[Adventskalender] 18. Dezember

[Adventskalender]  18. Dezember

 

Die Weihnachtseinkäufe:

Nur die Stärksten kommen durch

Der Weihnachtsmann, der die Geschenke durch den Kamin hinunterrutschen lässt, ist uns allen ein vertrautes Bild. Aber warum sind wir eigentlich so sicher, dass es ein Weihnachtsmann ist? Vielleicht ist es doch eher eine Frau? Zunächst einmal erledigt der Weihnachtsmann alle Einkäufe rechtzeitig – wenn er ein Mann wäre, würde er bis Heiligabend damit warten, und die ganze Welt würde zur Bescherung einen kläffenden Hunderoboter unter dem Baum finden, noch original verpackt in der Plastiktüte des Supermarkts. Außerdem wäre ein Mann doch niemals imstande, all diese Geschenke auszuliefern. Zuerst würde er sich, auch trotz der natürlichen Weisheit seiner Rentiere, unweigerlich verirren, und dann wäre er zu stolz, um anzuhalten und nach dem Weg zu fragen. Dann gäbe es unvermeidlich Verzögerungen durch den Zustand der Kamine, denn der Weihnachtsmann würde sie alle gründlich inspizieren und auf lockere Steine und bröckelnden Putz hinweisen. Und er würde unter jeden schiefen Weihnachtsbaum kriechen, um ihn in einem exakten 90-Grad-Winkel zum Boden auszurichten.

Andererseits allerdings muss der Weihnachtsmann ein Mann sein: Er kommt spät, isst und lässt das schmutzige Geschirr stehen. Und außerdem würde keine Frau jedes Jahr denselben roten Mantel tragen.

 

Woran erkennt man Heiligabend,

bald Ladenschluß ist?

Die Männer rennen los, um ihre

Geschenke zu besorgen,

 

Wenn es um Geschenke und Weihnachtseinkäufe geht, unterscheiden sich die Vorstellungen und Ansätze von Männern und Frauen fundamental. Einkaufen ist sonst schon anstrengend genug, aber der Weihnachtseinkauf kann zu einer echten Belastungsprobe werden. Dazu noch der Druck, dass man dem anderen ein hübsches Geschenk kaufen muss, und Streit und Reibereien folgen geradezu zwangsläufig. Doch wenn man sich erst mal darüber klar­geworden ist, kann man auch nach Lösungen suchen. Es ist alles eine Frage der Organisation.

 

Warum Männer ihre Einkäufe immer bis zur letzten Minute aufschieben und warum sie so einen Wirbel darum machen

Das Dasein als Mann hat den unschätzbaren Vorteil, dass man Heiligabend Weihnachtsgeschenke für die ganze Fa­milie eine Stunde vor Ladenschluss in weniger als 40 Mi­nuten kaufen kann, und das auch noch ganz allein. Leider ist Einkaufen bei Männern furchtbar unbeliebt. Das erklärt wenigstens zum Teil, warum sie es immer auf den letzten Drücker erledigen (oder, noch besser, auf ihre Partnerinnen abschieben). Und warum sie, wenn sie dann mal losgehen, gleich für die nächsten neun Jahre einkaufen.

Die meisten Männer halten Einkaufen für ebenso ver­gnüglich wie eine Prostatauntersuchung bei einem Arzt, der eiskalte Hände hat. Der britische Psychologe Dr. David Lewis kam zu dem Schluss, dass der Stress, den Männer bei den Weihnachtseinkäufen empfinden, der Belastung eines Polizisten ähnelt, wenn er einem wütenden Mob ge­genübersteht. Für die meisten Frauen dagegen sind sogar die Weihnachtseinkäufe eine beliebte Form, Stress abzu­bauen – solange sie genug Zeit dazu haben.

 

20 Prozent der Frauen haben schon

Anfang September mit den

Weihnachts­einkäufen begonnen.

 

Die Gründe liegen auf der Hand, wenn man sich mit der unterschiedlichen Entwicklungsgeschichte von Mann und Frau und der damit verbundenen unterschiedlichen Ver­netzung ihrer Gehirne beschäftigt. Das Dasein als Jäger ließ bei den Männern eine Art Tunnelblick entstehen, mit dem sie sich auf dem schnellsten Weg direkt von A nach B bewegen können. Die zahlreichen Zickzackbewegungen zwischen anderen Kauflustigen und von Laden zu Laden, zu denen man bei einer Einkaufstour gezwungen, ist, sind dem Mann unangenehm, weil eine Richtungsänderung bei ihm eine bewusste Entscheidung verlangt. Frauen mit ihrer breiteren, stärker peripheren Wahrnehmung kreuzen dagegen mit Leichtigkeit durch ein überfülites Einkaufs­zentrum. Dabei ist es natürlich nicht gerade hilfreich, dass Männer die Weihnachtseinkäufe bis zur letzten Minute auischieben und erst losziehen, wenn die Läden voller sind als ein Pendlerzug zur Rushhour. Aber warum sollte man heute schon etwas tun, was man auch morgen noch erle­digen kann? In ihrer Not verschenken Männer dann mit­unter Dinge, die sie besser behalten hätten

