Adorno, die „Große Göttin“ und der feministische Antisemitismus

Adorno und Horkheimer entwickelten mit der Kritischen Theorie, auf Grundlage der Psychoanalyse von Freud die subjektive Seite und die psychische Dynamik des Antisemitismus. Der autoritäre Charakter ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Ich-Schwäche, ein externalisiertes Über-Ich und ein ich-fremdes Es. In der sogenannten F-Skala erfasst Adorno verschiedene Denkmuster die prädestiniert sind für antidemokratische, faschistische, antisemitische Tendenzen. Mangelnde emotionale Zuwendung in patriarchalischen Familien mit strenger Disziplinierung ist laut Freud verantwortlich für die misslungene Überichintegration der Kinder, die nicht in der Lage sind, ein festes ich herauszubilden. Typische Merkmale sind starre Konventionalität, Konformismus, Angst vor sozialer Abweichung, Autoritäre Aggression, verkitschte Pseudoemotionalität, Stereotypie, Destruktivität und Zynismus, Aberglaube, Unfähigkeit zur Selbstreflektion, Anfälligkeit für Vorurteile,  Fixierung auf Sexuelles (Beleidigungen auf sexueller Grundlage). In der kritischen Theorie heißt es, dass sich der moderne Antisemitismus zwar nicht von seinen religiös geprägten Vorformen trennen lässt, es aber trotzdem einen Unterschied zwischen den religiösen Antijudaismus und dem modernen Antisemitismus gibt. Else Frenkel-Brunswik schreibt über die antisemitische Persönlichkeit in einer klinischen Untersuchung und bezieht sich dabei auf eine entsprechende Antisemitismusskala: Bei den Probandinnen mit extrem hohen Werten auf der Antisemitismusscala finden sich ferner Momente, die auf mögliche paranoide Züge hinweisen. Signifikant häufiger als Personen mit niedrigen Skalenwerten bejahen sie die folgenden Behauptungen: “Unser Leben wird in einem größeren Ausmaß, als das den meisten Menschen klar ist, durch Intrigen bestimmt, die die Politiker im geheimen anstecken“, und: „Heutzutage, wo so viele verschiedene Arten von Menschen sich so frei bewegen und mischen, muss man besonders vorsichtig sein, um sich vor Ansteckung und Krankheit zu schützen“. Interessant ist auch, dass die antisemitischen Probandinnen, aufgefordert, verwerfliche Praktiken aufzulisten, häufig das „neugierig sein“ an erster Stelle nennen. In ihren Geschichten hören wir von der „Stimme des Verdachts“ und von verhexten Häusern. Ausnahmezustände wie Wahnsinn, Trance, Bann, Verbindung mit den Toten und dergleichen werden oft erwähnt.“

Unter Sekundärem Antisemitismus ist ein Antisemitismus wegen Auschwitz zu verstehen, der sich gegen die Opfer von Auschwitz wendet. Es ist ein Antisemitismus nicht trotz sondern wegen Auschwitz. Die Täter des Nationalsozialismus und deren Erben werden permanent an ihre Untaten und zugleich an ihr Versagen erinnert. Jeder lebende und überlebende Jude ist Zeuge und Vorwurf zugleich. Der sekundäre Antisemitismus beginnt mit der Verdrängung der Vergangenheit, dem leugnen oder dem relativieren der Verbrechen, im Versuch der Schuldumkehr, in der Ignoranz gegenüber dem Holocaust und endet mit der Renationalisierung die speziell nach 1989 in Deutschland stattgefunden hat. Die Täter-Opfer-Umkehr manifestiert sich in Aussagen, wie, die Deutschen sind die eigentlichen Opfer, von Krieg, Vertreibung, Bombardierung der deutschen Großstätte und so fort. Die Juden stehen diesen Antisemiten im Wege, für einen Schlussstrich unter die Vergangenheit. Die nach Auschwitz zerstörte positive Identifikation mit deutsch-nationaler Identität mit seinen kollektiv-narzistischen Beschädigungen sollen überwunden werden. „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen“, dieser Satz von Zwi Rex, einem jüdischen Arzt, ist der zentrale Punkt für die Beschreibung des Sekundären Antisemitismus.

