Ägypten…

Der von mir sehr geschätzte Jörg Lau hat heute vier Artikel zu Ägypten geschrieben. Mir scheint, dass die Situation dort inzwischen nicht mehr revolutionär ist (wie es in Tunesien der Fall ist), sondern völlig außer Kontrolle gerät. Die Nachrichten widersprechen sich – so wie die Hoffnungen. Es ist mir selbst kaum möglich, mir ein eigenes Urteil über die Situation zu bilden.

Sehr viel hängt davon ab, wie sich das Militär in dieser Situation verhalten wird.Es macht ja bisher den Eindruck, als stelle es sich eher schützend vor die Demonstranten.

Morgen fliegen Frau Merkel und andere europäische Politiker nach Israel – in das Nachbarland. Nicht, dass ich davon ausgehe, dass das irgendetwas ändern wird. Aber vielleicht gibt es im Anschluss an diese Reise einen Hinweis auf die diplomatische Richtung.

Doch nun Jörg Lau:

Mona Eltahawy hat im Guardian die Hoffnung, dass die Revolution in Ägypten die Araber aus dem Gefängnis der Israel-Obsession befreit. Zu lange, schreibt, sie, haben die arabischen Führer die Jugend mit einem Konflikt abgelenkt, der ihnen erlaubte, die wirklich wichtigen Dinge in ihren Gesellschaften nicht anzupacken. (Quelle)

Der außenpolitische Kommentator von Haaretz, Aluf Benn, spricht harsche Worte über Präsident Obamas Nahostpolitik. Es war ein Fehler, die israelische Besatzung und die Siedlungen als das dringendste Problem im Nahen Osten zu behandeln und die Menschenrechte in den arabischen Ländern aus realpolitischen Erwägungen hintanzustellen, meint Benn. (Quelle)

Lau werte in seinen Artikel ebenfalls nicht (es sei denn, man wertet die Auswahl seiner Zitate als Wertung). Hier und hier noch zwei Artikel von ihm.

Wir müssen abwarten, wie es in den nächsten Tagen weitergeht. In Tunesien ist Rachid Ghannouchi eingetroffen. Es bleibt zu hoffen, dass er sich nicht als tunesischer Khomeini erweist…

Nic