Abkühlung! Das kleine Eistee Einmaleins (1/2)

Von Cookinblog

Bei hohen Temperaturen gibt es kaum eine schönere Erfrischung als Eistee.

Natürlich eignen sich Champagner, Weißwein, Longdrinks und Cocktails mindestens ebenso gut. Doch wer Kinder zu versorgen, im Laufe des Tages noch Pläne oder einfach keine Lust auf eine Trinkerrkarriere hat, der will möglicherweise hier und da auf Alkohol verzichten.

Die Lösung: Eistee…

Dabei fristete Eistee – zumindestens bei uns – lange ein trübseliges Nischendasein.

Das liegt zum einen an dem ekelhaften süßen und artifiziellen Mist, den die Industrie unter dem Begriff Eistee in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Zitrone und Pfirsich im Handel vermarktet. Das mag zum anderen mit dem unsagbar künstlichen Zitroneneistee-Granulat zu tun haben, das, vermutlich nicht nur bei mir, in Kindheitstagen ein mittelschweres Trauma ausgelöst hat. Und zu guter letzt basiert der klassische Eistee auf schwarzem Tee. Und der ist, nach meiner Erfahrung, für einen wirklich leckeren Eistee, zumindest solo, nicht geeignet.

Eine denkbar schlechte Ausgangslage also.

Und vermutlich wäre ich niemals auf das Thema Eistee gestoßen, wenn uns nicht vergangenes Jahr in der Gastronomie ein erstaunlich leckeres Exemplar über den Weg gelaufen wäre. Darauf hin haben wir einen guten Monat experimentiert.

Die Ergebnisse möchte ich Euch heute und später dann im zweiten Teil vorstellen.

Folgende Themen erwarten Euch:

1. Geschichte & geeignete Teesorten
2. Süße
3. Säure
4. Kräuter & Gewürze
5. Abschließendes

1. Geschichte und geeignete Teesorten

Eistee wurde angeblich 1904 im Rahmen der Weltausstellung in St. Louis erfunden. Als ein Teeplantagen-Besitzer während einer Hitzewelle seine Tee-Pröbchen nicht loswurde, schmiss er kurzerhand Eiswürfel in den Tee.

Und siehe da: der gekühlte Tee entwickelte sich – so zumindestens geht die Legende – zum Renner.

Nicht alle Teesorten eignen sich für Eistee. Insbesondere die klassischen Schwarztees haben bei unseren Versuchen für wenig Licht und viel Schatten gesorgt.

Grundsätzlich gilt für die Tees:

  • Lose, bessere Qualitäten, ergeben auch bessere Eistees. Es muss allerdings sicherlich nicht der sündhaft-teure Edel-Grüntee sein.
  • Es ist sinnvoll, auf parfümierte Tees, insbesondere solche mit zugesetzten Aromen, zu verzichten.
  • Ausser Schwarztees müssen die Tees nicht, wie häufig zu lesen, über Eiswürfeln express-abgekühlt werden. Selbst beim relativ herben Grüntee bringt die Eiswürfel-Methode keine spürbare Verbesserung

Schwarztee

Schwarztees sind nach meiner Erfahrung für Eistee – Legende hin oder her – nicht geeignet. Sie enthalten zuviele Tannine und sind sowohl zu bitter als auch zu herb.

Es ist mir trotz vieler Versuche mit allen wesentlichen Schwarzteesorten und mitunter sehr hochwertigen Qualitäten nicht gelungen, mit 100% Schwarztee einen wirklich leckeren Eistee zu zaubern.

Das mitunter empfohlene Backpulver, um die Tannine zu bändigen, hilft nicht substantiell weiter. Und auch die immer wieder beschriebene Methode, den Tee nur kurz ziehen zu lassen und dann mit Eiswürfeln abzukühlen, hat keine befriedigen Ergebnisse produziert.

Anders sieht es aus, wenn man Schwarztee mit anderen Teesorten, z.B. Früchte- oder Kräutertee, mischt. Dann lassen sich passable Ergebnisse erzielen. Dennoch: es gibt bessere Alternativen.

Matcha-Tee

Matcha-Tee ist, je nach Qualität, deutlich herb, mehr oder weniger bitter und wunderbar grün. Außerdem ist er leicht zuzubereiten. Man benötigt lediglich Flüssigkeit, den Tee und eine gute Küchenmaschine. Matcha-Tee benötigt unbedingt eine fruchtige Komponente, z.B. Apfeltee, um voll zur Geltung zu kommen.

Außerdem sollte man nicht zu viele ebenfalls bittere Komponenten dazu nehmen. Ein Cocktail mit Matcha, Grapefruit und Tonic zum Beispiel ist zuviel des Guten.

Matcha verträgt sich aufs Beste mit Apfel, Ingwer und Zitrone.

Grüntee

Grüntees, insbesondere die besseren, losen Qualitäten, sind ein echter hidden champion für Eistee. Ein guter Grüntee mit etwas Apfeltee und einem Schuss Minze ergibt einen feinen, saumäßig leckeren Eistee. Vielleicht nicht unbedingt für den Kindergeburtstag. Aber als alkoholfreier Apero ganz große Klasse.

Roiboos-Tee

Roiboos-Tee kommt aus Südafrika und ist dem schwarzen Tee aromatisch relativ ähnlich. Er jedoch würziger, weniger herb-bitter und enthält kein Koffe-in. Außerdem werden ihm Krebs-verhindernde Eigenschaften nachgesagt.

