Ablehnung – Über die fehlende Lust, zu essen, zu trinken, Taxi zu fahren und zu kaufen.

Es gibt Länder, Städte oder Stadtteile wo man es als Reisender manchmal gar nicht so leicht hat. Martin Amanshauser hat hier sehr passend einen Monolog zu diesem Thema verfasst! 

 

“Ich brauche keine Aircondition, ich bin kein Amerikaner, I am not American. 
Ich brauche keinen Zucker zum Tee, danke, no sugar, auch keine Milch,
am liebsten gar keinen Tee, aber bitte auch keinen Kaffee, ich brauche Zeit,
ich kann mich noch nicht entscheiden, ich kann mich nie entscheiden.

Nein, Sie müssen mir den Koffer nicht abnehmen, er passt gut zu mir.
Ich brauche kein Taxi, danke vielmals, auch wenn Sie hupen
und im Schritttempo neben mir herfahren, ich gehe heute zu Fuß,
auch wenn es Verschwendung ist, auch wenn ich das Geld für die Fahrt hätte.

Ich möchte Ihren Shop jetzt nicht ansehen, nein,
auch wenn alle Gegenstände von guter Qualität sind und auch wenn schauen nichts kostet,
kein only looking, nein danke, ich bin im looking so ungeschickt, ich schaue Ihnen alles kaputt.
Ich bauche keine Motorrikscha, auch wenn Sie eine besitzen oder betreiben
ich gehöre zu den langweiligen Typen, die gar nichts wollen.

Es geht Sie ehrlich gesagt nichts an, wohin ich gehe,
auch wenn ich durch Ihr Land gehe.
Sie müssen nicht neben mir herlaufen.
Es wäre mir lieber, wenn Sie mich nicht am Arm berühren – danke vielmals.

Nein, ich kaufe jetzt keine T-shirts, auch wenn ich eines trage, es ist mein einziges,
ich brauche kein zweites.
Nein, ich habe schon gegessen, und ich gehe prinzipiell nicht in Lokale, vor denen
Keiler wie Sie stehen, glauben Sie denn, dass Sie so Gäste anziehen,
ich glaube eher, Sie vertreiben sie, na gut, sie haben einige Gäste, ich sage Ihnen was,
es sind die Ich-schwächsten unter uns.

Danke, ich brauche keine Muschelketten und auch nichts von den restlichen Gegenständen,
die Sie so mit sich tragen, Sie verlieren Ihre Zeit, wenn Sie alles vor mir aufbreiten,
ich verrate ihnen ein Geheimnis: Ich bin zu arrogant, um heute etwas zu kaufen.

Danke, ich habe keinen Hunger,
ich möchte kein Bier, no beer, es ist Teufelszeug, es ist Alkohol,
ich bin tiefreligiös, ich bin bei einer Sekte, in der man streng genommen gar nichts darf,
ich darf Ihnen eigentlich nicht einmal antworten, wenn das mein Sektenführer erführe,
würde er Sie erschießen, ja natürlich, er würde Sie erschießen, sicher nicht mich,
er schießt nicht auf Mitglieder. Danke, sehr freundlich,
nein, Sie irren sich ich bin gar kein Tourist,
wie kommen sie darauf?”

 

Übernommen aus dem Buch: „Falsch Reisen – alle machen es: 100 Geschichten“ Autor: Martin Amanshauser; Auflage 2014; Picus Verlag Wien


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