Alltagssituationen mit fremden Kindern

Im Moment brauche ich ab und zu ein paar Ratschläge für Alltagssituationen, die mir im Kontakt mit anderen Kindern begegnen und wo ich unsicher bin, wie ich reagieren soll, ohne einerseits den jeweiligen Eltern in ihre Erziehung hineinzureden und aber trotzdem meinen eigenen Kindern deutlich zu sagen, dass solche Dinge, die eben andere Kinder machen oder sagen, nicht in Ordnung sind.
Zwei Beispiele:
1. Heute trafen wir die Familie zweier guter Freunde (Zwillinge) des Großen aus der Kita im Park. Die beiden plus ein anderer Junge plus mein Großer sind seit 2 1/2 Jahren wirklich ein eingeschworenes Team in ihrer Gruppe. Wir begrüßten sie und der Große freute sich, sie zu sehen. Zur Begrüßung streckte der eine der beiden Jungs ihm die Zunge raus. Ich sagte vorerst nichts, weil ich die Reaktion der Eltern abwartete. Es kam - nichts. Dann versuchte ich eine zweite freundliche Begrüßung, um ihm noch eine Möglichkeit zu geben. Er streckte wieder die Zunge raus. Ich wartete, es kam wieder nichts von den Eltern. Dann sagte ich zu ihm: "Oh, das ist aber keine nette Begrüßung" und verabschiedete mich relativ schnell wieder. Erstens möchte ich nicht, dass der Große sich solch ein Verhalten abschaut und dieses übernimmt und zweitens möchte ich, dass er und auch das andere Kind deutlich hören, dass das nicht in Ordnung ist.
2. Wir sind oft mit zwei anderen Freunden des Großen nachmittags auf dem Spielplatz. Beide sind Kinder, die vieles aufsaugen und unüberlegt wiedergeben, ganz im Gegensatz zu meinem Großen, und beide haben diverse Schimpfwörter im Repertoire. Bei beiden Kindern reagieren die Väter, die meist mit dabei sind, nicht auf die sinnlose Tirade ihrer Kinder, und mein Großer wird mit Ausdrücken und Verhaltensweisen konfrontiert, vor denen ich ihn zwar nicht abschirmen kann, wo ich aber schon möchte, dass er weiß, dass sie nicht sanktioniert werden. Zum Beispiel verabschiedet sich ein kleiner Freund grundsätzlich mit "Tschüss, Du (alter) Pups" von meinem Sohn und dieser steht verständlicherweise ungläubig da und weiß nicht, wie er reagieren soll. Auch hier warte ich immer, ob der Papa reagiert, und erst dann, wenn nichts passiert, sage ich etwas, und zwar nicht "Das sagt man aber nicht", sondern so in etwa "Das ist nicht nett, wir sagen lieber, tschüss mein lieber Freund". Ich weiß, dass in der Kita solche Aussprüche gang und gäbe sind und zukünftig noch zunehmen werden. Ich finde aber, es ist ein Unterschied, wenn die Eltern mit dabei sind und nach meinem Dafürhalten eigentlich einschreiten müssten.
Nun bin ich überhaupt niemand, der ständig reglementiert oder korrigiert, wenn die Kinder zuhause, wo es niemanden Fremden betrifft, ihre typischen Kindergewohnheiten an den Tag legen, im Gegenteil, ich hoffe immer, dass sich so etwas durch Ignorieren und besseres Vorbild auswächst. Ich hasse es auch, wenn meine Kinder mit solchen Sprüchen wie "Wie heißt das Zauberwort?" oder "Was sagt man da?" dressiert werden. Auch hier hoffe ich auf meine Vorbildwirkung. Ich als Mama greife eher wenig ein und fühle mich damit in Anwesenheit anderer Eltern, die oft permanent unbewusst Anweisungen von sich geben, ziemlich unwohl und leide mit den Kindern mit. In diesen Fällen aber habe ich das dringende Bedürfnis, einzugreifen und etwas zu sagen, nicht zuletzt, um meinen Kindern deutlich zu machen, dass das nicht von mir toleriert wird.
Es ist für mich sehr schwierig, einzuschätzen, ob ich damit die anderen Eltern, die nichts sagen, weil sie vielleicht eine andere Taktik verfolgen oder es ihnen möglicherweise gar nicht aufstößt (die schlimmere Variante) "bevormunde" und übergriffig werde. Grundsätzlich soll es natürlich jedem selbst überlassen bleiben, mit welchen Maßstäben an ein soziales Miteinander andere Eltern ihre Kinder erziehen. Andererseits schreite ich ja auch ein, wenn ein anderes Kind meinen Kindern auf dem Spielplatz Dinge wegnimmt und die Eltern es nicht für nötig halten, aktiv zu werden. Bliebe ich da still, würden meine Kinder nur lernen, dass das von Mama geduldet wird, also okay ist. Nicht lange, und sie würden es vielleicht selbst machen. Ebenso ist es mit den oben geschilderten Phrasen. Was andere Eltern ihren Kindern erlauben oder nicht, ist mir solange egal, wie es nicht den Umgang mit meinen Kindern betrifft und Auswirkungen auf meine Kinder hat. Und da sind die oben geschilderten Situationen nur zwei von vielen.
Nun ist mein Großer in dieser Beziehung glücklicherweise kein Kind, was schnell aufschnappt und reproduziert. Was mich oft Nerven und Geduld kostet, ist da wiederum von Vorteil. Es hat eben alles seine positiven und negativen Seiten. Er verwendet solche Ausdrücke bisher nicht und das soll auch so bleiben. In meinem privaten Alltag mit den Kindern reglementiere ich sehr zurückhaltend und vertraue auf die Vorbildwirkung. Im Umgang mit anderen Kindern sage ich auch selten etwas, aber in solchen Situationen muss ich aktiv werden. Ist das übertrieben? Ist das übergriffig? Ich weiß, dass das Thema in Zukunft noch akuter wird, je älter die Kinder werden und möchte mir gern jetzt schon eine Meinung und Vorgehensweise überlegen. Was meint ihr?