 

Unterhaltung kurz nach Weihnachten: »Sag mal, war

eigentlich unter deinen Weihnachtsgeschenken eine echte

Überraschung?« Antwort: »Aber sicher! Ich habe von

meinem Chef ein Buch bekommen, das ich meinem

Kollegen Schmidt Vorjahren geliehen hatte!«

 

Männer haben sich evolutionsbedingt zu Geschöpfen ent­wickelt, die rasch Beute machen und dann wieder zurück in ihre Höhle wollen. Auch heute noch möchten Männer so einkaufen. Sie wissen, für wen sie Geschenke kaufen müssen, sie haben meist eine vage Vorstellung davon, was sie kaufen sollten, und dann machen sie sich auf und kaufen alle Geschenke in einem Rutsch. Kein quälendes Nach­denken darüber, ob Tante Gladys wohl eher dieser Schal oder diese Handtasche gefallen würde, kein Hin und Her, wie viel man wohl für den kleinen James ausgeben sollte. Sie gehen in die Stadt und kaufen ein und kommen wieder nach Hause. Wenn es irgendwie geht, lassen sie die Ge­schenke im Laden verpacken. Problem gelöst.

Frauen kaufen ein, wie ihre weiblichen Urahnen sam­melten: Sie zogen einen Tag; lang mit einer Gruppe ande­rer Frauen zu einem Ort, an dem laut Aussage einer Ge­schlechtsgenossin schmackhafte Dinge wuchsen. Frauen beginnen mit den Weihnachtseinkäufen oft viel früher als Männer – und manche Frauen besorgen schon im Winter -schlussverkauf die ersten Geschenke für das nächste Jahr

 

Wenn eine Frau im Winterschlussverkauf für

Weih­nachten einkauft, ist sie früh dran.

Wenn ein Mann im Winterschlussverkauf für

Weihnachten einkauft, hat er sich verlaufen

und will nicht nach dem Weg fragen.

 

Oft wissen Frauen gar nicht, wonach sie genau suchen, wenn sie Weihnachtseinkaufe machen, manchmal noch nicht einmal, für wen sie überhaupt Geschenke kaufen wol­len. Solange sie genug Zeit haben, bummeln sie den ganzen Tag lang mit einer Freundin durch die Gegend, drücken, schnüffeln, betasten und probieren all die interessanten Dinge, die sie finden, und gleichzeitig reden sie miteinander über verschiedene, scheinbar zusammenhanglose Themen -genau wie die Frauen, die früher gemeinsam umherstreiften und Beeren sammelten. Wenn sie nichts fanden oder die Früchte noch nicht reif waren und sie abends

 

» Wir halten immer Händchen.

Wenn ich sie loslasse, kauft sie ein.«

ALLAN PEASE

 

Männern ist dieses Verhalten rätselhaft. Wenn ein Mann früher mit anderen Männern einen ganzen Tag ohne klare Richtung, ohne Ziel oder Zeitvorgabe durch die Gegend gestreift und ohne Beute heimgekehrt wäre, hafte er als Versager dagestanden. Für einen Mann ist es sinnvoll, alle Weihnachtseinkäufe auf den letzten Drücker in einem Rutsch zu kaufen. Er hat dann einfach keine Zeit, lange zu überlegen – er muss 25 Weihnachtsgeschenke innerhalb ei­ner Stunde besorgen, also nimmt er, was gerade da ist, in der Zeit, die ihm bleibt, und geht dann zufrieden nach Hause.

 

Die meisten Männer rasten bereits

nach 20 Minuten Shopping völlig aus.

 

Die Forschung hat gezeigt, dass Männer nicht nur eine Abneigung gegen das Einkaufen, besonders gegen Weih­nachtseinkäufe, haben, sondern dass diese Aufgabe wegen des Stresses sogar gesundheitsschädlich für sie ist.

