Als die Sonne vom Himmel fiel

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Als die Sonne vom Himmel fiel

9Dokumentation

Was am 6. August 1945 mit Hiroshima geschah, ist wohl bekannt. Der Dokumentarfilm Als die Sonne vom Himmel fiel ist die Suche einer Enkelin nach Antworten über das Leben kurz nach dem Atombombenabwurf auf die Heimatstadt ihrer Großeltern und wie dieser Angriff die Menschen dort beeinflusst und verändert hat.

Aya Domenig spricht mit ihrer Großmutter über Hiroshima, die Atombombe und den Großvater, der zu jener Zeit Arzt war und an Ort und Stelle war um die Opfer zu verpflegen. Nur zurückhaltend und mit viel Geduld der Enkelin öffnet sich die alte Frau, die mittlerweile an Krebs erkrankt ist, und erzählt von damals. Sofort wird klar, dass es auch heute noch ein heikles Thema ist und im Verlauf ihrer Reise wird Domenig auch auf Menschen stoßen, die nicht über die Atombombe oder, wie sie von den Amis „liebevoll“ getauft wurde, „Little Boy“ reden möchten (die von Nagasaki hieß im übrigen „Fat Man“). Trotzdem gelingt es der neugierigen, jungen Filmemacherin immer mehr Zeitzeugen und Opfer zum Reden zu bewegen. Vor allem die Geschichte ihres Großvaters (besonders einprägsam: was er als erstes tat, nachdem er aus Hiroshima zurück auf das Haus am Land kam, in dem ihre Großeltern zu dem Zeitpunkt lebten!) interessiert sie, war sie selbst noch zu jung, als er (ebenfalls) an Krebs starb. Am 11. März 2011 steckt Aya Domenig noch mitten in der Arbeit zu ihrem Film als erneut eine Nuklearkatastrophe das Land heimsucht: Fukushima.

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Domenig arbeitet auch dieses schreckliche, dramatische Ereignis in ihren Dokumentarfilm mit ein und zeigt, wie vor allem jene darauf reagieren, die schon Hiroshima (über)erlebt hatten. Sie warnen vor den Gefahren der Atomenergie, vor Verstrahlung und kämpfen gegen eine lethargische, der Atomlobby ergebene Regierung an, die ihrer Bevölkerung einreden möchte, dass es so etwas wie Verstrahlung oder Radioaktivität gar nicht gibt bzw. dass man sich davor doch nicht fürchten muss und alles in Ordnung ist. Als die Sonne vom Himmel fiel bezieht eindeutig Position gegen Atomkraft und lässt Befürworter gar nicht zu Wort kommen. Man könnte dem Film daher eine gewisse einseitige Berichterstattung vorwerfen, stellt sich doch die Frage wie Energie für eine derart große Masse an Menschen und somit Energieverbraucher hergestellt werden soll (natürlich gibt es Alternativen, die es auszubauen lohnen würde, doch eine Abschaltung von heute auf morgen ist schwer bis unmöglich umzusetzen, es sei denn die Menschen verzichten auf all ihre Luxusgüter und Annehmlichkeiten in derart ausschweifenden Ausmaßen).

Allerdings darf man nicht vergessen, dass Als die Sonne vom Himmel fiel nicht so sehr eine Dokumentation über Atomenergie ist und über die Frage alternativer Energiegewinnung, sondern in erster Linie die persönliche Odyssee einer jungen Frau in die Vergangenheit ihrer Familie. Von daher ist es nachvollziehbar, dass der Film weniger objektiv über seinen Sachverhalt berichtet, als vielmehr subjektive Eindrücke, Gedanken und Erinnerungen sammelt. Daraus ergibt sich ein emotional aufwühlender Dokumentarfilm, der, auch wenn er leider vorwiegend aus den typischen „Talking Heads“-Einstellungen besteht, ein ungemein berührendes wie auch nachdenklich stimmendes Bild abgibt über die Schrecken und Nachwirkungen des Krieges und im besonderen einem derart katastrophalen Ereignis wie einem Atombombenabwurf.

Zwar kann ein Film niemals das ganze Ausmaß des Angriffs auf Hiroshima oder die Katastrophe Fukushimas erfassen und wie sich derartige Ereignisse auf die Menschen auswirken, trotzdem gelingt es Aya Domenig zumindest ein bewegendes Porträt zu liefern. Als die Sonne vom Himmel fiel mag vielleicht nicht der originellste Dokumentarfilm sein, rein vom filmischen Standpunkt aus betrachtet, überzeugt und berührt aber dank seinem starken Inhalt und den sprechenden Personen auf einer inhaltlichen Ebene, die den Film zu ungemein beeindruckenden und persönlichen Werk machen, das man nicht so schnell wieder vergisst.

Regie: Aya Domenig, Filmlänge: 78 Minuten, zu sehen am this human world Filmfestival: 10.12.2015 um 20Uhr im Top Kino, www.alsdiesonnevomhimmelfiel.com

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Autor

Marco Rauch

Aufgabenbereich selbst definiert als: Kinoplatzbesetzer. Findet den Ausspruch „So long and take it easy, because if you start taking things seriously, it is the end of you” (Kerouac) sehr ernst zu nehmend.


 
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