Alt werden, ist nicht schwer, alt sein dagegen sehr! Für mich eine ganz falsche Meinung

Alt werden, ist nicht schwer, alt sein dagegen sehr! Für mich eine ganz falsche Meinung
„Wichtig ist nicht, wie alt man ist, sondern wie man alt ist.“

Gerhard Kocher

Ihr Lieben,

ich wurde in einigen E-Mails herzlich darum gebeten, doch einmal Geschichten zu erzählen, die sich ganz speziell mit älteren Menschen beschäftigen. Ich komme diesem Wunsch sehr gerne, allerdings glaube ich, dass die beiden Geschichten auch den Jüngeren, so fast möchte ich sagen, gerade den Jüngeren auch viel zu sagen haben.

Ihr Lieben,

ich möchte Euch heute eine Geschichte des Autorin Bachmann erzählen:
„Die Geschichte von Agnes“

Agnes war alt. Am Sonntag kam immer Besuch ins kleine Haus am Dorfrand.
Kinder und Kindeskinder, Schwiegersöhne und -töchter ließen sich am gedeckten Mittagstisch nieder. Am Samstag schleppte Agnes jeweils einen Berg Lebensmittel heran und stand den ganzen Sonntagmorgen am Herd, wie schon ihr ganzes Leben lang.
An einem sonnigen Tag freundete sich Agnes mit einem jungen Mädchen aus dem Dorf an.

Die beiden verstanden sich ohne viele Worte, und Agnes fühlte sich in Gesellschaft der 18-Jährigen plötzlich wieder lebendig und irgendwie mutig.
Als sie sich eingestand, dass ihr die Familiensonntage eigentlich zu viel waren, dass sie doch für ein Leben lang mehr als genug geschleppt und gekocht hatte, strich sie kurzerhand die Einladungen.
Sie verabredete sich mit dem jungen Mädchen, holte ihre besten Kleider aus dem Schrank, fuhr in die Stadt, flanierte herum, ging ab und zu ins Kino oder saß im Sommer in einem Straßencafe und übte das Nichtstun.

Das ungleiche Paar fand immer irgendetwas, was beiden Freude machte.
Sie lachten viel zusammen und amüsierten sich über die neugierigen Blicke der Anderen.

Agnes war seit sehr, sehr langer Zeit vollkommen glücklich.
Selbst an Werktagen verbrachte sie jetzt ihre Zeit mit Spazieren und mit Nichtstun, anstatt sich gedrängt zu fühlen, ihre Pflicht zu tun, die doch schon längst zur automatischen Routine geworden war.
Agnes lebte ganz in der Gegenwart, es schien ihr, als sei die Vergangenheit von ihr abgefallen wie ein muffiger, zu eng gewordener Mantel.

Ihre Rente und das wenige Gesparte setzte sie bis zum letzten Rappen für ihre neue Lebensart ein.
Die Familie reagierte empört. Was war bloß mit der Mutter los? War sie jetzt doch noch senil geworden? Musste man da nicht eingreifen? Gab sie nicht alles Geld für das junge Mädchen aus?

Mutter überhörte gelassen die Kritik ihrer Kinder. Über den Dorfklatsch lachte sie auf ihren Sonntagsausflügen.
Agnes hatte die Narrenfreiheit des Alters erreicht, sie war keinem Rechenschaft schuldig.

Spät, aber nicht zu spät, nahm sie sich die Freiheit, zu tun und zu lassen, was sie für gut befand. Als Agnes zwei Jahre später starb, lag ein friedliches, beinahe verschmitztes Lächeln auf ihrem Gesicht.
Zu erben gab’s nichts."

Ihr Lieben,

wenn ich noch so an meine Großmutter und ihre Geschwister denke, so waren das sehr liebevolle Menschen. Vor allem waren sie zeit ihres Lebens sehr fleißig und unermüdlich tätig.
Meine Großmutter aber unterschied sich im Alter von ihren Geschwistern, denn sie nahm sich Zeit, sie ruhte in sich.
Wenn ich sie in Marburg in meinen Schulferien besuchte, hatte sie Zeit für Spaziergänge, hatte Zeit, mit mir zu reden, zu spielen, mit mir ein Eis essen zu gehen. Ich war ihr nicht lästig in ihrem Tagesablauf, sondern sie richtete ihren Tagesablauf nach mir aus und ich spürte, dass sie dadurch fast wieder jung wurde.
Wir Älteren, die wir in unserem Leben viel gearbeitet haben, haben auch das Recht, im Alter unsere Tage so zu gestalten, wie wir das für richtig halten.
Ich kenne manche Kinder und Enkelkinder, die allen Ernstes glauben, die Großeltern seinen dazu da, um ihnen Arbeit abzunehmen, um immer greifbar zu sein.
Ihr Lieben,

auch ich bin durch meinen Beruf als Lektor noch sehr fleißig, aber ich kann das nur aushalten, weil ich mir immer wieder die Zeit nehme, stundenweise am Tage nur das zu tun, wonach meine Seele schreit und das sind z.B. meine geliebten Radtouren.
Die Älteren unter uns möchte ich ermuntern, auch zumindest stundeweise am Tag zu „streiken“ und genau das zu machen, was sie schon immer machen wollten.

Ich wünsche Euch heute einen fröhlichen und unbeschwerten Tag und grüße Euch alle herzlich aus Bremen

Euer fröhlicher Werner

Alt werden, ist nicht schwer, alt sein dagegen sehr! Für mich eine ganz falsche Meinung

Das Foto wurde von Karin Heringshausen zur Verfügung gestellt



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