Abendliche Gedanken zum Konsum

Von Benno_thoenelt

Ich bin nun schon eine ganze Weile als Freelancer bei einer großen Firma in Berlin tätig. Diese Tätigkeit hat mir ein großes finanzielles Polster ermöglicht, welches ich seit Beginn meiner Selbständigkeit nicht hatte. Das ist ein sehr beruhigndes Gefühlt und doch bin ich mehr und mehr beunruhigt.

Warum? Nun, ich habe gemerkt, dass ich jeden Tag, der verstreicht, ein dumpferes Gefühl, eine Art Taubheit spüre. Ich habe genug Geld, um mir meine alltäglichen kleinen und großen Wünsche zu erfüllen. Das habe ich nun auch die letzten Monate getan. Aber mir war nicht bewusst, dass es dafür gilt auch einen Preis zu zahlen.
Mein Energielevel ist mehr und mehr gefallen. Selbst wenn ich die Notwendigkeit sehen würde, abends nach der Arbeit noch etwas zu tun, habe ich in letzter Zeit das Gefühl, dass ich gar nicht mehr die Kraft dazu habe. Jedwede Anstrengung über das Notwendige hinaus ist … nun anstrengend.

Und so kenne ich mich nicht, noch denke ich, dass meine Freunde und Bekannte mich so beschreiben würden. Ich bin in meinen eigenen Augen faul geworden. Ich habe meine Zähne verloren. Das fühlt sich nicht gut an. Dennoch bin ich gewissermaßen dankbar dafür. Noch dankbarer natürlich, dass es mir auffällt. Denn so habe ich die Möglichkeit, etwas dagegen zu tun.

Vor ein paar Jahren hätte ich wahrscheinlich alles verkauft, die Wohnung gekündigt und wäre ab nach Asien. Aber das habe ich schon hinter mir. Hier und jetzt gilt es, einen anderen Weg als die Flucht zu finden. Denn ich befinde mich schon auf der Flucht. Ich habe mich in Konsum geflüchtet, in ein bequemes Leben, in eine Wohnung, die eines Tages “perfekt” sein wird und ich mit ihr.
In Wirklichkeit verstecke ich mich vor dem Leben, welches da draußen auf mich wartet, ich schaue mir abends Filme an und glaube, ich würde etwas tun. Es war für eine gewisse Zeit ziemlich schön, mal nicht nachdenken zu müssen.

Aber langsam wache ich wieder auf und das, was ich sehe, gefällt mir nicht mehr. Was werde ich also tun? Nun, das ist nicht so einfach zu sagen, zumindest muss ich etwas ändern. Als nächstes verschreibe ich mir erstmal den Film “Fight Club” und ab Oktober arbeite ich nur noch zwei Tage die Woche für die Firma. Mal schauen, wie es dann aussieht.