Adipositaschirurgie bei Kindern – wie lange sind sie noch davor sicher?

Die Meldungen über übergewichtige Kinder und welche schrecklichen Folgen ein paar Kilo über dem für Erwachsene erfundene BMI das für ihr späteres Leben haben wird, rauschen regelmäßig durch den Blätterwald.

So wird nicht nur Geld für die Xte Wiederholung von Gesundheitsprogrammen an Schulen locker gemacht, es gibt auch regelmäßig verbale Haue für die bösen Eltern und (weniger oft) Überlegungen zu den Verlockungstaktiken der Lebensmittelindustrie.

Was bislang zum Glück noch nicht so vehement gefordert wird, ist die Übernahme der Kosten für Adipositaschirurgie durch die Krankenkassen. Gemeint sind Operationen an Kindern, Magenbänder, Schlauchmagen und was es noch alles gibt. Kinder haben keine Disziplin, Eltern sind unfähig, die Schule tut zu wenig, als muss der Chirurg das Kind vor den medial verbreiteten sicheren üblen Spätfolgen retten. Noch vollere Terminlisten für Adipositascentren und wenn die Krankenkasse endlich zahlen würde, dann würde der Rubel in den OPs so richtig rollen.

Doch, so leicht will sich die Kasse die Entscheidung nicht machen. Und das aus guten Gründen, also aus finanziellen. Es gibt noch keine Langzeitergebnisse von Menschen, die 40, 50 oder noch mehr Jahre mit einem Magenbypass oder einem Schlauchmagen gelebt haben. Und Kinder sollten ja so lange damit leben, also auch mit allen Folgen. Das bedeutet natürlich Disziplin, weil Präperate das ersetzen, was ein gesundes Verdauungssystem sonst aus leckerem Essen herausholen würde. Disziplin? Die fehlt doch den Kindern, sonst wären sie nicht so dick, oder?  Wie soll das dann mit der Nachsorge funktionieren? Das würde ein engmaschiges Team brauchen von Ärzten, Erzieherun, Psychologen usw… also ziemlich teuer kommen und das ohne garantierten Langzeiterfolg. Wenn also nicht versprochen werden kann, dass die operierten Kinder den Kassen im Alter deutlich weniger kosten als sie als dicke Erwachsene kosten werden, solange werden sich die Kassen sträuben und veröffentlichen skeptische Artikel zum Thema. Oder es zumindest  versuchen.

Der gesellschaftliche Druck wird wachsen. Und man fragt sich zurecht, wie lange die Kinder wirklich noch davor sicher sind, sich ihr gesundes Verdauungssystem verstümmeln lassen zu müssen, um sich den Schönheitsidealen einer Photoshop-Gesellschaft unterwerfen zu müssen.


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