Alexander Solschenizyn (u.a.) – Stimmen aus dem Untergrund

Solschenizyn, Alexander – das war ein Name wie ein Signal. Damals in den kleinen Land aus dem ich herstamme. Solschenizyn der “Regimekritiker” (so aber nur im Westen benannt), der “Nestbeschmutzer” (so verharmlosend im Osten)…

Deshalb konnte ich, als ich dieses Büchlein auf dem Trödelmarkt entdeckte, nicht daran vorübergehen. Von Solschenizyn selbst sind hier nur drei Texte enthalten, die anderen Autoren sind mir völlig unbekannt.

Auf dem Deckblatt des Buches heißt es: “Die hier um Solschenizyn versammelten Autoren proklamieren eine neue Position des Widerspruchs: die sittliche Revolution.” Wenn es sich dabei um eine religiöse Revolution handelt, dann ist dieser Satz verständlich; anderenfalls nämlich eher nicht.

Solschenizyn selbst begründet die Notwendigkeit der gesellschaftlichen Änderungen in der Sowjetunion der 70-iger Jahre vor allem mit der Erstarrung des Denkens, der gesamten Gesellschaft, die sich in ihrem selbsternannten Sozialismus zur (geistigen) Ruhe gesetzt hat.
Die Begründung klingt für mich jedoch eher “altbacken” und versucht philosophisch ohne über Wunschdenken hinaus zu gehen. ich finde keine revolutionären, die Gesellschaft verändernden Ideen und Utopien in solchen Sätzen:

Die äußere Freiheit an sich – kann sie zu einem Ziel für bewußt existierende Lebenwesen werden? Oder ist sie nur eine Form, um andere, höhere Aufgaben zu verwirklichen? Seite 28

Weder sagt der Autor, was denn die höheren Aufgaben sein sollen noch was ihm Freiheit bedeutet. Das ist – meiner Meinung nach – einmal mehr die Benutzung von großklingenden Worten. Die aber ohne Definition völlig leer und aussagefrei bleiben.
Andere der Autoren möchten eine Renaissance der Kirche (der russisch-orthodoxen) um die festgefahrene sowjetische Gesellschaft aus ihrer Agonie zu befreien. Das nun erschließt sich mir nun gar nicht.

Aber es gibt nicht nur Kritikpunkte an den Texten. So schreibt Solschenizyn in einem “Reue und Selbstbeschränkung als Katagorien des nationalen Lebens” benannten Artikel über die russisch-polnische Geschichte:

Über unsere Schuld an Polen ist bei uns in Rußland genug geredet worden, es hat sich in unserem Gedächtnis abgelagert, man braucht niemanden überzeugen. Seite 142

Doch dann folgt ein geschichtlicher Abriss der Verstrickungen der russisch-polnischen Geschichte, der mir als in der DDR-Geschichtsschreibung Aufgewachsener schon einige neue Erkenntnisse brachte.

Dieser Text ist auch wegen der schonungslosen Abrechnung mit der sowjetischen Außenpolitik wirklich erstaunlich und heut noch lesenswert. (Deckt er sich doch – zumindest in den Aussagen und Beobachtungen – mit denen Bahro’s und Leonard’s.) Nur scheinen mir die Konsequenzen, die Solschenizyn aus seiner Kritik zieht, nicht schlüssig.
Wenn er (immerhin 1973!) schreibt:

Unsere Außenpolitik der letzten Jahrzehnte stellt sich so dar, als sei sie mit Absicht im Gegensatz zu den wahren Bedürfnissen unseres Volkes aufgebaut. Wir haben die Verantwortung für die Schicksale Osteuropas übernommen, die mit unserem heutigen geistigen Niveau und unserer Fähigkeit, europäische Bedürfnisse und Wege zu begreifen, nicht im Einklang steht. Seite 151

Und so schlägt er vor, dass der russische, der sowjetische Staat sich aus der Weltpolitik zurückziehen soll und das eigene, riesige Land erschließen (und dort in Frieden und Wohlergehen leben) soll. Na ja…

Meiner Kritik zum Trotze: den “Archipel Gulag” und das eine oder andere seiner Bücher werde ich wohl noch lesen.


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