Sekundärer Antisemitismus ist gleichfalls in den esoterischen Zirkeln der Frauenbewegung zu beobachten. Diese Esoterikszene mit Ökofeministinnen, Matriarchatsforscherinnen und feministischen Theologinnen, praktizieren laut eigenen Angaben matriarchale Spiritualität, gehen von ehemaligen matriarchalen Zuständen, mit einem „sinnfrohen Polytheismus“ auf dieser Erde aus, in dessen Rahmen man eine übergeordnete „Große Göttin“ verehrt. Diese feministische Szene ist davon überzeugt, dass es zu früheren Zeiten in vielen Kulturen Matriarchate gegeben hat. Johann Jacob Bachofens „Mutterrecht“ ist für die feministische Matriarchatsforschung von großer Bedeutung. Die Symbolik Bachofens, allem voran die Vorstellung von der „Großen Muttergottheit“ hat unter anderem auch die völkische und nationalsozialistische Rezeption der Matriarchatsidee geprägt. Verfolgt man die Genese der Matriarchatsidee von Bachofen bis heute, so liegt die These nahe, dass sie jeweils in Zeiten Konjunktur bekommt, in denen das Rollenverständnis der Geschlechter zur Diskussion steht. „In matriarchalen oder mutterrechtlichen Kulturen, „meint“ Christa Mulack, bildet die Frauengemeinschaft mit ihren Kindern den Mittelpunkt der Sippe. Die Verantwortung für die erniedrigte Stellung der Frau und somit für das Patriarchat der Einführung des Monotheismus, konkret dem Judentum zugeschrieben.“ Nebenbei sei erwähnt, dass in dieser „Große Göttin-Szene“ das Judentum für die Globalisierung verantwortlich gemacht wird. Die katholische Theologin Gerda Weiler ist davon überzeugt, dass das „vor 5000 Jahren noch weltumspannende Matriarchat vom Judentum vernichtet worden wäre“. Auch die evangelische Theologin Christa Mulack ist von dieser Matriarchatsthese überzeugt und nennt Jahwe den „Mörder der Göttinnen“. Christa Mulack vergleicht Judentum und Nazismus und schreibt in der Zeitschrift Schlangenbrut: “Sie sehe keinen Unterschied, ob der Gottvater im Buch Ezekiel die Ausrottung von Frauen, Kindern und alten Leuten aufgrund ihrer unterschiedlichen Religion befiehlt oder ob Hitler und seine Handlanger die Ermordung der Juden fordern. Ihr Anliegen sei es, die Analogie der Denkstrukturen aufzuzeigen. Schließlich sei der Holocaust nur eine von zahllosen Auswirkungen patriarchaler Denkstrukturen, die man nicht nur in der hebräischen Bibel finde und der nicht nur Juden zum Opfer gefallen seien, sondern vor allem Frauen. Sie alle seien in gleicher Weise tragische Opfer des Patriarchats“. Die, mit Sicherheit von vielen Betonfeministinnen verehrte, Matriarchatsforscherin Gerda Weiler schreibt in ihrem Buch, „Das verborgene Matriarchat im Alten Testament“: “Für unsere moderne Problematik hat die Geschichte des ‘auserwählten Volkes’ exemplarischen Charakter: Herausgelöst aus seinem Urgrund, verlässt dieses Volk die tolerante Weltanschauung seiner Mütter, verteufelt die alles durchdringende Liebe der matriarchalen Religion, spaltet zerstörerische Aggressionen ab und erkämpft mit einem brutalen ‘Ausmordungsprogramm’ die Vormacht im Vorderen Orient. Auf der Kehrseite der Macht wartet die Ohnmacht. Israel wird verwüstet und hört als Staat auf zu existieren. Wir können diesen Weg als ein Lehrstück begreifen, das zeigt, wie der totale Machtanspruch zu Un-Heil und zu völliger Vernichtung führen muss.“ Die antisemitischen Stereotype und Projektionen sind unübersehbar: „Die Juden seien aus ihrem Urgrund herausgelöst, also wurzellos; nicht die Antisemiten, sondern die Juden spalteten zerstörerische Aggressionen ab und seien selbst schuld an ihrer Vernichtung.“  Hierbei handelt es sich sozusagen um einen genuin feministischen Antisemitismus.

Die generelle Abwertung des Männlichen dieser Fundamental-Feministinnen ist der Versuch für Machtzuwachs und um die angebliche moralische Überlegenheit zu demonstrieren. Hinter dem leidenschaftlichen Anspruch, dass Frauen das bessere Geschlecht seien, trat in Deutschland unter Feministinnen der Versuch zutage, die Mitwirkung der Frauen im Nationalsozialismus der kritischen Betrachtung zu entziehen. Gewisse Kreise innerhalb der Szene versuchen, jede Beteiligung der Frauen am Nationalsozialismus und der Shoah zu verleugnen. Im Gegensatz dazu waren in nahezu allen Bereichen des nationalsozialistischen Staates Frauen nicht nur als Täterinnen aktiv, sondern zählten zugleich auch zu den Profiteurinnen der Vernichtung: Mehrere Tausend Frauen arbeiteten als KZ-Aufseherinnen. Sie werden durchgehend als unvorstellbar sadistisch und grausam beschrieben und standen ihren männlichen Kollegen bei der Vernichtung hunderttausender Menschen in nichts nach – was die These von der friedfertigen Frau, die bloß für Aufseherinnendienste instrumentalisiert wurde, widerlegt. Innerhalb nur weniger Wochen wurden Frauen zu jeder nur erdenklichen Grausamkeit bereit. Auch bei den völlig eigeninitiativen Todesmärschen in der Endphase des NS-Regimes, als keine Befehle mehr von oben kamen, handelten die Aufseherinnen nach der antisemitischen Devise, noch möglichst viele Jüdinnen umzubringen. Frauen beteiligten sich als Ärztinnen an medizinischen Menschenversuchen und Zwangssterilisationen, sie nahmen als SS-Ehefrauen an den Raubzügen durch die Ghettos in den besetzten Gebieten teil und bereicherten sich an den Häftlingen, sie trugen als Pflegerinnen in den diversen Tötungsanstalten die Verantwortung für die Vernichtung „unwerten Lebens“, sie exekutierten als Fürsorgerinnen das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ und sie lieferten als Denunziantinnen Juden, Roma, Homosexuelle dem Zugriff der Gestapo aus. „Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Ansicht, die Frauenbewegung hätte 1933 zu existieren aufgehört, kommt Claudia Koonz zu folgendem Ergebnis: „Im NS-Deutschland hatten Frauen die Möglichkeit gehabt, die größte Frauenorganisation der Geschichte aufzubauen, und zwar mit dem Segen der so offensichtlich männlich-chauvinistischen NSDAP. Die Vision vieler Frauenrechtlerinnen des 19. Jahrhunderts war hier auf eine alptraumhafte Weise Realität geworden.„, schreibt Ljiljana Radonic in „Deutscher Feminismus und Antisemitismus“. All dies hören Betonfeministinnen nicht gerne, mit ihrer Verweigerung von Einfühlung den wirklichen Opfern des Nationalsozialismus gegenüber hängt mit der Verleugnung jeglicher eigener Schuld des weiblichen Geschlechts an Nationalsozialismus und Antisemitismus zusammen.

