltsraum.

Wetter: sonnig und warm; 28 °C Tagesstrecke 16,6 km Durchschnittstempo inkl. Pausen 2,7 km/h Unterwegszeit 6:06 Summe Aufstiege.  Maximale Höhe 350 m 267 hm Summe der Abstiege. Minimale Höhe 171 m 287 hm Gesamt-Kilometer des Abschnitts 2015 (Dole - Montbrison). 48,4 km.

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