Alles neu macht der Mai

Von Wellenklang

Er ist der Wonnemonat. Ab morgen schlagen, glaubt man den Volksweisen,  die Bäume aus, eine hell strahlende Sonne lacht vom Himmel und weiße Wolken küssen den Horizont. Trällernde Lerchen, Gefühle sprudeln über, Linden rauschen und fesche Bauernburschen ziehen übers Land.  Sie schlummern unterm  blauen Sternenzelt und träumen von der Liebe. Fett gelb strahlender Raps unter einem tiefblauen Himmel, frische Farben zieren den Feldesrain, zartes Buchengrün  leuchtet frech am Waldessaum. Das Leben pulsiert, sich mehrende, vermehrende Natur, es zieht in den Lenden, Schmetterlinge flattern im Bauch. Des Frühlings Vorhang ist gehoben, winters Grau wurde mit einem sanft goldenen Schein aufgehübscht.

Karibisch glitzerndes Türkis, klares Flaschengrün durchwirkt das Meer. Es lockt zum Bade, auch wenn es nur für das Antesten mit dem grossen Zeh reicht. Trotzdem- unbezahlbar das Gefühl zum ersten Mal nach all den dunklen Monaten, die Strümpfe von den Füssen zu streifen und barfuss im (lau)warmen Sand zu versinken. Millionen feiner Sandkörner rieseln durch die Zehen. Endlose  Sonnenstunden in windgeschützten Dünen warten auf uns. In ein paar Tagen wird sich der lang ersehnte Ostwind an unseren Küsten einstellen. Morgens schlummern die Wellen noch sanft im morgendlichen Licht, gegen mittag beginnen sie an sich im Sonnenlicht zu strecken und zu recken, sie wispern leise und muntererbis sie am  nachmittag nahezu fehlerfrei über den tiefblauen Sund tänzeln. Zum Abend hin wird Ihr Rhytmus weicher, die Beats sanfter,  purpur glühend senkt sich die Sonne zum Meer.  Bald schläft die Thermik  ein und überlässt glücklichen Surfern die Regie am Mischpult der Musik.

Maientanz- pure Lebensfreude sprudelt in diesen Wochen. Auf den Strassen lachen die Menschen, Hausfrauen pfeifen fröhlich und falsch, wenn sie zum ersten Mal die Wäsche wieder draussen aufhängen können. Unvergleichlich dieser Duft von frischer, windgetrockneter Wäsche. Das kann nur der Mai! Die Luft ist sauberer, Amseln die glockenhell und beharrlich  unseren Schlaf unterbrechen, Katzen beziehungsweise Nachbars Kater der sich lautstark unterm Schlafzimmerfenster nach Bräuten umschaut, konzertierende Frösche an Nachbars Gartenteich, hungrige Lämmer auf der Suche nach Mutters Euter lärmen auf dem Deich, quitschende Enten wackeln Mama und Papa hinterher. Uns verzaubernde Natur-  der Mai ist laut und bunt und turbulent und ganz besonders süss; irgendwie! Wahrscheinlich tanzt der Mensch deswegen seit jahrhunderten ganz gewaltig hinein in den Mai- immer munter rum um  den bunt geschmückten, mit Birkengrün verzierten Baum. Wenn die Buab’n den Madels den Hof machen und die Nacht zum Tage.

Endlich, endlich darf ich die Handschuhe beim Surfen am Strand zurücklassen. Noch ein paar Tage dann brauche ich auch keine dicken Neoprenschuhe mehr. Mai ist wie ein Befreiungsschlag von starren und einengenden Regeln, ein Kettensprengen, aufatmen, durchatmen, Licht in den Körper fluten lassen, sich den wärmenden Sonnenstrahlen und der Weite des Meeres einfach hingeben und geniessen. Mit allen Sinnen. Er ist frisch und grün, zart und bunt, sattgelb und klar- der Mai. Der Monat mit den meisten Premieren. Der erste Spargel- ein Hochgenuss. Die ersten Erdbeeren, frisch vom Feld- prickelnde, die Zunge überziehende Süsse. Kräuterküche- intensive Düfte stehlen sich durchs Haus, scharfer Bärlauch, würzige Petersilie, aromatischer Rosmarin, zart duftender Salbei der neu zum Leben erwacht. Es ist so wunderbar, all die Düfte wieder in sich aufsaugen zu können. Jeden Tag meldet sich ein anderes Gewächs im Garten aus dem Winterschlaf zurück. Je nachdem wie kalt oder mild der Inselwinter war, sind sie mehr oder weniger gebeutelt. Nur noch wenige Wochen trennen mich von der Holunderblüte. Das letzte Glas des köstlichsten aller Gelees ist bereits fast geleert. Bald tauche ich die intensiv duftenden Blüten wieder über Nacht in Apfelsaft und koche sie am folgenden Tag zu Gelee ein.

Der Mai. Inzwischen ist das Land zwischen Sund und Belt bereits wieder fest in Urlauberhand. An verregneten Nachmittagen verstopfen sie die Innenstadt. Lockt die Sonne halten sie flugs ihre grossstadtblassen Nasen dem goldenen Stern entgegen. In aller Seelenruhe gondeln sie über die Inselwege. Wer beim Fahrradradeln Einsamkeit sucht muss sich morgens auf die Suche machen oder bis zum Spätherbst warten. Leere Strände dauern noch mindestens ein halbes Jahr und ist Wind angesagt, bevökern mit lustigen Surfern beladene Busse die Camping- und Parkplätze. Ab 5 Bft. ist das Meer kunterbunt von hunderten Segeln und Kites. Der Sommer ist ganz nah, die schönste Zeit des Jahres eingeläutet-  Geniessen, inhalieren, loslassen, atmen….freuen, das Glück bewahren, in sich einschliessen- den Mai so feiern wie es ihm gebührt. Mit einem Tanz um den Maibaum.