In linksliberalen Foren, wie „Zeit-Online“ oder „derFreitag“ sind viele dieser feministischen Israelgegnerinnen aktiv. Eine dieser Bloggerinnen, laut eigenen Angaben eine Juristin, leidet scheinbar unter der von Freud beschriebenen „Ich-Schwäche“ und der beschriebenen Fixierung auf Sexualität. Diese Schreiberin vergleicht Israel gerne mit dem Apartheidstaat Südafrika und versucht mit Kommentaren wie, „…männer stehen auf nem balkon und holen sich einen runter“ oder „dass du deinen schwengel für die einzig wahre gesetzesquelle hältst“ oder du „Ziegenficker“, ihren Israelfeindschaft durchzusetzen und ihre Gegner zu beleidigen. Eine mit ihr befreundete Schreiberin die neben ihrer Israelgegnerschaft, die Menschenzuchttheorien von Silvio Gesell verehrt, meint beispielsweise im „Freitagsforum“: “Israel hat sich die Hamas gezüchtet“ oder “Ich wäre stolz Felicia Langer zu sein„ oder „Zu demselben Ergebnis kommt man, wenn man das Naturweib, das wie eine Königin über die Natur ringsum verfügt, mit unseren armseligen Fabrikarbeiterinnen vergleicht. Diesen Ansatz würde ich zu den mutterrechtlichen Strömungen, die sich auf  Bachofen berufen, zurückführen“ oder „Was heute reaktionär erscheint, war damals emanzipatorisch, [..] Bei Gesell hat er ja sogar den ausgesprochen emanzipatorischen Aspekt, in Liebesdingen von der ewigen Geldabhängkeit weg zu kommen. Die Schrift Bachofens über das Mutterrecht, gab dazu Impulse“. Eine dritte dieser feministischen Theologinen schreibt beispielshalber: “Scharia-konforme ‘Finanzprodukte’ sind ausgesprochen interessant, waren von der Finanzkrise relativ wenig betroffen und werfen ein weiteres kleines Lichtlein auf das sehr weite Feld Scharia“. Diese Betonfeministinnen, die einerseits Israel in diversen linksliberalen Communitys das Verteidigungsrecht absprechen, Israel mit dem Apartheidstaat Südafrika vergleichen, Boykottaufrufe gegen Israel fordern, aber andererseits das iranische Regime sehr wohlwollend beurteilen und gar Teile der Scharia in Deutschland gerne eingeführt sähen, belegen mit ihrem sekundären Antisemitismus die Thesen von Freud und Adorno und der übrigen „Frankfurter Schule“. Ihr Glaube an das Mutterrecht Bachofens, an das Matriarchat, an die „Weiblichen Göttlichen“, ihr Hass gegen Israel verbindet sie, quasi als unsichtbares Band. Bemerkenswert dabei sind die mitdiskutierenden Männer, die scheinbar den Wahn dieser Frauen nicht erkennend, nur durch die gemeinsame Gegnerschaft zu Israel ein freundschaftliches Verhältnis in diesen Foren miteinander pflegen. Während die Moderation von „Zeit-Online“ immerhin gewisse Grenzen für die beschriebenen „Betonfeministinnen“ absteckt, können diese in der Community des „Freitag“ scheinbar nach Belieben schalten und walten.

Quellen: Ljiljana Radonic – Deutscher Feminismus und Antisemitismus

Theodor W. Adorno – Studien zum autoritären Charakter

Else Frenkel-Brunswik – Die antisemitische Persönlichkeit

 


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