Al-Saud und Wolgograd

irib-nachrichtIRIB, und danach auch Al-Manar brachten am 5./6. Januar einen Stoff, der vom dankbaren Publikum hierzulande und anderswo seither breitgetragen und teilweise mit einer unverkennbaren Hoffnung kommentiert wird. Der Geschichte zufolge sei der russische Präsident Putin bezüglich der Terroranschläge von Wolgograd zu dem Schluß gelangt, dass Saudi-Arabien hinter diesen Anschlägen stecke, weshalb angeblich gleich ein Resolutionsentwurf für den UN-Sicherheitsrat eingebracht werden solle, der diese Aktivitäten des saudischen Königreichs als “Staatsterrorismus” klassifiziert.

IRIB als iranischer Sender und Al-Manar als ein Organ der Hisbollah sind erst einmal, was das Verhältnis zu Saudi-Arabien angeht, auf jeden Fall involvierte und interessierte Ressourcen. Ebenso kann man wohl auch die Äußerungen des syrischen Informationsministers werten, der in die selbe Trompete bläst, ohne dabei Namen zu nennen – bei der Umschreibung, die er gibt, ist das aber auch nicht nötig. Auf PressTV kommen ebenso seit Wochen immer wieder Beiträge einer solchen Art, von Aufklärung über die “anti-islamische” Wirkung des Wahhabismus bis zum Anprangern der Unterstützung von Terrorismus durch das Königreich. Leider hat das bei aller generellen Richtigkeit im konkreten Fall – Wolgograd – nicht unbedingt etwas mit Fakten zu tun, ist also ganz normales mediales Kriegshandwerk: wenn die Informationen stimmen, dann gut, wenn nicht – à la guerre comme à la guerre.

Zweifelsohne gibt es einen Sinn dahinter, wenn offizielle Stellen gewisse Informationen – Verdachtsmomente, auch Anschuldigungen, Angebote usw. – durch ausländische oder zweitklassige Medien an die Öffentlichkeit durchsickern lassen, womit hier die russischen Geheimdienste bzw. die Regierung andeuten könnten, dass sie zu den Anschlägen in Wolgograd einen gewissen Verdacht hegen oder zu vorläufigen Schlüssen gelangt sind. Damit wäre der Verdacht nicht von Regierungsstellen, sondern von irgendwelchen Medien ausgesprochen und im vorliegenden Fall bekämen die Saud Gelegenheit, solche Gerüchte auf etwas ernstzunehmenderen Kanälen zu dementieren oder sonstig zu kommentieren. Ein solches Vorgehen dient normalerweise dem “Wahren des Gesichts”, da sensible Dinge eben nicht von Offiziellen geäußert werden.

Trotzdem ist es wohl immer noch so, dass die Russen keinerlei eindeutige Beweise für eine Verwicklung Saudi-Arabiens und des bei Al-Manar erwähnten Schreckgespenstes Bandar bin Sultan in die Terroranschläge von Wolgograd haben. Andernfalls wäre eine solche Information schon auf russischen Nachrichtenkanälen gekommen, oder gleich aus offiziellen Verlautbarungen.

Bei dieser IRIB-/Al-Manar-Meldung handelt es sich aber ehestens um eine Eigeninitiative, die Nachricht ist bestenfalls Wunschdenken. Ansonsten hätte es in den 3 Tagen, in denen diese Skandalmeldung bereits kursiert, schon irgendwelche Aktionsmeldungen aus Russland gegeben. Da dem nicht so ist und die Russen diese iranische, libanesische und syrische Meldung nicht zu beachten scheinen, gibt es dafür also keinen Grund.


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