Roiboos-Tee ist mein Eistee-Favourit. Roiboss-Tee, Ingwer-Sirup und Limettensaft sind eine simple wie wahnsinnig leckere Kombination. Viel besser geht es nicht.

Roiboos-Eistee mit Ingwer und Zitronengras

1,5 Liter Wasser
3 – 5 Teebeutel Roiboss-Tee
2 Stangen Zitronengras
3 großzügig bemessene Stücke Ingwer
1 – 2 Löffel unraffinierter, brauner Zucker
2 EL Ingwersirup
Saft von 1 Limette/ Zitrone
Eiswürfel

Die Zitronengrasstangen mit dem flachen Messer anquetschen. Das Wasser aufkochen und über die Teebeutel, Zittronengras und Ingwer gießen. Zucker dazu geben. Mindestens zehn Minuten ziehen lassen. Dann die Teebeutel entfernen.

Optimalerweise einige Stunden durchziehen lassen.

Wenn es schnell gehen soll: Nur die Hälft des Wassers nehmen. Wenn die Teebeutel entfernt sind, über Eiswürfel gießen, so dass der Tee voll-ständig abkühlt.

Kurz vor dem Servieren mit Limettensaft und Ingwersirup abschmecken und dann in einer Karaffe mit viel Eis servieren. .

Früchtetee

Apfeltee eignet sich phantastisch für Eistee. Das frische, fruchtige und leicht ins parfümierte gehende Apfelaroma harmoniert bestens mit fast allen Schwarz- und Grüntees sowie mit Zitrusfrüchten, fast der kompletten Bandbreite asiatischer Aromen sowie mit vielen Gewürzen wie Zimt und Vanille. Im Gegensatz zu Apfelsaft ist Apfeltee intensiver im Geschmack und leicht herb. Apfeltee verträgt, wie alle Früchtetee-Sorten, langes Ziehen.

Apfeltee hat die wunderbare Gabe, je nach Kombination beim Trinker die wildesten Geschmacksassoziationen hervorzurufen.

Bei diversen Versuchen mit Grün- und Apfelteemischungen waren die Tester zwar sehr angetan, sind aber nie auf „Apfeltee“ als Zutat gekommen.

2. Süße

Eistee lebt vom Süße-Säure-Spiel. Deshalb ist es günstig, Eistee, wie alles andere auch, abzuschmecken.

Da man insbesondere Zitronen-, Limetten-, Grapefruitsaft und ähnliches am besten erst kurz vor dem Servieren zugibt, hat es sich bewährt, den Eistee am Anfang relativ zurückhaltend zu süßen – am besten mit braunem Zucker – und dann, beim Abschmecken, mit Sirup nachzusteuern.

Brauner Zucker ist besser als weisser Zucker!

Unraffinierter brauner Rohrzucker (nicht der eingefärbte Rohrohrzucker vom Drogeriemarkt) hat, je nach Variante, einen starken bis sehr starken Eigengeschmack, der dem Tee Charakter und Komplexität verleiht. Er ist – in jedem Fall – dem raffinierten weißen Kristallzucker vorzuziehen. Weißer, raffinierter Kristallzucker ist ausschließlich dafür gemacht, die Prozesskosten der Industrie zu senken und den Zahnärzten einen zweiten 911er zu finanzieren.

Zucker löst sich nur in warmen Umgebungen. Deshalb kann man Zucker am besten beim ersten Aufbrühen verwenden. Für das „Feintuning“ am Ende bietet sich Sirup an.

Sirup

Sirupe können nicht nur zu Zucker sondern vor allem auch zu frischen Aromaten eine sehr gute Alternative sein. Denn zum einen lösen sich Sirupe in kalten Flüssigkeiten erheblich besser als Zucker. Zum anderen werden die Aromen durch die hohe Zuckerkonzentration in Sirupen deutlich besser gelöst.

Im Handel sind, insbesondere bei spezialisierten Versendern für Cocktail-Profis, Sirupe in nahezu unendlicher Vielfalt verfügbar. Optimalerweise stellt man die Sirupe jedoch selber her. Denn fast alle Handelsprodukte enthalten künstliche Aromen.

Folgende Sirupe sind als Allzweckwaffen besonders gut für Eistee geeignet:

Ingwersirup

Ingwersiup ist die Allzewckwaffe für Eistee. Ingwersirup transportiert Würze, eine ganz dezente Schärfe und Frische. Damit ist er hervorragend geeignet, um Eistee zusätzlich zur Süße Komplexität und Frische zu verleihen. Man sollte Ingwer-Sirup selber herstellen. Denn zum einen basiert Handelsüblicher Sirup in der Regel auf künstlichen Aromen.

Selbstgemachter Sirup ist nicht nur natürlicher sondern viel, viel leckerer.

Und zum anderen ist Ingwer-Sirup so einfach herzustellen und in der Küche als Allround-Süßungsmittel einetzbar, dass es weniger Rezepte gibt die sich mehr lohnen. Zum Rezept hier entlang.

Passionsfruchtsirup

Die Passionsfrucht ist der Everybodys Darling des Obst-Universums. Dezent eingesetzt transportiert Passionsfruchtsirup eine exotische Fruchtigkeit, die man nicht klar aus dem Tee heraus schmeckt, die aber sehr positiv wahrgenommen wird.

Granatapfelsirup

…passt super zu fast allen Eistees und transportiert eine fruchtigen und roten Eistees z.B. auf Hibiskus-Basis.

Holunderblütensirup

…ist sehr lecker jedoch sehr intensiv und kann leicht überdosiert werden. Gut, aber vorsicht!

Fortsetzung folgt…


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