Ahmad Vincenzo – Das Buch, das vom Himmel kam

Von Nicsbloghaus @_nbh

Der Koran ist “das Buch, das vom Himmel kam” – und um die Geschichte(n) der Offenbarung, wie sie dem Propheten Muhammed zuteil wurden, rankt sich dieses Buch.

Ahmad ‘Abd al Waliyy Vincenzo (über den es keinen Eintrag bei Wikipedia gibt) ist ein zum Islam übergetretener Italiener (Dozent für islamisches Recht und Kultur an der Universität Neapel).
In diesem Buch versucht er anhand der historischen Gestalt Zayd’s, des “Schreibers des Propheten” – auf dessen Niederschrift der Suren noch die heutigen zurückgehen sollen – den Beginn, die Geburt einer Religion darzustellen. Das ist ihm grundsätzlich auch gelungen. Das Buch “lebt”, die Figuren haben Charakter und dem (westlichen) Leser wird ein wenig Einblick in Zeit und Situation Arabiens vor 1385 Jahren gegeben.
Ich habe die Hitze der Wüste nachfühlen können; begriffen, welches Wunder eine Oase wie Yathrib (heute: Medina) ist und welchen Wert Wasser haben kann. (nun ja; ich kenne Andalusien). Und Vincenzo gelingt es, die Logik, die in einer alle vereinigenden Religion liegt, schlüssig zu machen. Das ist das große Plus des Buches.

Aber wenn ich “Plus” sage, sehe ich auch ein “Minus” – und das ist meiner Meinung nach dem Blick des Autors gen Westen geschuldet. Vincenzo schreibt im Vorwort:

Schon lange hegte ich den Wunsch, eine Geschichte über den Ursprung des Islam zu schreiben, in der der flüssige Stil eines westlichen Romanes sich mit den Grundlagen der orientalischen Weisheit verbindet.

Und so beginnt jedes Kapitel mit einer Einleitung, einer den Islam erklärenden Einleitung; doch das wäre nicht sonderlich kritikwürdig, scheint es doch mehr als notwendig zu sein, dem Westen klar zu machen, dass der Ur-Islam eine seinerzeits sehr fortschrittliche Religion war; dass der Islam sich durch Toleranz, Mitgefühl und Gemeinschaft definiert. Was mir aber überhaupt nicht gefällt ist diese (nicht unverständliche Haltung eines bekennenden Muslim in einer westlichen Gesellschaft) quasi immer mitschwingende Entschuldigung. Eine Entschuldigung, die vorausschauend ist.
Es kann sein, dass ich auf diesen Anteil besonders empfindlich reagiere; als “Ossi” ist man noch heut oft genug in der Situation, sich für seinen Geburtsort rechtfertigen zu müssen.
Aber worauf ich hinaus will: selbst wenn ich noch tolerieren kann, dass sich Vincenzo für seinen Glauben entschuldigen zu müssen glaubt, wenn er für meine Begriffe zu oft auf die Friedfertigkeit des Islam hinweist (der immerhin gegründet wurde in blutigen Schlachten zwischen Mekka und Medina!) – so erinnert es an Lüge, wenn er behauptet, dass die umliegenden Länder freiwillig zum Islam übertraten.
Diese – historische – Ungenauigkeit mindert leider den Gesamteindruck des Buches. Es scheint, als wollte der Autor, nachdem er die Geschichte des Propheten und seines Schreibers berichtet hat (und – ich wiederhole es – das ist hervorragend geschrieben) noch als “Draufgabe” selbst noch ein paar Ungläubige bekehren. Die letzten beiden Kapitel des Buches sind meiner Meinung nach überflüssig.