 

Warum Frauen sich den Weihnachtseinkauf belastet fühlen

Frauen genießen das Einkaufen, wenn sie viel Zeit haben, aber sie geraten in Stress und reagieren entnervt, sobald sie sich nach einem strikten Zeitplan richten müssen. Das ist vor allem an Weihnachten der Fall, besonders weil sie oft die Hauptverantwortung für alle Besorgungen für das Fest tragen. Frauen kann das Einkaufen genauso stressen wie Männer.

 

Über 30 Prozent der Menschen finden Weihnachts­einkäufe

»traumatisch«, -verglichen mit nur 25 Prozent, die den

Bohrer des Zahnarztes fürchten, und 85 Prozent zeigen

deutliche Stresssymptome beim Einkaufen.

 

Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen besonders dann unter Stress stehen, wenn sie das Gefühl haben, dass ihnen die Kontrolle entgleitet. Wenn eine Frau nur wenig Zeit für ihre Weihnachtseinkäufe hat und nicht die pas­senden Geschenke findet, reagiert sie verständlicher weise mit Anspannung und Unsicherheit. Zudem haben gerade Frauen sehr hohe Erwartungen an Weihnachten. Sie wol­len, dass alles wie am Schnürchen klappt, und fühlen sich oft dafür verantwortlich, dass alle anderen zufrieden sind. Das gelingt ihnen jedoch nicht. Der Ratschlag weiter unten soll helfen, Ihren Einkaufsstress ein wenig zu lindern.

 

Wie man Geschenke kauft

Wenn Sie beschließen, gemeinsam einkaufen zu gehen, brauchen Sie unbedingt unsere Hilfe! Eine neuere Unter­suchung hat gezeigt, dass verblüffende 57 Prozent von uns zugeben, dass sie beim Weihnachtseinkauf mit ihrem Part­ner streiten. Wenn Männer und Frauen – mit all ihren Un­terschieden – zusammen fürs Fest einkaufen, kann das mit einem gewaltigen Krach enden. Männer reagieren unsicher und frustriert, wenn eine Frau sich genau überlegt, was sie kaufen will und ob ein Geschenk dem Empfänger wohl ge­fallen wird. Er will einfach nur, dass sie das verfluchte Teil kauft, damit sie so schnell wie möglich hier rauskommen. Er wird wütend, wenn sie nach seiner Meinung fragt und dann doch nichts kauft. Sie dagegen reagiert enttäuscht, wenn er keine Meinung zu ihren Vorschlägen äußert. Sie hat den Eindruck, dass die ganze Mühsal auf ihr lastet und er nur hinter ihr herschlappt und fragt, wie lange sie denn noch braucht.

Es entspricht den Denkmustern von Frauen, dass sie viele verschiedene Angebote gegeneinander abwägen: Sie durchleben dabei eine ganze Palette an Empfindungen und betrachten jedes Geschenk im Spiegel einer bestimmten Stimmung. Der männliche Ansatz beim Aussuchen der Geschenke spiegelt männliche Denkmuster wider: konser­vativ und lösungsorientiert. Er wählt gern praktische und wenig überraschende Geschenke: eine Flasche Wein, einen Blumenstrauß, Manschettenknöpfe, vielleicht einen Schal oder Handschuhe. Frauen schenken lieber etwas Persön­liches, das jeweils zum Beschenkten passt. Sie suchen das perfekte Geschenk.

Um einen Mann zu einem gemeinsamen Einkaufsbum­mel zu motivieren, muss man ihm klare Kriterien an die Hand geben: Sagen Sie ihm, für wen Sie beide was kaufen wollen (Farben, Größen, Marken, Stil) und wo Sie wie lange einkaufen wollen. Wenn Sie klare Ziele gesteckt haben (ob­wohl diese aus der Luft gegriffen sind), werden Sie staunen, wie viel Enthusiasmus ein Mann plötzlich beim Einkaufen zeigen kann.

Einkaufslisten können eine echte Hilfe sein, und Inter­net-Shopping ist oft eine einfache und praktische Lösung, um dem Weihnachtsstress zu entgehen.

 

Ausschnitt aus: „Warum Männer sich Socken wünschen und Frauen alles umtauschen; Der Survival-Guide für Weihnachten“ von Allan & Barbara Pease
 
 

Infos zum Buch:

[Adventskalender]  18. Dezember

 

  • Titel: Warum Männer sich Socken wünschen und Frauen alles umtauschen ; Der Survival Guide für Weihnachten
  • Autoren: Allan & Barbara Pease
  • Verlag:   Ullstein Taschenbuch (1. November 2010)
  • ISBN: 978-3548372853
  • Preis:   € [D] 8,95
  • Seiten: 288

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