Ach Du dicker Kater! – Antworten einer Tierärztin

KaterTransportbox_piu700_pixelio.de

Wie bringt man´s den Dosenöffnern bei? – Foto: © piu700 / pixelio.de

“Ja – aber…”
Damit beginnt einer der häufigsten Sätze, den ich in der Praxis höre.
Und so spielt sich das z.B. vorher ab:
Max, 2 Jahre alter kastrierter Kater steckt den Kopf aus seiner Transportkiste. Wunderhübscher Kopf. Und dann kommt der Rest. Oh weia. Früher sagte man mal, wo der Kopf einer Katze durchpasst, kommt der Körper schon hinterher. Ich glaube nicht, dass das für Max noch zutrifft. Wie gut, dass die Transportkiste eine große Öffnung hat.
Ich sage: “Oh, der ist aber ein bisschen dick” (nett ausgedrückt). Dann kommt der Satz, ich warte schon darauf:

„Ja aber, der bekommt doch gar nicht so viel Futter.“

Da ist es, mein Stichwort. Und los, je nach subjektiver Einschätzung meines zweibeinigen Gegenüber, mit Antworten für:

1. Logiker
Wenn Max mit dieser Menge Futter so aussieht, dann ist es ganz einfach zu viel.
2. Mathematiker
Man füttere einer durchschnittlichen 4 kg Katze täglich 400 Gramm Feuchtfutter. Einen 80 kg schweren Menschen entsprechend gefüttert, würde bedeuten, dass er täglich 8 Kilogramm davon essen müsste.
3. Ethiker
Unser einzigartiges Tierschutzgesetz bestimmt: ohne Grund darf keinem Tier Leid zugefügt werden. Angefüttertes Übergewicht bedeutet Leid. Und der süße Blick des gefräßigen Max ist kein Grund!
4. Vegetarier
Das ist ja wie in der Tiermast! Da, wo wir dem Tier ganz viel Futter zur Verfügung stellen, damit es ganz schnell dick wird, damit wir es ganz schnell essen können. OK, wenn Sie ihren Max essen wollen, dann füttern sie so weiter wie bisher.
5. Rechtsanwälte
Das Erscheinungsbild einer fettleibigen Katze hat sich leider allgemein als “Standard” etabliert. Sie halten Max am besten bei Normalgewicht und geben ihm nur soviel Futter, wie er wirklich braucht. Sie haben alles richtig gemacht, wenn streitlustige Nachbarn Sie anzeigen, wollen, weil Max so dünn ist.
6. Alle anderen
Und dem Rest erzähle ich etwas über die gesundheitlichen Risiken und Nebenwirkungen des Überfütterns ihrer Lieblinge: Dass es Lebenszeit kostet. Nicht Monate, sondern vielleicht Jahre! Und ich möchte auch nicht 7 Jahre vor meiner Zeit durch Übergewicht sterben, ganz ehrlich.

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Dosenöffner statt Tierfreund

Oben beschriebener Max ist kein geschmeidig-eleganter Jäger mehr. Eher eine rollende Fressmaschine auf vier Pfoten.
Und wer hat´s gemacht? In erster Linie natürlich der Dosenöffner selbst. Bei diesem setzt beim Anblick bunter Futtermittelbehälter anscheinend kurzfristig der Verstand aus. Und die Futtermittelfirmen? Die Gesundheit des Tieres scheint zweitrangig. Wichtig ist die Kundenzufriedenheit, sprich die Seligkeit des Besitzers, wenn sein geliebtes Tier so fein sein Schüsselchen ausschleckt. Bei unserem Nachwuchs geht es ja schließlich ähnlich zu: Mutti ist nicht glücklich, wenn Klein-Emma ihr Fläschchen nicht geleert hat. Also schüttet der Babynahrungshersteller etwas Vanille ins Pulver, damit´s besser schmeckt. Und Mutti regelt den Rest und stopft.
Und so geht es Max wie uns: dick und rund. Und nicht gesund.

von Wiebke Maaß


WiebkeM1über die Autorin:
Wiebke Maaß ist praktizierende Tierärztin und leitet eine Hotline für Tierhalter zu Fragen der Tierernährung und Tiergesundheit. Sie ist Spezialistin für Darmerkrankungen


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Quellen – weiterführende Links

Foto: by piu700, http://www.pixelio.de
Video: Fette Katze versucht zu springen, gefunden bei youtube.de; uploader: funnyvideoclipsNET


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