Allee der Kosmonauten - Anne Krüger | Rezension

Von Erdbeerliese

Lange lange war es hier ziemlich ruhig, da ich einfach zu wenig Zeit habe, meinen YouTube Kanal und diesen Blog parallel zu betreiben. Ich versuche aber, in nächster Zeit wieder ein bisschen regelmäßiger zu schreiben.

Heute gibt es eine neue Buchrezension und zwar zu Allee der Kosmonauten von Anne Krüger.

Das Video dazu könnt ihr euch hier direkt angucken:


Erschienen ist das Buch im script5 Verlag als Hardcover für 17,95€ und ebook für 13,95€.

Ich finde die Gestaltung des Umschlags wunderschön, dieser hat mich sofort angesprochen und meine Neugier geweckt.


Der Klappentext tat sein Übrigens.

"In ihrer Kindheit träumte Mathilda unter anderem von einer Karriere als Osterhase, aber am liebsten wollte sie Kosmonautin werden. Als sie ihrer besten Freundin während einer Riesenradfahrt auf die Bluse kotzte, zerbrach ihr Herzenswunsch jedoch an der schnöden Realität - sie war nicht schwindelfrei. Zurück blieb eine unbändige Begeisterung für Juri Gagarin und den Weltraum.
Heute Ende zwanzig, ist Mathilda immer noch auf der Suche nach einem erfüllten Leben. Kosmonautin steht als Beruf nicht mehr zur Diskussion, aber was dann? Und was das erfüllte Privatleben angeht: Welcher Mann kann schon neben Juri Gagarin bestehen?"

Da ich mich in einer ähnlichen Lebensphase und alterstechnisch fast auf einer Höhe mit der Protagonistin befinde, konnte ich mich wirklich total mit ihr und dem Buch identifizieren. Mathilda ist Ende 20, hat ihr Studium abgebrochen und weiß nicht so richtig, wohin mit sich selbst. Sie weiß nicht, wo sie sich beruflich sieht, ihre Beziehung ist gescheitert und sie sieht dabei zu, wie alte Freundschaften und Bindungen sich verändern. Anne Krüger beschäftigt sich im Buch mit einer wichtigen Phase des Erwachsenwerdens, in der es um Zukunftsangst, die Suche nach dem Sinn, um Familiengründung und Wurzeln geht.

"Im Alleinsein steckt auch eine ungeheure Kraft. [...] Wenn du dich selbst nicht kennst, sogar vor dir fliehst, dann kannst du nicht leben. Verstehst du?"

Aufgewachsen in der DDR, spürt man bei Mathilda und ihren Freunden deutlich, wie sie durch den Sozialismus geprägt wurden und wie sehr die Beeinflussung in der Kindheit noch immer das Erwachsenwerden behindern. Mich haben die Protagonisten ein bisschen an die desillusionierte Nachwendejugend aus Clemens Meyers 'Als wir träumten' erinnert - wenn auch nicht in einer solch extremen Form wie im Buch oder Film. Trotzdem ist die aufgegriffene Thematik sehr spannend und das Buch birgt viel Tiefgründigkeit, über die man eine ganze Weile nachdenken kann.

"Jedenfalls, was ich damit sagen will: manchmal tut eben alles weh und nichts geht. Aber dann geht es doch. Das weißt du bestimmt schon selbst, oder?"

Mathilda ist als Charakter sehr sympathisch - verträumt, verpeilt, naiv und auf der Suche nach sich selbst. Mir fiel es allerdings schwer, die Handlungen und Beziehungen der einzelnen Personen zueinander nachzuvollziehen. Diese sind teilweise sehr unterkühlt. Die Freundschaften wirken distanziert, lieblos, auch die Bindung von Mathilda zu ihrer Familie. Man spürt deutlich die Kälte und Mauer, die zwischen den Personen herrscht. Den genauen Grund liefert der Roman allerdings nicht, darüber muss man sich wohl im Nachgang selbst Gedanken machen.

Das Buch hat Stärken und Schwächen. Immer wieder sorgt Situationskomik für den ein oder anderen Schmunzler, allerdings zieht sich das Buch über die Zeit auch etwas und verliert seinen Spannungsbogen. Zur Mitte hin war mir dann auch klar, wie es ausgehen wird - Stichwort voraussehbar.

Alles in allem gebe ich dem Buch 3 1/2 von 5 Erdbeeren, da mich das Ende nicht so richtig befriedigt hat und mir das gewisse Etwas gefehlt hat. Trotzdem ist es ein lesenswertes Debut von Anne Krüger für alle Coming of Age - Fans.