Alles Nazi, außer Mutti

Olle Kamellen, endlich mal im Qualitätsfernsehen: "Streit um Nazi-Bücher in Verlag-Webshops", dreht "Report Mainz" heute ganz aufgeregt eine Geschichte nach, vor der PPQ im Sommer gewarnt hatte. In der Diskussion um Eva Herman hatte die "Süddeutsche Zeitung" damals enthüllt, dass Kopp-Verlag in seinem Online-Shops rechtsextreme Bücher anbietet, PPQ hatte daraufhin nachgeschaut und im Webshop der "Süddeutschen" dieselben Bücher gefunden.
Ein Grund für "Report Mainz", mal genau nachzuschauen und nun noch mal Alarm zu schlagen: "Mindestens 150 Bücher von Nazi-Größen, Holocaustleugnern und Rechtsextremisten" böten nicht nur die "SZ", sondern auch FAZ und "Spiegel" an, zählt das Politmagazin auf, das im Unterschied zu den genannten anderen Sturmgeschützen der Demokratie keinen Webshop betreiben muss, weil es sich aus GEZ-Gebühren finanziert. Da seien 100 Nazi-Bücher mehr als der deutsche Ableger des American Jewish Committee im Sommerloch des Jahres 2009 beim Online-Händler Amazon entdeckte.
Der von "Report" dazu befragte Christoph Degenhart von der Universität Leipzig, ein Rundfunk-Experte, der im Qualitätsfernsehen als "Staats- und Verwaltungsrechtler" vorgestellt wird, hält dies für eine Leugnung des Holocaust: "Ich sehe im Hinblick auf die Leugnung des Judenmordes in der Schlucht von Babi Jar in der Tat einen Anfangsverdacht für die Verbreitung strafbarer Inhalte, auch in einigen anderen Passagen des Buches." Spiegel-Chef Georg Mascolo nicht, denn der antwortete auf eine Anfrage, man könne den Vertrieb rechtsextremistischer Literatur nicht verhindern, weild as verboten sei.
Der Schock sitzt tief. "Bücher von Autoren wie dem britischen Holocaustleugner David Irving und dem belgischen SS-Führer Leon Degrelle", die der Spiegelblog schon im Mai 2009 im Spiegelshop gefunden hatte, konnten auch die Report-Reporter unerkannt in den Shops der großen Zeitungshäuser entdecken. Für Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, aber kein regelmäßiger PPQ-Leser, eine Gelegenheit, von "Skandal"zu sprechen. Dabei können die Verlage gar nichts dafür - sie benutzen für ihre Online-Shops eine Baukasten-Lösung des Buchhändlers Libri ("Tchibos kritische Reihe", "Blume 2000)), deren Angebote sie komplett übernehmen können oder eben auch nicht. Das tun sie dann auch, wie alle anderen, denn das absolut empörende an diesem aufgebacknen Skandal ist: Wie der ganze Rest vom Schützenfest ist Degrelles Buch in Deustchland nicht einmal verboten. Und deshalb außerhalb der Shops von "Spiegel", "SZ" und "FAZ" nur in allen anderen Buchhandlungen zu bekommen.